as I scan this wasted land

direkt ins Herz

In erster Annäherung kann man eine Pfeilflugbahn bei kurzer bis mittlerer Entfernung als Gerade betrachten.
Drogen sprechen aus Meister Tharesch, in einem erleuchteten Moment.

Sövde versenkte das Boot, und wir gingen weiter. Meister Thareschs Blick wurde ab und zu von tiefen Gedanken vernebelt, er sah Kira, das kleine Mädchen öfter an, aber sagte nichts.

Auf unserem Weg kamen wir am Dorf Temnos vorbei, wo man uns Geschichten erzählte und uns als Hebammen für eine gebärende Orkin verpflichtete. Die Orkfamilie fühlte sich der elfischen Tradition verpflichtet, weshalb auch eine elfische Hebammenrobe in Orkgröße bereitlag. Aus irgendwelchen Gründen ging die Geburt tatsächlich gut und ein gesunder Junge kam auf die Welt.

Wieder auf dem Weg, setzten wir zum anderen Flussufer über und bewegten uns am Rande des Bluteichenwalds weiter in die Richtung, die uns Tharesch vorgab. Der Weg führte uns zu einer Lichtung. Eine Turmruine. Baufällige Gebäudereste. Gräber. Ein Baum. Akarem.

Im zweiten Stock des Turms warnte uns eine Inschrift auf Zwergisch, das Antlitz Garleens ohne Waffen zu betreten. Im Raum dahinter stand Garleen – natürlich nicht sie selbst, sondern eine Statue, eine milde Menschenfrau. Der Raum selbst schien fast wie neu, das Wasser frisch, die Blumen erhalten. Als hätte jemand Wert darauf gelegt, Garleen zu ehren.

In der Zwischenzeit hatte Kira das Gebäude etwas erkundet und hatte ungewöhnliche Blumen gefunden, die rochen wie… zuhause?

Die Sonne machte ihren Weg zum Untergang weiter, und draußen – ich weiß gar nicht mehr, sind wir hinausgegangen weil wir Geräusche hörten oder um Holz für Feuer zu suchen? – jedenfalls war auf der Lichtung plötzlich eine sehr große Raubkatze, schlecht getarnt durch ihr Fell, als würde sie nicht hierher gehören, sondern in den Bluteichenwald. Mit einem großen Satz war sie bei uns, und nach einem Pfeilschuss sah ich ein, dass Flucht angebracht war. Saija war anderer Meinung und ließ sich auf einen Kampf mit der Katze ein.

Wie kann ein solcher Kampf enden? Grausames Akarem! Als die Katze, verscheucht von Meister Tharesch unter Schmerzen das Weite suchte, lag Saija blutverschmiert auf dem Boden, tot. Kira fanden wir danach im Keller, verstört, bei einer Wasserquelle. Wir legten Saijas Körper vor Garleen und die Dunkelheit sank auf uns herab, schwarz und kalt.

Die Nacht verging vor meinen Augen, die Wolken zogen vor dem Mond dahin während ich halb schlafend und halb wachend im Schrein der Garleen Totenwache für Saija hielt. In meinem Halbschlaf träumte ich von einem kleinen Mädchen, dass mich in den Unterschenkel biss – das Blut durchnässte meinen Stiefel.

Früh am Morgen beschloss ich, Saijas Wunden mit dem Blumenwasser aus dem Schrein zu waschen, damit wir sie würdig beerdigen konnten, auch wenn wir kein Schiff für sie anzünden und auf dem Großen Fluss treiben lassen konnten. Unter meinen Fingern floss plötzlich frisches Blut. Gnädige Garleen, dachte ich, und rief nach den anderen. Im letzten Moment zeigte sich das Schicksal gnädig und ließ uns unsere T’sayeph.

Aufgemuntert durch dieses Glück erforschten wir den Turm und füllten die Vasen im Schrein mit dem Wasser aus der Quelle im Keller. Etwas weiter – ein Raum voller Schädel. Vor langer Zeit muss dort etwas Schreckliches passiert sein. Wir untersuchen die Blume die das Mädchen gefunden hat näher und erinnern uns dass es eine Passionsblüte sein muss, eine Pflanze aus der Zeit vor der Plage, ein Zeichen der Garleen, vielleicht die Lösung für die geheimnisvolle Krankheit?

Wir nahmen mehrere Blüten und Wasser aus der Quelle auf unserem Weg und beschlossen, weiter zum Dorf zu ziehen, in dem die Verwandten des kleinen Mädchens lebten.

