as I scan this wasted land

tötet den 8. Zwerg, er widerspricht der Tradition

Den Jahreswechsel verbringen wir damit, über unsere Niederlage in Rivadom peinlich berührt zu sein und uns gegenseitig anzumotzen. Schließlich kommt endlich ein vernünftiger Monat – es ist kalt, die Luft ist klar, und wir ziehen nach Norden, um in Tjellborg nach dem rechtschaffenen Orakel zu suchen.

Cendas tausend (inzwischen überwachsene) Straßen führen uns zu einer Stadt, wo wir nach dem Orakel Mal-Katharia fragen wollen. Direkt vor der Stadt fällt dann Mahaviadh (ziemlich spät) auf, dass eine Truppe, bestehend aus einigen Göttern, nicht direkt alltäglich aussehend zu nennen ist und kaum diskret in eine Stadt einreiten kann.

Die Göttin der Träume hat silberne Haut, die meisten von uns haben Augen, die man nicht gerade menschlich nennen würde (und ich denke dabei vor allem an Kasim und Kor’El), Beathan findet es sowieso anstrengend, überhaupt ab und zu menschliche Form anzunehmen, und manche von uns reiten auf einem Pegasus. In diesem Zusammenhang – mein Reittier sieht jetzt mehr so aus wie ich es in Erinnerung hatte, aber ich habe immer noch keine Ahnung wie es heißt. Ich bin mir sicher, auch mein Bruder hat keine Ahnung wie sein Pegasus heißt, aber anders als ich ist er darüber eher peinlich berührt. Die Fallstricke des Gutseins!

Die Stadtwache wagt es, uns über unsere Herkunft zu befragen und nach irgendwelchen „Papieren“ zu verlangen, die uns „ausweisen“ sollen. Selbst wenn ich eine Ahnung hätte wovon sie sprechen… nun egal, Kharsis scheint da sowieso einer ähnlichen Meinung zu sein wie ich und ist schön hochnäsig zu ihnen, so dass sie, eingeschüchtert, uns direkt zum Gästehaus des Grafen in der Stadt schicken und versprechen, einen Boten zu finden, der den hiesigen Herrscher über unsere Ankunft in Kenntnis setzen würde.

Auf unsere Fragen im Gästehaus antwortet man uns, dass es keine Zwerge mehr gäbe, und nördlich der Stadt würde die Welt sowieso aufhören. Dort, wo früher einmal Tjellborg mit der großen Stadt Karlobjerg und der stolzen Feste Dwaroch stand, ist jetzt ein kaltes Land, vor Hunderten von Jahren verloren, leergefegt und der einzige Zugang zugemauert.

Der Stadt selbst scheint es früher besser ergangen zu sein. Jetzt wohnen in den Villen der Reichen arme Bauern, und in der Stadt scheint irgendwie fast jeder ein armer Bauer zu sein. Beathan verbringt etwas Zeit damit, sich bei Armen und Schwachen einzuschleimen, andere treiben sich in der Stadt herum oder sitzen in der Gaststube. Mein Bruder versucht mit einer Frau im Gästehaus zu reden, die ihm dann verrät, dass sie und ein paar „bessere“ Leute eine Art Rebellion vorhaben. Eine gepflegte Revolution, sozusagen. Mein Bruder findet das natürlich phantastisch und bietet an, ihr seine Göttlichkeit zu zeigen. Ich fasse es nicht, dass der Spruch nach über 1000 Jahren immer noch zieht.

Am Abend, während uns ein Jäger Geschichten über das Tor nach Tjellborg erzählt, wird unsere lauschige Runde durch einen Besuch des Hauptmanns der Wache aufgerüttelt, der misstrauisch verlangt, dass wir uns ihm anschließen. Irgendwas in seinem Tonfall scheint Kharsis zu missfallen – vermutlich hat der Hauptmann einen Frevel begangen – jedenfalls gibt es anschließend einen Kampf, der mit einigen Toten und vielen Flüchtenden endet. Beathan versucht, meine Opfer wiederzubeleben, und Kor’El versucht sie endgültig zu töten, während Mahaviadh versucht, irgendwelche Leute für Mord an Unschuldigen zu bestrafen.

