as I scan this wasted land

carved my name into a tree

Unser Knappe verschwand auf Nimmerwiedersehen in Richtung Gratenfels. Sein Abgang hatte einen erfreulichen Effekt – die Baroness entschied sich, uns doch mit ihrer Anwesenheit zu beehren und kehrte aus Gratenfels zurück nach Moorsend, wo wir gerade dabei waren, das Dorf für den Höhepunkt der Verlobungsfeier aufzuputzen. Nun gut, ich war dabei, den Bauern zu helfen, Andaryn war dabei, in der Scheune zu schlafen und mein Herr war dabei, einem unschuldigen Knaben Peraine, Praios und Travia zu predigen, er, der selbst niemals von Phexens und Rahjas Pfad abgewandert ist. Die Baroness wurde derweil von der Großbäuerin und noch irgendwelchen Leuten unterhalten. Außerdem machte sie einen Besuch in der Küche, der mir sogleich die kollektive Bewunderung der Leute eintrug. Ich verrate nicht wieso…

Die Elfe, die am Vorabend das Paketchen für den Apothekarius vorbeigebracht hatte, konnte uns bei unseren Fragen über das Paket nicht wirklich weiterhelfen, denn sie schien Menschen und Wildschweine nur mit Mühe auseinanderhalten zu können. In diesem Zusammenhang: warum wandern ausgerechnet uns überdurchschnittlich viele Idioten über den Weg? Prüfen uns die Götter?

Anscheinend war der Vorfahr des Apothekarius zu dem Zeitpunkt wo er der Elfe den Auftrag gegeben hatte krank gewesen. Mein Herr bemächtigte sich sogleich des Pakets – es enthielt einen Schlüssel, einen Ring und einen unleserlichen Brief. Der Apothekarius war verdutzt, also ließ er sich das Ganze wegnehmen, aber dann protestierte er dennoch schwach, und als mein Herr den Brief nicht entziffern konnte, nahm er seinen Besitz wieder an sich und empfahl sich.

Also schminkte ich die Braut, meinen Herren und die Baroness und alle versammelten sich auf dem Dorfplatz. Wir warteten eigentlich nur noch auf den Bräutigam. Wir warteten noch ein wenig länger auf den Bräutigam, der jedoch leider nicht erschien. In der darauf folgenden Verwirrung suchten die Bauern alles nach ihm ab, und mein Herr erkundigte sich, wer wohl den Bräutigam als Letzter gesehen hätte – anscheinend war es der Apothekarius. Dieser verneinte, ihn gesehen zu haben, aber als wir in seine Hütte schauen, waren der Schlüssel, der Ring und der Brief verschwunden.

Der Apothekarius meinte daraufhin, er hätte den Brief nicht ganz entziffert, aber er sei von seinem Vorfahren gewesen, der ein Mitglied der „Kobolde“ gewesen sei, einer Räuberbande, die sich vor ungefähr hundert Jahren in dieser Gegend herumgetrieben hätte. Es hätte immer Gerüchte um einen Schatz gegeben, der von der Bande versteckt und mit Fallen geschützt worden war. Mein Herr entschloss sich daraufhin völlig un-überraschend, den jungen Gisbert zu suchen.

Während wir in der Hütte standen, machten sich unter den Bauern Gerüchte breit, der junge Mann hätte sich umgebracht, und eine Weile heizte ich die Gerüchte an. Dann stellte sich heraus, dass auch der Dorfwirt fort war. Vor der Gastwirtschaft trafen wir eines der Schankmädchen an, das ratlos vor der geschlossenen Tür stand. Sie war verschüchtert und in der Gegenwart der hohen Herrschaften war aus ihr kein vernünftiges Wort herauszukriegen, aber dann sagte sie, sie hätte den Wirt seit dem Mittag nicht mehr gesehen. Wir erwägten, die Tür aufzubrechen, aber mein Herr schlug überraschend geradlinig vor, eine Leiter zu benutzen, um über das obere Fenster ins Haus zu gelangen – was wir dann auch taten. Einmal drinnen, stellten wir fest, dass der Mann nicht unvorbereitet aufgebrochen war, denn es fehlten eine Tasche, seine Stiefel und Mantel, ein Seil und etwas Proviant. Während unserer Untersuchung klammerte sich die schreckhafte Magd an Andaryn, als würde ihr Leben davon abhängen.