Im Dorf Taquil am Fluss hieß uns der Onkel von Kira willkommen und nahm das Mädchen auf. Wir ließen das Silber bei ihm, und er versprach, uns allen Stiefel zu machen. Ich hoffe, er kann die Stiefel wirklich im selben Violett machen wie meine Augen. Wir schieden in Freundschaft vom Gorbat dem Schuster und seiner Frau Marina; Kira verabschiedete sich tränenreich von Saija und Sövde. Der Weg führte uns zurück zu Sövdes Dorf; noch hatten wir Hoffnung.

An einem kalten, feuchten, windigen Tag in diesem Spätherbst kamen endlich an unserem Ziel an, nur um das Dorf fast ausgestorben vorzufinden. Einige wenige lebten noch. Wir versuchten zu helfen, und fanden tatsächlich in der Quelle des Dorfes einen Giftkrug, eine Therranische Amphore die über Monate hinweg das Wasser und damit auch die Bewohner vergiftet hatte.

Von den Sterbenden konnten wir erfahren dass Fremde im Dorf gewesen waren; auch etwas von einem Kaer in der Nähe. Wir machten uns auf, Spuren von den Übeltätern in der Hoffnung auf ein Gegenmittel zu suchen. Bald fanden sich Spuren, sie bogen in den Wald ab, und wichen dann vom Weg ab. Ein Grenzstein zeigte, dass in der Nähe ein bisher unbekanntes Kaer war; auf dem Stein war auch eine Warnung eingeritzt – Gefahr!
In der Nähe ein Wiehern, und zwei allein gelassene Pferde auf der Wiese – zwei hatten sich schon losgerissen. Wir untersuchten die Satteltaschen und ließen danach die Tiere frei. Im Gepäck der Leute waren wohl zehn Amphoren und eine Karte der drei Dörfer, von Vivane aus gesehen. Die Eigentümer der Pferde waren wohl ins Kaer gegangen, waren aber bisher nicht herausgekommen. Das Kaer selbst war Terranisch, und das Tor verschlossen, konnte aber aufgestemmt werden.

Drinnen herrschte Halbdunkel, wir verwendeten Fackeln und folgten den Spuren der Übeltäter durch Fallen und tückisch angelegte Räume. Wir fanden sie auch – Stück für Stück. Etwas hatte sie zerstückelt. Etwas großes, grässliches versteckte sich dort. In einem Gang fanden wir schließlich einen von ihnen, der noch lebte.
Sein Auftrag, so erzählte er mit röchelnder Stimme, war es, die Dörfler zu ‚säubern‘, damit die Terraner die Silberadern in der Nähe für sich beanspruchen konnten. Wer interessierte sich schon für drei Provinzdörfer an der Grenze, die keinem gehörten. Gegenmittel hatten wie keins bekommen, wozu auch? Das Kaer selbst hätten sie aus Gier aufgebrochen, und nun jagte sie ein großes Monster, ein Dämonenkonstrukt, oder ein Dämon selbst. Natürlich jagte es uns auch – also zog ich das Schwert aus der Wunde des sterbenden Söldners und verkürzte sein Leiden, obwohl er es nicht verdiente.

Nun lag zwischen uns und der frischen Luft ein großes, echsenartiges Monster mit Stacheln am Schwanz. Zum Glück hatten wir Meister Tharesch mit uns, der das Monster in etwas sperrte – ich würde mehr darüber sagen wenn ich nicht meine Zeit dazu genützt hätte, schnell wegzulaufen. Die Tür machten wir fest hinter uns zu und ließen diesen verfluchten Ort hinter uns.

Zurück im Dorf versuchten wir verzweifelt, die letzten Überlebenden zu retten, jedoch der Aufguss aus Blumen half nichts, und die Leute waren schwach und schwanden dahin. Am Ende blieben uns nur ein Dorf voller Geister und ein riesiger Scheiterhaufen. Die Ungerechtigkeit schnürte mir die Kehle zu, aber für Sövde muss es noch viel schlimmer gewesen sein. Die anderen zwei Dörfer in der Nähe ereilte dasselbe Schicksal.
Wir trieben die Nutztiere zusammen und verkauften sie, die Einnahmen waren größtenteils für die Überlebenden des Anschlags vorgesehen, die rechtzeitig weggezogen waren und denen wir nun die Nachricht des Todes ihrer Familienmitglieder überbringen mussten. Sövde, der den Leuten in der Gegend am nächsten gestanden hatte, nahm sich dieser Aufgabe an. Ich zog mit Meister Tharesch weiter nach Märkteburg, um Elfisch lesen zu lernen, und Saija ging mit uns, vermutlich um jemanden zu suchen, mit dem sie sich anlegen konnte.

Bald trennten sich unsere Wege, und was danach geschah… erzähle ich ein andermal.

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