as I scan this wasted land

Kultisten brauchen keinen Schulabschluss

Nachdem man eine Weile in einem Kerker – oder ähnlichem – verbracht hat, möchte man bei Wiedererlangen des Bewusstseins auf Telleborian ungern als allererstes die komplett nackten Gestalten seiner Kollegen und Geschwister sehen. Dummerweise ist es jedoch genau das was ich sehe als ich aufwache. Ich wette, diese Erinnerung wird mich den Rest meiner Tage verfolgen.

Gleich danach merke ich, dass wir in irgendwelchen Katakomben stecken und ein aufgeblasener, kuttentragender Kultist uns mit seinen Freunden beschworen hat, um uns auf irgendeine irrsinnige Queste zu schicken. Ihr Ur-Sellurisch ist derart mies, da kann man nur staunen. Am liebsten stammeln sie in einem komischen neuartigen Dialekt herum, der sich kaum wie eine Sprache anhört und nur entfernt an die gute alte Sprache erinnert, die mir gefällig war. Überall auf dem Boden liegen Teile von geopferten Jungfrauen – so Oberschenkelknochen ergeben annehmbare Waffen und Blut kann man sich schön ins Gesicht schmieren, aber warum so … unordentlich?

Da jeder von uns in einem Bannkreis steckt und nichts auf dem Leib trägt als seine mehr oder minder üppige Körperbehaarung, erklären wir uns bereit, auf den Vorschlag des stammelnden Oberkultisten – er nennt sich „Khardanos der Mächtige“ – einzugehen und durch das Portal zu gehen, um von dort den Schädel eines getöteten Gottes zu holen.

Amüsanterweise ist es der Schädel von Beathans Bruder, noch aus den Zeiten als sie beide Kriechtiere waren. Damals hat er selbst dem Bruder den besagten Schädel eingeschlagen. Seitdem ist er Pazifist. Es soll ein mächtiges böses Artefakt sein; doch meine Erinnerung an Magie ist noch schwach und daher kann ich nicht sagen wie mächtig es wirklich ist.

Beim Eintritt ins Portal zähle ich die Götter; da ist mein göttlicher Bruder Kharsis, der Richter Mahaviadh, Beathan der Lebensspender und Kasim der Mörder. Aus den Augenwinkeln glaube ich noch Nyonora zu sehen, aber sie ist ungreifbar wie ein Traum und ich kann mir nicht sicher sein.

Wir stolpern durch düstere Hallen eines Tempels. Die Wände sind verziert mit Lobpreisungen des großen Echsengottes und Schmähungen seines Bruders, der ihn getötet hat. Unterwegs finden wir Keulen und Schilde und bewaffnen uns. Indem wir einigen Fallen ausweichen, gelangen wir in einen Raum, wo zwischen den Sarkophagen zweier Echsenköniginnen, die sich für ihren Gott haben lebendig eingraben lassen, um ihm im Tod zu dienen, ein Portal steht.

Nach der Durchschreitung des Portals tauchen wir zuerst in dunkles, öliges Wasser und landen am Anfang eines langen abschüssigen Gangs, wo die Umgebung noch mehr als schon vorher nach Falle aussieht. Beathan besinnt sich auf seine Wurzeln, verwandelt sich in eine Schlange und löst die Falle aus, ohne sich allzu schlimm zu verletzen. Wir laufen zur Kammer, und während Kasim versucht, das Tor aufzumachen, rollt die Kugel, die vorhin harmlos über Beathans Schlangengestalt gedonnert war, wieder den abschüssigen Gang herunter. Einen Moment sieht es aus, als würde die Mischung aus Steinkugeleinschlag, Tor und einigen Göttern ein ziemlich göttliches Schmiermittel abgeben aber…

Kasim kann das Schloss in letzter Sekunde öffnen, und wir stolpern durchs Portal und treten endlich in die eigentliche Grabkammer.

Die Kammer ist sehr geschmackvoll eingerichtet – und sollte mir mein göttlicher Bruder jemals den Schädel einschlagen, möchte ich ähnlich bestattet werden. (Nur noch besser.) Schon die Details in der Tempelanlage finde ich sehr stilvoll, und die Grabkammer ist auch sehr schön. Obwohl die Zombies, die als Wächter des Schädels dienen ein durchaus ein guter Gedanke sind, möchte ich doch effektivere Grabwächter. Sie bedrängen uns ziemlich heftig als wir uns mit dem Schädel aus dem Staub machen wollen, aber erwischen können sie uns dann doch nicht.

Die meisten von uns schaffen es mehr oder weniger unversehrt aus der Kammer wieder zu den Sarkophagen der Echsenköniginnen, und mein göttlicher Bruder schleppt noch als letzter den Schädel und den ohnmächtigen Beathan durch das Portal.

Wieder in der Beschwörungskammer, liegen außerhalb des Bannkreises einige Gegenstände, mit denen wir beschworen wurden, darunter auch mein kleiner Ring, den ich sehr gerne wieder hätte. Die Kultisten, die uns beschworen haben, meinen wir sollen ihnen den Schädel des bösen Gottes geben. Mein Bruder, der in der Regel ein eher freundlicher Gott ist, aber etwas unleidlich wenn man ihn nervt, tritt durch den Bannkreis und gibt damit das Signal für den Rest von uns, die Kulstisten zu vernichten.