Danach suchten wir auch das Zimmer des jungen Gisbert durch und mein Herr beschwor die Braut, ihm alles Mögliche über Gisbert zu verraten (was sie nicht wusste), machte ich mir einen Spaß daraus, einige wilde Mord- und Selbstmordtheorien um den jungen Gisbert und den Wirt aufzustellen. Es stellte sich heraus, dass der junge Mann, anders als der Wirt, unvorbereitet aus dem Dorf aufgebrochen war. Wir entwickelten die Theorie, dass der Wirt die Hütte des Apothekarius ausgeräumt hätte und dann in den Wald gegangen war, um den Schatz zu suchen. Dabei hätte ihn Gisbert gesehen und wäre ihm gefolgt. In der Hütte fand sich unter dem Bett des Apothekarius tatsächlich ein silbernes Armband wie der Wirt es gerne trug. Dann fiel Andaryn ein, man könnte dort suchen, wo man Gisbert das letzte Mal gesehen hatte, nämlich hinter der Hütte des Apothekarius. Was er dann auch tat (nachdem er die Magd von seinem Hemd geschält hatte).

Wir zogen uns geeignetere Kleidung an und dann ging es wieder einmal in den Wald. Andaryn führte uns, einer Doppelspur zwischen den Bäumen folgend, während mein Herr auf ihn einredete, er müsse mit der Magd „üben“, auf dass er einmal ein beeindruckender Liebhaber (wie – eigener Aussage nach – mein Herr) werde. Das lenkte ihn etwas ab, denn plötzlich – fast zu spät – entdeckte er, dass die Spur sich teilte, und Gisbert wohl die Spur des Wirts verloren und abgebogen war. Wir folgten ihm und hörten bald Stimmen. Andaryn schlich sich vor und fiel fast in eine Falle. Da vorne waren Räuber, und sie hatten Jung-Gisbert gefangen. Nun diskutierten sie, wie viel Lösegeld sie wohl für seine Rückgabe verlangen könnten. Derweil war er in der Köhlerhütte gefangen. Es gab einen angespannten Moment, als die Räuber wohl auf Andaryn aufmerksam wurden und wir uns verstecken mussten, aber zum Glück konnten wir uns verstecken. Wir entschieden, Gisbert bis auf weiteres in der Köhlerhütte zu lassen und dem Wirt zu folgen.

Übrigens, falls es niemand gewusst hat, im Wald wimmelt es von Wildschweinen und Vögeln und so. Der Wirt schien auffälligen Wegmarkierungen zu folgen – großen Steinen und Bäumen im Wald – und schließlich endete unser Weg an einer Höhle. Andaryn machte Fackeln und wir gingen hinein. Hier hörten die Spuren auf dem steinigen Boden mehr oder weniger auf, aber es schien ein so… naheliegendes Versteck zu sein. Und es roch nach Bär.

Drinnen ging es einen langen, geraden Gang hinunter bis zu einer Stelle, wo der Berg eingestürzt war und nur eine schmale Stelle übrig geblieben war, durch die man sich nach einer kurzen Kletterpartie quetschen konnte. Die Baroness machte entschlossen den ersten Schritt, rutschte auf dem Schotter aus und fiel aufs adelige Näschen, das zu bluten anfing. Rot. Nicht blau. Ich bin desillusioniert. Sie befahl Andaryn, sie zu verbinden. Der gute Mann war so nervös ob ihres Tonfalls, dass er sie im schlechten Licht mehr verletzte als er ihr half – es sah eher nicht gut aus für die Nase der Baroness. Mit leichter Hysterie in der Stimme gab sie bekannt, sie werde jetzt ins Dorf zurückkehren – und ward im nächsten Moment nicht mehr gesehen, während wir mit herabhängendem Unterkiefer ihrer Staubwolke nachsahen.

Und weiter ging es in den dunklen Berg hinab. Vorsichtig kletterten wir über die Barrikade und krochen auf die andere Seite. Der Weg ging noch eine Weile weiter, dann sahen wir eine Art Kaminschacht, der bis an die Oberfläche reichte. Darin wuchsen irgendwelche Blumen, die sich die Leute daheim in Yaquirien öfter in Kästen am Fenster halten. Warum mir das eingefallen ist, ist mir natürlich nicht klar. Ab hier wurde die Höhle breiter, bis sie schließlich in einem Raum mit mehreren Ausgängen mündete.

