as I scan this wasted land

Lass uns für immer in Gareth bleiben!

Mein Herr und die Baroness begannen am 6. Efferd eine Diskussion über unsere Weiterreise nach Khunchom – es ging auf den Winter zu, und die Pässe am Raschtulswall könnten in drei Wochen, wenn wir dort ankommen bereits zugeschneit sein und uns für fast ein Jahr in Almada festsetzen.

Zum Glück war es dann so, dass uns eine junge Tulamidin auffiel, die so aussah, als ob sie sich mit den Begebenheiten am Raschtulswall auskennen könnte, und mein Herr ließ sie zu uns an den Tisch bitten. Noch eines muss ich anmerken – als ich versucht habe, Tulamidya mit ihr zu sprechen, wechselte sie schnell auf Horathi – so ein eingebildetes Ding!

Jedenfalls meinte sie, der Pass wäre, wenn wir ankommen würden, vermutlich schon zugeschneit, und so beschlossen mein Herr und die Baroness nach längerer Diskussion, von Gareth aus direkt nach Osten zu reisen. Nachdem wir die Ausläufer des Raschtulswalls umgangen haben, wollten wir den Flüssen nach Süden folgen. Gleichzeitig wollten wir versuchen, Aranien auszuweichen (hauptsächlich wegen der Unruhen, die es dort geben soll.)

Die Tulamidin, die sich als Delilah suni Said vorstellte, meinte, sie würde sich uns gerne auf unserer Reise nach Khunchom anschließen, was (irgendwann, später), von der Baroness (zähneknirschend) erlaubt wurde. Jedenfalls waren wir recht spät im Bett – nur um mitten in der Nacht von einem furchtbaren Heulen geweckt zu werden.

Ich habe schon ein oder zwei Geister in meinem Leben gesehen, doch das hier war anders: es war kein Geist zu sehen, man hörte nur eine kreischende Stimme, und wir sahen ein Schwert, das auf meinen Herren zukam – er konnte es jedoch mit seinem Rapier beiseite schlagen. Danach war es still, nur das Klappern Andaryns Zähnen war noch zu hören, also legten wir uns alle wieder schlafen.

Ganz früh am nächsten Morgen hatte Andaryn die Gelegenheit, mit dem Wirt zu sprechen und bot ihm an, ihm mit dem Gespenst im Drachentöter zu helfen. Während dies für den Wirt offenbar etwas anderes hieß, war es Andaryns Plan, Geweihte zu holen und das Haus vom Spuk befreien zu lassen. Der Wirt reagierte irgendwie unwillig auf diesen Vorschlag und meinte, es würde seinen Ruf im Viertel zerstören wenn jeder sähe, dass er Geweihte holen musste, um für Ruhe im Gasthaus zu sorgen. Beim ersten Mal (vor zwei Tagen), hätte er auch keinen Geweihten geholt. Andaryn, unbewegt, machte sich auf, um einen Tempel aufzusuchen, und ich schloss mich ihm an. Wer weiß, in was für Schwierigkeiten er sonst geraten würde, wenn nicht jemand auf ihn aufpassen würde?

Weder ein Boron- noch ein Praios-Tempel fand sich in der Nähe, dafür einer der Frau Travia. Der anwesende Geweihte begrüßte uns freundlich und war drauf und dran, einen Traviabund zwischen Andaryn und mir zu schließen. Wir konnten ihn zum Glück davon abhalten, und für einen kurzen Moment fühlten wir uns alle peinlich berührt. Andaryn überzeugte ihn davon, zum Drachentöter mitzukommen und das Haus zu segnen.

In der Zwischenzeit war auch die Baroness aufgestanden und war unglücklich, ihr Frühstück nicht ans Bett bekommen zu haben. Andaryn wurde direkt ein Opfer ihrer Laune, und so machte er sich aus dem Staub und verschwand in der Küche. Irgendwann im Gewirr wurde auch mein Herr geweckt und spazierte lässig in die Gaststube, um sich die Aufregung anzuschauen. Als dem Wirt klar wurde, dass Andaryn einen Geweihten angeschleppt hatte, war er etwas ungehalten, und auch die Wirtin war sehr schlecht auf Andaryn zu sprechen. Sie ging soweit, ihn zu beschuldigen, sie ruinieren zu wollen, um sich dann über ihren Mann aufzuregen – daraufhin wies Andaryn sie fromm darauf hin, sie solle ihren Mann ehren, zumindest solange ein Geweihter Travias im Haus war.

