as I scan this wasted land

potzblitz, bloß weg hier!

Die Monate bis Rahja zogen sich wahrlich lange hin; langsam ging das Jahr zu Ende.

Mein Herr hatte die Gewohnheit angenommen, bei schönem Wetter hübsche junge Edeldamen zu einem Picknick am See mitzunehmen, wobei Andaryn und ich mitkommen mussten. Im Laufe der Zeit gingen ihm die Damen aus, denn die Eltern hielten ihre Töchter hinter Schloss und Riegel wenn es um meinen Herren ging, der vermutlich nicht ganz genau weiß, wie man das Wort „Traviabund“ korrekt buchstabiert. Natürlich nicht aus Mangel an Bildung, eher aus Überzeugung.

Eine Hofdame ging sogar so weit, bei einem Ball in Ohnmacht zu fallen und zu verkünden, sie wäre nach ihrer… Begegnung mit Signorino de Tounens von Tsa gesegnet worden, doch das stellte sich als falsch heraus.

Die Baroness war schließlich auch bei der Überzeugung angelangt, dass ihr nostrisches Orchester es niemals zu wirklicher Größe bringen würde, und war darob sichtlich gereizt.

So kam das Ende des Jahres, und wir waren mehr als reif für den Aufbruch.

In den Tagen des Namenlosen ging der Schrecken um. Der wütenden Sturm kostete eine Edeldame das Leben; die Leute verkrochen sich in den Häusern und wagten sich nicht heraus. Am zweiten Tag wurde ein schwarzes Schiff in den Hafen gespült.

Mein Herr und die Baroness hielten es bald vor Neugier kaum mehr aus, und so kämpften wir uns durchs Unwetter zum Hafen. Irgendwo in der Stadt blieben wir stehen, weil wir Stimmen hörten, und – da erzählte eine Großmutter ihren großäugigen Enkeln inmitten des Sturms die Geschichte von einem Streit zwischen Efferd und Boron.

Am Hafen angelangt merkten wir an der Flagge – eine rote Harpye auf gelbem Grund – dass das dunkle Schiff aus Brabak stammte. Es war weder vertäut noch war ein Anker ausgeworfen – es sah aus, als wäre es in den Hafen gespült worden, wo es sich dann zwischen zwei anderen Schiffen verkeilt hat. Am Kai standen auch schon einige nostrische Beamte, Soldaten und der Hafenkapitän, alle davon überzeugt, nicht für diesen Fall zuständig zu sein. Mein Herr redete ihnen ins Gewissen, bis endlich eine Schiffsdurchsuchung veranlasst wurde. Einer der fürstlichen Beamten schien danach recht erbost zu sein.

Während das Schiff von Soldaten untersucht wurde, versuchte mein Herr an Deck zu kommen und wurde von einem Soldaten daran gehindert. Gleichzeitig befahl die Baroness einigen Seeleuten, eine neue Planke für sie ans schwarze Schiff anzulegen, damit sie an Bord gelingen konnte. Da es außer dem Regen hier nichts zu sehen gab, mussten Andaryn und meine Wenigkeit uns die Zeit mit diesem zugegebenermaßen nicht un-unterhaltsamen Schauspiel vertreiben, während wir frierend auf unsere Herrschaften warteten.

Nach fast einer Stunde tauchten die Soldaten wieder auf dem Deck auf und verkündeten, im Schiffsbauch läge die gesamte Mannschaft tot – sie vermuteten, die Leute wären allesamt verdurstet. Es wurde entschieden, einen Efferd-Geweihten damit zu betrauen, diese Toten zu untersuchen und sie so bald wie möglich zur letzten Ruhe zu betten.

Am gleichen Abend lag mein Herr krank im Bett – der Hofmedicus meinte, es wäre möglicherweise Gelber Rotz und er solle sich schonen. Ich holte alle grässlichen Gesundheitstees aus der Küche die ich auftreiben konnte und überwachte die Blutegel auf dem Rücken meines Herrn. Nicht dass ich bemerkt hätte, falls die Egel etwas falsch machten, aber trotzdem.

Den dritten Tag des Namenlosen verbrachte mein Herr hauptsächlich mit laufender Nase im Bett. Die treue Dienerschaft machte sich nach einigen Komplikationen auf, das dunkle Schiff am Hafen zu untersuchen.