Aus gegebenem Anlass schwingen wir uns also auf unsere Reittiere und verschwinden gen Norden, wo wir hoffen, den Eingang zur Provinz Tjellborg zu finden. Nach kurzer Reise durch die Kälte – schließlich ist Mahaviadh ein ausugezeichneter Führer und Beathan hat da etwas getan, was uns schneller werden lässt – stoßen wir schließlich auf eine neblige, über eine Meile breite Schlucht. Die einzige Möglichkeit sie zu überqueren, wenn man keinen gesteigerten Wert darauf legt, von etwas Grässlichem aufgefressen zu werden, das diese Schlucht bewachen soll, ist ein Wehrturm, hinter dem sich eine lange Brücke über die Schlucht erstreckt. Das Tor des Wehrturms ist zugemauert, und sogar bevor Mahaviadh übersetzen kann, was darauf eingeritzt ist, kann man es erahnen – eine Warnung, Tjellborg nicht zu betreten.

Als Beathan sich in Adlergestalt über die Schlucht wagt, wird er von irgendetwas überfallen, das ihn mit Säure anspritzt. Daher lassen wir Vorsicht walten und überfliegen nur den kleinen Turm, um direkt dahinter auf der Brücke zu landen. Die Brücke selbst ist lang und stabil, rechts und links stehen riesenhafte Statuen wehrhafter Zwerge, die allesamt in Richtung des Turms blicken, als würden sie eine Invasion erwarten, die sie abwehren müssten. Die Luft ist neblig, und man sieht nicht weit, schon gar nicht bis zum anderen Ende. Der Nebel verzerrt alle Geräusche, Gespräche verstummen, das Klappern der Hufe hallt geisterhaft in der kalten, feuchten Luft, und wir schreiten über die Brücke. Während wir die größten der Statuen im Auge behalten, scheinen sie uns ebenfalls im Auge zu behalten, aber letztendlich passiert nichts, und wir können die Brücke ungehindert passieren.

Der 10. Avasara findet uns auf der Reise durch das Leere Land, wo früher einmal die Provinz Tjellborg gewesen ist. Wir finden ein Kloster der Schwarzen Mönche des Mahaviadh, die eine harte Gerechtigkeit in den umgebenden Tälern durchgesetzt hatten, dahinter ein Tal, dessen Eingang durch eine Mauer mit Tor bewacht wird. Vor dem Tor stehen zwei Golems, und darauf steht gekritzelt „Es gibt keine Götter“, was wir schnell zu „Es gibt keine Götter“ korrigieren. Um die Geschichte abzukürzen, nach viel Herumgeblödel von Seiten aller Beteiligten außer mir werden die zwei Golemwächter des Tors wach und verfolgen uns, während wir ins Tal hinüberwechseln. Natürlich kommen sie kaum nach, sie sind ziemlich langsam.

Im Tal steht die Stadt Korsk. Wir finden unsere Tempel – geschändet und aufgelassen, aber nicht umgewidmet. Kharsis findet in seinem Tempel Hinweise auf das Orakel, und außerdem auch einige Hinweise, dass die Zwerge, als wir verschwanden, götterfeindlich wurden. Es wird der „Schatten der Rache der Götter“ erwähnt, anscheinend etwas Düsteres, das in Tjellborg umherzieht. Die Stadt selbst ist leer und scheint bis auf wirklich große Kuhspuren verlassen. Mahaviadh meint nach kurzer Unsicherheit, ein Gorgone würde in der Gegend marodieren. Da wir – in seltenen Momenten der Ehrlickeit – zugeben müssen, dass wir noch nicht ganz auf unserem alten Standard angelangt sind, ziehen wir es vor, den Gorgonen Gorgone sein zu lassen und stattdessen zur Feste Dwaroch zu ziehen, wo es laut Kharsis einen Schlüssel für das Orakel geben soll.

Nach Dwaroch kommt man am besten über Karlobjerg. Das scheint widersinnig, weil Karlobjerg im Westen und Dwaroch im Osten steht, aber die Straße geht nun mal so und nicht anders, und einige von uns haben keine geflügelten Pferde an deren Namen sie sich nicht erinnern können und daher zwingen sie den fliegenden Rest der Truppe, auch den langen, langweiligen Weg über die Straße zu nehmen. Karlobjerg ist übrigens schrecklich – dort findet nämlich Mahaviadh kleine Spuren humanoider Wesen, die sich als kleine, grässliche, verbildete Zwerge mit spitzen Zähnen entpuppen, die dort leben und versuchen, uns zu fressen. Zum Glück wollen sie nicht ans Licht – eigentlich sollten sie mir ja sympathisch sein, sind sie aber nicht – und deshalb empfehlen wir uns und schlagen den Weg nach Dwaroch ein.