Einer davon führte an die frische Luft, was wir sofort auskundschafteten. Es schien in diesem Höhlenkomplex wirklich Bären zu geben. Die frische Luft kam von einem wild bewachsenen Taleinschnitt, der geschützt da lag. Ein Ausgang war mit Dornenhecken versperrt, und neben der Wasserstelle schien es auch eine Möglichkeit zu geben, aus dem Tal zu klettern – sofern man ein Bär war.

Die Sonne ging draußen langsam unter, und wir überlegten, ob wir uns zur Ruhe legen sollten. Aber in der Höhle gab es noch weitere Gänge, die wir nicht ausprobiert hatten, also baute Andaryn noch mehr Fackeln und wir kundschafteten zuerst die Gänge aus aus, aus denen keine Bärengeräusche zu uns drangen. Wir fanden gar nichts, und so blieb uns nur die Möglichkeit, zum Bären zu gehen. Da sie in der Schule, in die ich gegangen bin, keine Auseinandersetzungen mit Bären gelehrt haben, und ich nahm an, für meinen Herren und vermutlich auch Andaryn traf das ebenfalls zu, markierten wir eine Stelle, um den Bären zu verwirren, und legten uns auf die Lauer. (Fragt nicht, wie wir die Stelle markiert haben!)

Der Bär grummelte vor sich hin und machte sich irgendwann auf den Weg, unsere Spuren auszuschnüffeln, und wir schlichen uns an ihm vorbei in seine Höhle. Dort war eine unversperrte Tür, und das Schloss sah sehr danach aus, als ob der Schlüssel aus dem Paket des Apothekarius sehr gut hinein gepasst hätte.

Hinter der Tür war ein weiterer Gang. Andaryn ging vorsichtig voran und tastete den Boden mit seinem Speer ab, aber irgendwann war er wohl unkonzentriert und verschwand vor unseren Augen im Boden. Mein Herr und ich tauschten im geisterhaften Licht der Fackel einen ratlosen Blick aus, bis wir Andaryn rufen hörten. Er war einige Schritte tief auf morsche Pfähle gefallen und hatte sich etwas verletzt. Zum Glück konnten wir ihn hinauf holen, und dann ging es weiter durch die Dunkelheit. Irgendwann erreichten wir einen Abgang mit Sprossen und kletterten hinunter. Andaryn rutschte einmal fast aus, aber diesmal konnte er sich festhalten, und wir erreichten den Boden unverletzt.

Hier war der Boden nicht bearbeitet worden, von der Decke hingen und aus dem Boden wuchsen spitze Steine. Man hörte nur das Tropfen vom Wasser und den eigenen Atem. Ab und zu zischte eine der Fackeln, als Tropfen von der Decke darauf fielen. Am Ufer eines kleinen Sees fanden wir die Tasche und die Stiefel des Wirts – ich nahm sein Messer an mich.

Nach kurzem Überlegen meinten wir zu wissen, dass der Wirt über den See in den nächsten Raum getaucht war. Also zogen wir uns bis auf die Unterwäsche aus und machten uns mit Hilfe der Gwen Petryls auf, durch das dunkle, ölig aussehende schwarze Wasser zu tauchen… zum Glück war kein großer Tauchgang vonnöten, und allzu lange Erinnerungen an den Haven von Havena blieben uns erspart, denn die Höhlendecke senkte sich zum Ende des Sees hin, hob sich aber auch gleich wieder, und wir waren in der nächsten Höhle. Dort brannte eine Fackel, die der Wirt wohl in Öltuch eingeschlagen mitgenommen hatte. Als wir aus dem See hinauskamen, merkten wir, dass der Boden der Höhle hier eingestürzt war – und der ganze Räuberschatz war auf dieser eingestürzten Fläche verteilt.

Tief unter uns hörten wir auch etwas rascheln und sahen unseren Mann, der gerade dabei war, Wertsachen in seine Tasche zu stopfen und uns zu verfluchen, wir mögen sein Gold bloß nicht anfassen. Ich fand einen Goldkelch in Reichweite.