Gleichzeitig war ein weiteres dunkles Schiff im Hafen gelandet – eine Kogge aus Albernia – diesmal mit lebender Mannschaft. Auf dem Schiff aus Brabak durchsuchten wir die Kapitänskajüte und fanden das Logbuch, das wir leider nicht lesen konnten. Die Kajüte schien außerdem noch vor unserem Eintreffen schon einmal durchsucht worden zu sein. Da das Schiff bereits über einen Tag im Hafen ankerte, dachten wir uns nichts weiter dabei und nahmen einige Seiten des Logbuchs mit uns – die unphexiblen Unholde, die Wache hielten, wollten uns das Logbuch nicht vom Schiff entfernen lassen – und brachten die Blätter zur Baroness, die eine gebildete Frau ist.

Währenddessen wurden mein verschnupfter Herr und die Baroness zum Abendessen beim Fürsten gebeten, bei dem sie den Kapitän der Meeresreiter kennenlernten – das war die albernische Kogge im Hafen. Der Kapitän hatte sich etwas zu viel zugetraut, als er aus Thorwal aufbrach, um noch vor den Tagen des Namenlosen in Havena zu sein. So hatte ihn das Meer hin- und hergeworfen, ehe er schließlich mit etwas Glück unversehrt in Nostria landen konnte.

Als wir zurück waren, bekam bekam Andaryn in der Küche plötzlich ein sehr schönes Stück Holz in die Hand gedrückt mit der Anweisung zu schnitzen. Man lobt sich die Nostrische Verhütungsmethode während der Namenlosen Tage. Als ich am Abend nach meinem Herren schaute, fand ich ihn außerhalb seines Bettes. Eine fürstliche Einladung war leider wichtiger als die eigene Gesundheit. Einen Ausbruch vom Gelben Rotz konnten wir trotzdem nicht brauchen, während wir eigentlich unsere baldige Abreise aus diesem unmöglichen Land vorbereiteten.

Die Baroness nahm sich des Logbuchs an und las einige Tage darin herum, aber es war in einem komplizierten Dialekt verfasst und sie konnte nur verstehen, dass das Schiff von Brabak nach Paavi unterwegs war und die Reise ohne Zwischenstopps und Anlegen machen wollte. Etwas hat die Mannschaft anscheinend recht schnell dezimiert, aber wir wussten nicht was.

So vergingen die Namenlosen Tage, dann noch die erste Woche des Praios. Am 7. Praios veranstaltete der Fürst von Nostria ein ziemlich pompöses Fest, bei dem jeder, der jemand war, in seinen oder ihren besten Gewändern erschien. (Sie haben uns in die nostrische Tracht gesteckt!)

Mein Herr und die Baroness wurden geehrt, in nostrische Prunkkleidung gesteckt und mit Geschenken überhäuft. Die Baroness darf sich nun Frankfreie von Unkenteich (erinnert ihr euch an Ukenteich?) nennen, während es für den Signorino den militärischen Rang eines Ehrenhauptmanns und ein eigenes Regiment gab. Für beide gab es Andaryn als Geschenk obendrauf. Außerdem wurden sie auf zwölf Jahre zu Emissären des Fürstentums ernannt, die Briefe und Nachrichten an befreundete Herrscher überbringen sollen. Später stellte sich heraus, dass wir in unserer Euphorie, Nostria endlich verlassen zu können ein kleines Detail übersehen hatten: Abgesehen von Albernia sollte uns dieser Weg in so aufregende Gegenden wie Darpatien, Tobrien, Greifenfurt und Kosch führen, die allesamt WEIT WEG VON YAQUIRIEN SIND! und außerdem totale Provinz, vermutlich noch schlimmer als Nostria. Hoffentlich erwartet der Fürst nicht, dass alle Briefe vor Ablauf der 12 Jahre ankommen.

In diesem Zusammenhang: ich will endlich wieder in einer richtigen Stadt wohnen, wo man mit Booten hin- und herfahren kann und die aus Inseln besteht, nicht aus… Boden.

Nun, es genügt zu sagen dass wir am 10. Praios endlich mit der Meeresreiter in See in Richtung Havena stechen und Nostria unseren Rücken kehren konnten. Auf der kurzen Reise gab es nicht viel zu tun – wir lernten die Seeleute kennen, sie erzählten uns einiges von sich und ein wenig von Havena. Am letzten Abend der Reise spielte die Baroness zum Tanz auf und flirtete mit dem Schiffselfen.