Diese wehren sich zwar mit lächerlichen Feuerbällen und irgendwelchem dummen Zeug, und schaffen es, Kasim fast den Garaus zu machen – was ich doch recht ironisch finde – aber letztendlich unterliegen sie uns. Nur „Khardanos der Mächtige“ kann sich noch rechtzeitig aus dem Staub machen, bevor ich ihn mit etwas Hilfe von Nyonora für seinen Frevel bestrafen kann.

Der blöde Beathan steckt sich den Schädel seines Bruders ein, obwohl ich ihn gern gehabt hätte. Nein, ich weiß nicht wo genau in seinem Lendenschurz er den Schädel trägt. Ich will es auch nicht wissen, und wenn es jemand erfährt, möge er es mir nicht sagen. Der Rest von uns nimmt sich die Roben der Kultisten und zieht sie ganz einfach an, ohne sich Lendenschürze zu basteln.

In den Unterlagen der Kultisten steht geschrieben, dass sie den Schädel von Beathans Bruder für einen Herrscher hätten finden sollten, nicht aber unbedingt vorgehabt hätten, ihn auch herauszurücken wenn sie ihn einmal gehabt hätten. Eigentlich hatten sie keine Ahnung, dass wir Götter sind, sondern haben einfach nur wahllos mächtige Wesen beschworen. Es ist zum Schreien. Sonst erfahren wir nicht viel, und so machen wir uns auf den Weg hinaus aus den Katakomben. Die echsische Architektur der Katakomben wechselt in eine eher menschliche, und durch einen oberirdischen Tempel, der fast völlig von Vegetation überwuchert ist, gelangen wir ins Freie. Nyonora und Beathan bestätigen uns, dass wir auf Telleborian sind.

Wir bewegen uns nach Norden, um auf Menschen zu stoßen, die uns vielleicht sagen können welches Jahr wir haben. Kharsis und ich rufen unsere Reittiere herbei. Beim rührenden Wiedersehen mit meinem Ross stelle ich fest, dass das gute… ich meine böse… Tier im Laufe der letzten vielleicht tausend Jahre irgendwie kleiner geworden zu sein scheint und ich mich nicht an seinen Namen erinnern kann.

Die Straßen, die zu meiner Zeit noch gepflegt wurden, sind jetzt überwuchert und verfallen. Es dauert eine Weile, bis wir Anzeichen von Zivilisation finden. Über die Zivilisation stolpern wir in Gestalt einiger Schläger, die vor einem Grüppchen verschreckter Bauern dabei beobachtet werden, wie sie eine Person auspeitschen. Wohlgemerkt, ich habe nichts gegen Auspeitschungen, denn Strafe für Verbrechen muss sein. Diese Schläger jedoch meinen, respektlos mit uns sprechen zu dürfen, und – habe ich schon erwähnt dass mein Bruder ein netter Gott ist? Er ist jedoch etwas allergisch auf Frevel, und so lässt er die Idioten die Breitseite seines Schildes spüren. Ich bin nicht so nett wie er, also schlage ich einige Schädel ein, und im allgemeinen Durcheinander gibt es einige tote und einige flüchtende Schläger.

Im Gespräch mit den verschreckten Bauern, die zwei der Schläger selbstständig gesteinigt haben, erfahren wir, dass man uns vergessen hat. Kaum jemand erinnert sich an Avasara, die Göttin der gemäßigt bösen Magie, der Drachen und noch einiger anderer Sachen. Was soll das, es sind ja kaum tausend Jahre vergangen?

Die Welt wird regiert von irgendeinem Gottkaiser, der auf Seluria sitzt und das Volk ausbeutet. Letzteres finde ich zwar vernünftig, wenn auch auf Dauer kurzsichtig, denn wenn man ein Gott ist, lebt man recht lange, und so lohnt es sich, langfristig zu planen und sein Volk wohlgenährt, blöd und in blinder Anbetung zu halten. Ich wette, es ist irgendein wertloser sterblicher Nachfahre meines Bruders, der sich da als Gott aufspielt. Der sollte auf jeden Fall auf seinen Platz verwiesen werden.

Gegen die rechte Hand der grausamen hiesigen Landesfürstin bildet sich in der Gegend eine Rebellion. Dieser, ein Graf Skakos, lebt in Rivadom, der Stadt der Bäder, in der füher viele Tempel standen. Ich kann mich erinnern, in Rivadom hatte ich kurzfristig einen sehr gutaussehenden … Hohepriester. Wir erfahren auch, dass es einen alten Einsiedler gibt, der uns sagen kann, wie wir weiter zur Wiedererlangung unserer Göttlichkeit vorgehen sollen. Dieser alte Mann sagt uns, wir müssten zuerst eines der Orakel aufsuchen, die offensichtlich noch stehen. In der Gegend soll es außerdem noch einen König der Untoten geben, der wohl eine verlassene Stadt zu übernehmen droht. Viel Vergnügen damit. Ich habe nichts gegen Untote, wenn ich mich richtig hinstelle, wollen sie meistens Autogramme von mir.

Doch bevor wir uns auf die Suche nach den Orakeln machen können – eigentlich bevor wir uns einigen können, welches Orakel wir zuerst besuchen wollen, denn da sind die Meinungen durchaus geteilt – entscheiden wir, in den Herzen unserer Knechte wahren Glauben zu entzünden, indem wir den wertlosen Grafen Skakos in Rivadom ausräuchern und ihn nach einem ordentlichen, aber hurtigen Verfahren hinrichten. Oder zu einem meiner Gläubigen machen. Er scheint ja ein fähiger Mann zu sein.

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