Mein Herr redete auf den Wirt ein, er solle das Gold fallen lassen, denn die Erde bröckelte unter seinen Füßen, aber der Mann hörte nicht auf ihn. Plötzlich rutschte er aus und hielt sich mit einer Hand an einem Vorsprung fest – in der anderen hatte er seine schwere Tasche mit Schätzen. Ich kletterte hinunter und schaffte es irgendwie, sein Seil einzuholen, um ihn damit zu retten. Wir verhandelten noch etwas über die Rettung seines Lebens, und schließlich schaffte ich es, ihn wieder auf festen Boden zu holen, obwohl er es mir schwer machte, weil er unbedingt seine Tasche retten wollte. Wieder in Sicherheit, übergab er mir wiederwillig einen Ring aus seiner Beute, und wir machten uns auf den Weg nach draußen und ins Dorf zurück.

In der Zwischenzeit, so erfuhren wir bei unserer Rückkehr, hatte die Baroness sich darum gekümmert, dass die Männer des hiesigen Landadeligen den jungen Gisbert aus den Fängen der Räuber befreiten, was sie zwar nicht freute, aber dafür die Dorfgemeinschaft, allen voran natürlich die Eltern des jungen Mannes und seine Braut Gunelda. Und die Nase der Baroness sah dank einer Tinktur des Apothekarius auch schon viel besser aus. Ich glaube, die Schankmagd hat Andaryn nicht mehr beklammert als er zurückkam, aber man könnte ihn ja fragen. Wir ließen den Wirt schwören, niemals etwas über die Höhle zu erzählen oder niederzuschreiben, und konnten ihn sogar dazu bringen zu versprechen, nie mehr hinzugehen, obwohl seine Gier nach Gold das Gegenteil verlangte.

Der Schlüssel und der Ring des Vorfahren wanderten in die Hände des Apothekarius zurück – der Brief blieb tragisch verschollen –, der Wirt stiftete auf „Anraten“ meines Herren zwei der Ringe aus seiner Beute für das Brautpaar, und der goldene Pokal wurde dem Geweihten unserer guten Herrin Peraine gestiftet.

So nahmen wir langsam Abschied von diesem idyllischen Flecken, die Erinnerung an einen großen Goldschatz im Berg sicher ins tiefste Eck unserer Gedanken verbannt… doch vielleicht nicht für immer.

Wir ritten nach Gratenfels, das teuer war, und direkt daran vorbei zum Gasthaus „Zum schwarzen Keiler“. Andaryn und mein Herr schauderten angesichts des Wirtshausschildes, und da es erst Mittag war, ritten wir weiter bis zur nächsten Unterkunft. Am 22. Rondra erreichten wir Koschwacht und verbrachten die nächste Nacht in einer Scheune am Wegesrand, wo wir einige Händler trafen. Andaryn rettete ihren verletzen Esel, und sie fragten uns, ob wir nicht Angst vor den Geistern von Koschwacht hätten. Da wir keine Ahnung gehabt hatten dass dort überhaupt Geister sein sollen… nein.

Der Weg wurde steiler, es ging immer höher zum Greifenpass. In einem Dorf dort oben hatten sie über den Türen irgendwelche aus Holz geschnitzten Figuren eines Boron-Heiligen. Er hieß Hl. Kupperus und war für guten Schlaf zuständig. Der Körper des guten Heiligen liegt jetzt anscheinend immer noch irgendwo in den Bergen in einer Höhle, und ziemlich viele Leute sind dabei draufgegangen, die zu suchen. Ich hätte Interesse gehabt, so eine Figur zu kaufen, aber leider hatten wir keine Zeit, uns in der Gegend aufzuhalten bis jemand genug Gefallen an uns finden konnte, um uns so eine Figur zu schenken, denn verkaufen wollten sie sie nicht.

Am 25. Rondra wollten wir weiterreisen, aber die Leute warnten uns vor einem Gewitter – die Baroness wurde etwas ungeduldig, aber wir warteten den Tag ab, damit uns das Unwetter nicht im Gebirge erwischte. Und wirklich, obwohl der Tag schön angefangen hatte, wurde der Himmel vor Mittag dunkel und es kam ein Gewitter herab, das sich erst gegen Abend auflöste. Wir reisten am nächsten Tag weiter, machten bloß kurze Pausen (ich wünsche mir gepolsterte Hosen!) und erreichten Angbar gerade bevor das Stadttor geschlossen wurde.

In der einsetzenden Dunkelheit gingen die Stadtlichter eins nach dem anderen an und Angbar erschien wie ein herabgefallenes Stück von Phexens Mantel – aber ich übertreibe – Phex macht alle Dinge schöner. Es bleibt abzuwarten, wie Angbar sich unter Praios Auge macht.

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