Havena sah beim Einlaufen in den Hafen ziemlich gut aus – eigentlich fast wie Grangor, nur zerstört. Gleich darauf wurde uns klar, dass die Stadt eigentlich hinter der Stadt anfing, denn irgendwann im Laufe der Geschichte ist die eigentliche Stadt von Efferds Zorn bis zum Efferd-Tempel zerstört worden und wurde dahinter wieder aufgebaut.

Am Hafen bekam unser Kapitän Bescheid, er würde nicht im Orkendorf anlegen können, wo er eigentlich hinwollte, sondern müsste zum Südhafen weiterfahren. Der Kapitän schien verärgert, aber bald darauf wurde uns der Sinn dieser Aktion klar – am Südhafen wartete eine Ehrengarde samt Musikbegleitung und einer Kutsche… die meine Herrschaften noch etwas warten ließen, während sie sich auf dem Schiff in Schale werfen… und zu ihrer und jedermanns großer Überraschung saß in der Kutsche niemand Geringerer als die Fürstin von Albernia höchstpersönlich, Idra Bennain, um die Emissäre aus Nostria zu empfangen. Dies sorgte für einen peinlichen Moment im Leben unserer auf gute Manieren bedachter Herrschaften, aber die Fürstin ging als geschickte Diplomatin geschmeidig darüber hinweg.

Im Palast hatten manche von uns die Gelegenheit auszuspannen, neue Kleidung anzuziehen und uns Gedanken darüber zu machen, wie wir es vermeiden würden, die anderen Briefe in die Provinzdörfer abzuliefern, in die uns der nostrische Fürst schicken wollte. Der Signorino und die Baroness lernten auch einige interessante Leute kennen, vor allem auf dem Empfang, der später am selben Abend stattfand.

Ich selbst trieb mich im Palast herum – die Dienerschaft schien effizient und hilfreich, aber wenig herzlich, als hätte der Zorn Efferds nicht nur die halbe Stadt unter Wasser versenkt, sondern auch die Freundlichkeit. Und natürlich gutaussehende Männer – ich erwähne hierbei nur den stellvertretenden Hauptmann der Stadtwache, Herrn Bärenstark. Und alle Mädchen schwärmten ständig von irgend so einem Iman-Spieler, der Name entfällt mir. Andaryn kam etwas später nach – er hatte sich um das Gepäck der Herrschaften gekümmert. An Bord, so sagte er, sei einer der Matrosen mit einer ernsthaften Krankheit zusammengebrochen und man hätte ihn zu einem Medicus gebracht.

Der abendliche Empfang des Fürsten fing ohne den Fürsten an – der war mit seinem Freund Raidri Conchobair Abschied feiern, bevor dieser sich nach Maraskan aufmachte. Dann aber tauchte Seine Durchlaucht auf, wechselte ein paar Worte mit den Gästen und wurde prompt wieder aus dem Raum gerufen. Bald darauf wurden wir alle einzeln aus dem Raum gebeten, und danach vom Hofmedicus untersucht. Nachdem wir für gesund erklärt worden sind, vertraute der Fürst meinem Herrn an, einer der Matrosen der Meeresreiter hätte sich irgendwo die Schwarze Wut eingefangen.

Er bat uns, die restlichen Matrosen ausfindig zu machen und so eine Panik und Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Es gab noch ein Ermächtigungsschreiben des Fürsten für die Baroness und den Signorino. Gleichzeitig beauftragte Seine Durchlaucht aber auch Bärenstark damit, die Matrosen heimlich zusammenzutreiben.

Wir machten uns auf den Weg zum Schiff, um den einzigen dort verbliebenen Matrosen zu seinen Kameraden zu befragen. Mir fiel ein, dass die Matrosen über eine Kneipe namens Silberstern erzählt hätten, aber natürlich hörte keiner auf mich. Beim Schiff gerieten wir direkt in ein überflüssiges und seltsames Gespräch mit zwei Wächtern, die Bärenstark dort positioniert hatte, um eventuell zurückkehrende Matrosen abzufangen. Die Zwei ließen uns erst in Ruhe, als die Baroness vor ihren Augen mit dem Ermächtigungsschreiben des Fürsten wedelte.

Die Zeit drängte, und wir hatten eine Seuche zu bekämpfen.

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