Eine Woche nach den Ereignissen in Karlobjerg, am 31. Avasara, stoßen wir auf eine richtige Siedlung. Es ist eine Stadt, die 5000 Leute beherbergen könnte. Die Häuser sind eingefallen, nur einige sind zusammengeflickt worden und werden von ungefähr 300 misstrauischen Zwergen bewohnt. Als wir die Palissaden betreten, versuchen sich Mahaviadh und Kharsis bei ihnen beliebt zu machen, aber die Zwerge ziehen sich immer tiefer in ihre Höhle hinein und wollen nicht mit uns reden, bis uns klar wird, dass sie eine Art primitiven Nyonora-Kult betreiben. Sie kann schließlich mit ihnen reden und sie überzeugen, sich uns zu zeigen.

Sie erzählen von der guten alten Zeit, die sie nie erlebt haben, weil der älteste von ihnen gerade um die 300 Jahre alt ist, und außerdem dass etwas Schreckliches durch die Lande zieht und ihnen grausame Albträume beschert. Bisher ist uns nicht aufgefallen, dass etwas schlimme Träume verursacht, aber Sterbliche sind auch schwächer als Götter. Seit wir jedoch wissen, dass sich da etwas herumtreibt, fühlen wir ab und zu eine Art böser Kreatur an den Rändern der Aufmerksamkeit lauern und warten.

Nach diesem Dorf stoßen wir auf einige weitere Siedlungen, die ähnlich aufgebaut sind. Alle sind sie bewohnt von Zwergen, die diesem harten, kalten Land ein karges Leben abtrotzen. Es gibt keine Menschen – die wurden anscheinend nach unserem Verschwinden aus Tjellborg vertrieben.

In Dwarochs Schatzkammer stolpern wir über eine Falle, die Mahaviadh auch prompt auslöst – er und Beathan fliegen daraufhin nach oben zur Decke und pieksen sich sehr heftig an den Adamantiumspitzen, die aus der Decke ragen. Dann macht Kasim die Falle aus; Mahaviadh küsst den Boden und Beathan schafft es gerade noch, sich in einen Adler zu verwandeln, bevor er auf dem Boden aufschlägt.

Am 21. Fortin erreichen wir schließlich Mal-Katharia und können es aufschließen. Das Orakel selbst ist hinter einer weiteren Tür, die von wehrhaften Zwergen bewacht wird, die tatsächlich noch den alten Glauben – nämlich den an uns – pflegen. Sie fallen auf die Knie und beten uns an. Endlich jemand der es tut!

Die Religion hier ist ein wenig verzerrt, die hiesigen Zwerge glauben, Mahaviadh wäre der Erschaffer, dessen zwei blutige Tränen Kharsis und ich waren, und weitere, klare Tränen des Justiziars wären der Rest des Pantheons… ich sage es ja, seltsame Religionsausübung, aber so sei es. Sie erzählen uns auch dass nach unserem Verschwinden die Zwerge sich gegen die Götter gewandt und die Menschen als Frevler und Schuldige an unserem Verschwinden des Landes verwiesen hatten. Die Sellurische Armee hätte es eine Weile probiert, aber schließlich mauerten die den Zugang zu Tjellborg einfach zu und zogen ab. Die zwergische Zivilisation verfiel, und der letzte Rest der Gläubigen zog sich nach Mal-Katharia zurück und verschloss das Orakel, um es zu bewahren.

Nach tausend Jahren also öffnet das rechtschaffene Orakel seine Pforten, um die Götter willkommen zu heißen. Mahaviadh findet sein Lieblingsstück, Kasim gräbt seine Stiefel aus und Beathan bekommt seine Brustplatte wieder und wird dadurch unerklärlicherweise auf einmal so etwas wie sexy.

Aber manche Sachen ändern sich nicht. Wie immer gibt das Orakel eine Antwort, die sich wie „rargl argl gl“ liest, was ich noch nie verstanden habe, nicht einmal vor 1000 Jahren. Zum Glück haben wir Kharsis, er scheint das zu verstehen. Vermutlich ist es mit meiner Rechtschaffenheit nicht so weit wie mit seiner. Die Aufgaben sind gestellt, nun müssen wir sie erfüllen.

Und irgendwo, ungefähr drei Wochen hinter uns, laufen uns gemessenen Schrittes zwei Golems hinterher. Irgendwann, wenn wir am wenigsten damit rechnen, werden sie uns einholen.

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