as I scan this wasted land

warten wir bis die Planeten günstig stehen

Endlich habe ich Sperethiel lesen gelernt.

Seit dem Tod meines Lehrmeisters ist fast mehr als ein Jahr vergangen. In Märkteburg habe ich Arbeit und Freunde gefunden, und auch einen Lehrer, der mich auf meinem Pfad weiterbringen konnte…

Ein seltsamer Kerl, der mir eines Tages einen Pfeil mit Thareschs Namen überreichte, und meinte, „wenn die Zeit gekommen sei“ würde ich ihn gebrauchen. Ob ein Loch in Thareschs Kopf so dekorativ wäre?

Offenbar verbringe ich wenn ich in Märkteburg bin und nicht außerhalb der Stadt, sowieso viel zu viel Zeit bei Meister Tharesch (der einzige den ich kenne, der mich Bücher lesen lässt, auch wenn sie seltsam sind…), denn anscheinend glaubt jeder, ich lerne langsam.

Jedenfalls lernte ich dort auch einen netten jungen Windling namens Skeeka kennen, und auch die Bedeutung seines Namens, nämlich „Aufruhr“. In seiner schnellen Art zu sprechen unterrichtete er Meister Tharesch von einem Auftrag den er bekommen hatte, nämlich eine wunderschöne Statue der Passion Astendar von einem Orkstamm zu holen.

Ich habe schon Orks getroffen und fand sie insgesamt sehr elfisch, also war ich im ersten Augenblick nicht sicher, warum Meister Tharesch bei der Erwähnung von Orks so mit den Augen rollte. Ich sah auf meine Stiefel herab (Saija sagt sie sind fast wirklich violett) und als ich die Augen wieder hob, war der komische Gesichtsausdruck auch fort.

Nach einer langen Schiffsreise, bei der wir mehrmals das Schiff wechselten, kamen wir endlich ins Gebirge. Im letzten Menschendorf auf unserem Weg warnte man uns vor dem Orkstamm, die anscheinend von Zeit zu Zeit das Dorf plünderten. Der Weg führte uns weiter ins Gebirge und tiefer in den Wald, wo uns schließlich ein wildes Biest anfiel – zumindest dachten wir das im ersten Moment, aber es stellte sich heraus, dass die Orks damit die Stärke unserer Nerven testen wollten. Danach gab es Abendessen.

Was soll man über Orks sagen? Über Tage hinweg, die wir bei ihnen verbrachten, hörten wir vor allem, dass Elfen sich ins Herz lügen, Worte verdrehen, und man ihnen nicht zuhören sollte, weil am Ende alles, was ein Elf von sich gibt, plausibel klingt. Ich finde, was Elfen sagen, klingt meistens von Anfang an plausibel.

Ich verstehe diese Orks nicht, sie sind sehr emotional. Und sehr verhaftet in ihren seltsamen, fast undurchschaubaren Traditionen. Sie beißen einen. Die Stärke des Bisses bestimmt, ob sie einen respektieren oder nicht. Dann spucken sie herum, und wünschen einem Glück, um einen zu beleidigen, und hören Elfen nicht zu, weil es zu schön klingt, um wahr zu sein, und schreien, und geben an, und teilen ihre Meinung jedem mit der zuhören möchte oder auch nicht. Eines rechne ich ihnen jedoch hoch an – sie verschwenden ihre Zeit nicht mit Lügen.

Als Meister Tharesch mit dem Häuptling der Orks über die Astendar-Statue sprechen wollte, weigerte sich dieser plötzlich, mit ihm zu sprechen, weil Elfen sich ins Herz lügen. Also musste Sövde am nächsten Tag mit ihm sprechen, und bekam die Statue tatsächlich einfach so vom Häuptling geschenkt. Gleichzeitig rutschte dem Häuptling heraus, dass auf dem Stamm ein Fluch ruhte und sein Sohn ein dämonisches Mal trug.

Nach einigem Nachfragen kamen wir dem dämonischen Fluch auf die Spur – der junge Sohn des Häuptlings hatte eine Windlings-Tätowierung (mit einem wirklich unaussprechlichem Motiv) und sein Herz gehörte einer Windlings-Dame, die im Laufe einer sehr anstrengenden Unterhaltung Skeeka ihre Liebe zum jungen Ork anvertraute. Astendars Pfeil hatte beide getroffen.

Der junge Ork, fasziniert von Büchern und stiller als der Rest seiner Sippe, wäre in einer Bücherei gut aufgehoben gewesen. Er gestand seinem Vater die Liebe zum Windlingsmädchen, und der Häuptling, außer sich vor Wut, schlug ihn mit seiner Axt fast tot. Daraufhin stapfte er in den Wald davon. Der ganze Stamm fing lauthals zu diskutieren an, wobei jeder seine Meinung tatkräftig mit Faustschlägen unterstrich. Der aufmerksame Sövde unterdessen empfing weise Worte einer greisen Orkin, die ihm von Astendars Höhle erzählte, in der Liebespaare ihren Bund besiegeln konnten.

