as I scan this wasted land

ob er das überlebt

Kommt näher, Freunde des Circus! Es erwarten euch Wunder, bisher ungesehen in der zivilisierten Welt!

Geehrte Adepta Maior! Liebe Alvide!

Nur drei Wochen ist es her, seit ich Vinsalt verlassen habe. Und auch wenn ich die Freiheit und das Reiseleben schätze, muss ich zugeben, dass ich den Komfort der Stadt ein wenig vermisse.

Ich habe mich, da ich nicht allein nach Gareth reisen wollte, einer bunten Gruppe vom fahrenden Volk angeschlossen, die als „Betancurs wunderbare Circusschau“ die Reise von Vinsalt über Punin und Gareth zum Gauklerfest nach Kunchom wagen möchte. Die Regionen, die wir durchqueren werden, sind sowohl dir als auch mir bereits gut bekannt, aber einige der Reisenden wirken, als hätten sie zum ersten Mal einen Fuß vor die Stadtmauern gesetzt. Sogar der uns begleitende Magier, ein Südländer aus Brabak, wirkt weltfremd und unerfahren – bei weitem am städtischsten ist jedoch Gilvana, eine Vinsalterin, die sich aus mir unbekannten Gründen der Gruppe angeschlossen hat. Gut, dass die Reiseroute nur der Reichsstraße folgt – der Zug wäre abseits der Wege völlig verloren.

Phex sei Dank bin ich nicht besonders in die Circusschau eingebunden! Für Quartier und Verpflegung schieße ich in jedem Dorf der Tulamidin Josa einen Apfel vom Kopf und helfe beim Auf- und Abbau des Zelts. Silvana, die Gauklerin, die wir bei Signor de Côntris kennenlernten, ist hier mit ihrem Tanzbären in ihrem Element. Sie versucht gerade, einem Maultier das Rechnen beizubringen, scheitert aber daran, dass sie es selbst nicht unbedingt beherrscht. Iskir gibt sich, wie du wahrscheinlich bereits vermutet hast, weiter komplett lernresistent.

Obwohl – oder gerade weil? – die ersten Auftritte der Truppe gut verliefen, scheinen die jungen Gaukler – und sogar die Vinsalterin! – es ein wenig mit dem Alkohol zu übertreiben. Schon zwei Mal endete ein Abend in der Dorfschenke damit, dass ich den pöbelnden Magier, Magister Zurbaran, beruhigen und zu den Wagen schleifen musste. Wovor ich Josa bewahren musste, will ich dir, Alvide, lieber ersparen. Dass unsere Reisestrecke ganz in der Nähe von de Jurios‘ Gestüt vorbei führte, kam mir daher sehr gelegen, und ich gönnte mir ein paar Tage Abstand vom Circus. Der Baron überließ mir, wie vereinbart, eine schöne Yaquirtaler Stute zu einem sehr guten Preis, und ich genoss einen Tag den Komfort eines Herrenwohnsitzes. Auch dir überbringe ich auf diesem Wege Grüße von de Jurios – eine weitere Stute steht für dich an seinem Hof bereit.

Drei Tage war die Truppe somit ohne mich unterwegs, und als ich sie eingeholt hatte, boten sie ein Bild des Elends. Offenbar hatte ihnen ein Kobold ein Wagenrad gestohlen, und in den folgenden „Verhandlungen“ fiel Magister Zurbaran vom Dach einer Kutsche und brach sich ein Bein. Silvana hatte sein Bein mehr schlecht als recht geschient, und obwohl die Verletzung gut verheilte, humpelte der Magier noch einige Tage lang. Josa scheint irgendwie in der Sache drin zu stecken, jedenfalls herrscht zwischen dem Zauberer und der Tulamidin eher firunsche Stimmung.

In dem kleinen Dorf, in dem wir zur Zeit Quartier bezogen haben, ereignet sich Seltsames: Die Praiosscheibe ist unnatürlich früh vom Himmelszelt verschwunden, ein dunstiger, grauer Schleier liegt über dem Land. Die Dorfbewohner sind verunsichert und ängstlich, und ich hoffe inständig, dass sie nicht den Gauklern die Schuld an dem Phänomen hier geben. Gestern Abend ließen sie sich noch beruhigen und beteten zum Götterfürsten, aber sie werden bald einen Schuldigen für das aufziehende Unheil suchen.

Ich weiß nicht, zu welcher Tageszeit ich diese Zeilen schreibe – als ich aufwachte, herrschte immer noch das gleiche seltsame, diffuse Licht. Schreie von draußen haben mich geweckt – der Bach, der das Dorf mit Wasser versorgt, führt stattdessen nur noch eine ölige Substanz. Magister Zurbaran konnte sich keinen Reim auf die Geschehnisse machen, aber der Dorfälteste hat von einem gelehrten Magier erzählt, der schon lange in der Nähe des Dorfes lebt. Ich werde mit den mutigsten der Gaukler zu seinem Turm aufbrechen – vielleicht kann er uns erklären, was hier vor sich geht. Ich setze diese Zeilen fort, wenn ich zurückkehre.

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