Der junge Ork, von Tharesch etwas wiederhergestellt, wollte der Windlingsdame seine Liebe beweisen und fragte Skeeka um Rat zu dieser Gelegenheit, was dazu führte, dass plötzlich etliche junge Orks bei einem Axtwurfwettbewerb um die Hand des Windlingsmädchens Orkblume mitmachten. Bei manchen Leuten reicht auch ein Blumenstrauss. Der Häuptlingssohn aber, beflügelt von Astendar, konnte über seine Widersacher triumphieren, und man kann gar nicht einmal sagen dass er nachher hässlicher gewesen wäre als vorher.

Dummerweise war das Windlingsmädchen gar nicht in der Lage, den Wettbewerb zu ihren Ehren zu verfolgen, denn der Häuptling hatte sie in der Zwischenzeit entführt und in einer Erdspalte versenkt, als Prüfung für seinen Sohn und die junge Liebe. Zum Glück kann Skeeka durch seinen besonderen Windlings-Spürsinn die junge Orkblume finden. In der Erdspalte findet er auch eine magische Flöte, aber niemand von uns kann sie spielen.

Etwas tiefer im Wald finden wir auch den jungen Ork und bringen seine Geliebte zu ihm, damit sie in der Höhle übernachten können. Eine Liebesgeschichte, die gut ausgehen wird, dachten wir, und ließen die beiden alleine, um uns auf den langen Weg zurück nach Märkteburg zu machen.

Nach zwei Monaten Reise kamen wir bei Skeekas Auftraggeber an, der die Statue für sich allein behalten wollte. Immerhin hatte Saija eine hölzerne Kopie angefertigt, die in einem Schrein in Märkteburg aufgestellt wurde, damit die Leute zumindest eine Ahnung davon hatten, wie schön der Ascendar-Troll war.

Zeit ging ins Land, und zwar etwas ruhiger, weil es Winter wurde. Als ich eines Nachmittags bei Meister Tharesch Elfen-Bilderbücher las, klopfte es an seinem Fenster, und Orkblume fiel halb ohnmächtig in sein Zimmer, mit schlimmen Nachrichten. In Astendars Höhle waren Theraner dabei, Bücher zu verbrennen und einen Mann zu foltern. Sie wäre so schnell geflogen wie sie konnte, und schneller, weiter als jeder andere Windling vor ihr, um uns zu holen, damit wir helfen – und damit starb sie vor Erschöpfung.

Nun dauerte es eine Weile bis entschieden war ob wir helfen würden und ob wir überhaupt helfen konnten – es gab Gerüchte in der Stadt, jedoch nichts konkretes – und schließlich opferte Skeeka einen großen Teil seines Vermögens, um uns binnen drei Tagen zurück zur Astendas Höhle zu bringen.

Nach dem kalten Flug weit oben landeten wir nah an der Höhle, in der fünf Theraner dabei waren, unersetzliche, wertvolle Bücher vor den Augen eines gefesselten Mannes zu verbrennen. Es kam zum Kampf. Saija kam von der Wasserseite in die Höhle und bedrängte die Theraner, Skeeka stürzte sich wie ein Adler von oben auf sie, während der Rest von uns eher konventionell durch den Hintereingang hineinkam.

Vier starben direkt in der Höhle, der Befehlshaber versuchte durch das Wasser zu flüchten, wurde aber von Saija einem kalten nassen Tod übergeben. die fünf hatten außerdem eine Kiste mit sich, aus der dünne schwarze Tentakel ragten. Meister Tharesch verbrachte etwas Zeit damit, mit den Tentakeln zu spielen und „Interessant!“ auszurufen, und schließlich drängten er und Sövde die Tentakel zurück in die Kiste und machten sie endgültig zu.

Am Ende bermerkten wir doch, dass der orkische Häuptlingssohn auch da war, tot auf dem Boden; er und die kleine Windlingsdame hatten beide ihr Leben hingegeben um diesen Mann zu retten, der Bücher liebte.

Nach unserer Rückkehr nach Märkteburg und Throal gab es noch Belohnung, und Skeeka wurde vom König höchstpersönlich für seine Ausgaben entschädigt. Um das Opfer des Orks und des Windlings zu ehren, wurde die Statue Astendars aus den gierigen Griffeln des Questors genommen und in einem öffentlichen Schrein in Throal ausgestellt. In Throal bin ich nicht so oft, ich sehe mir lieber Saijas Statue in Märkteburg an, um mich zu erinnern. Hütet euch vor der Liebe, sie bringt nur Schmerz und Tod.

Und damit endet auch diese Geschichte.

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