Nachdem sich der Geweihte wieder in Richtung des Tempels verabschiedet hatte, merkten wir, wie die Nachbarn begannen, sich das Maul über die Vorgänge im Drachentöter zu zerreißen. Der Wirt warf Andaryn einen bösen Blick zu, und die Hände in die Luft, und ging ebenfalls fort.

Währenddessen hatte Andaryn mit der jüngeren Tochter des Hauses, Turike, in der Küche getuschelt und sich einiges ausgemacht. Ganz zufällig wurde das Gespräch von mir überhört. Fräulein Turike meinte, sie hätte den Herrn Schlink, den dünnen Mann mit Pferdeschwanz, in der vorigen Nacht während des Spuks aus dem Keller des Wirtshauses kommen sehen. Interessanterweise hatte sich dieser in Gegenwart des Travia-Geweihten unbehaglich gefühlt – ich vermutete Schlimmes, behielt die Gedanken aber für mich. Anscheinend war außerdem beim ersten Mal als es spukte vor dem Haus ein buckliger Mann mit zwei Stäben aufgetaucht.

Für ihre Information wollte Turike von Andaryn zum Markt mitgenommen werden, um sich die Gaukler und den bestimmt sehr aufregenden Mäusezirkus anzusehen. Andaryn meinte, er würde sich darum kümmern dass Turike das durfte, wenn sie die Baroness überzeugte, dass er die Erlaubnis bekam, auszugehen. Daraufhin, versuchte Turike die Baroness zu überzeugen, die neben meinem Herren beim Frühstück saß und ob der Verspätung (bei der Abreise) unzufrieden wirkte. Die Baroness meinte, sie würde Andaryn gehen lassen wenn er ihr persönlich erklärte, was er noch auf dem Markt zu tun hätte.

Zu Andaryns Glück meldete sich Delilah bei ihm und bat ihn, mit ihr zum Pferdekauf mitzukommen. Da der Signorino auf die Anwesenheit der Tulamidin Wert legte (habe ich schon erwähnt, dass sie ganz gut aussieht?), da er meinte, sie würde den Weg nach Khunchom kennen, bekam Andaryn schließlich die Erlaubnis der Baroness, sich zu entfernen, und verschwand für den Rest des Tages.

Die Diskussion, ob die Händlerin nun auf die Reise mitkommen solle oder nicht schien sich etwas lauter gestaltet zu haben, denn als wir wieder Augen für die Umgebung hatten, saß der Mann mit der Schweinsnase an einem Tisch in der Gaststube und schrieb fieberhaft mit. Die Baroness befahl ihm, die Zettel herauszurücken, und nach einigem Zögern gehorchte er schließlich, um sich sofort danach auf sein Zimmer zu verfügen – wohl um alles neu aufzuschreiben.

Mein Herr entließ mich für den Nachmittag – schließlich hatte ich zugestimmt, Fräulein Turike an Andaryns Statt zum Markt mitzunehmen – und ich bat ihn, für mich ein Auge auf Herrn Schlick zu haben. Es war doch verdächtig, was er im Keller getan hatte. Der Signorino bat den Wirt außerdem noch, sich im Keller umsehen zu dürfen, und fand einige Spuren. Die Baroness begab sich unterdessen zum Boron-Tempel, um sich dort über das Wirken von Geistern zu erkundigen.

Derweil hatten Fräulein Turike und ich unseren Spaß auf dem Markt, wo wir den aufregenden Mäusezirkus besuchten. Die Leute beim Zirkus meinten auf Anfrage, Moti (des Signorino Haustier) wäre so gar nicht für den Zirkus talentiert. Dafür führte mich Turike zu einer diskreten Villa, wo ich dem Fuchs meine Reverenz erweisen konnte. Um ihr ihren Gefallen zurückzuzahlen, zeigte ich ihr die Zinken an den Wänden ums Gasthaus. Auf dem Weg hörten wir die Nachbarn, und als ich mich zum Tratschen dazugesellte, erzählten mir die Leute, die Geistererscheinungen im Haus wäre wohl die verblichene Vorbesitzerin des Hauses, Jule Gerich, die im Alter friedlich entschlafen wäre. Es ist mir zwar nicht ganz klar, warum eine friedlich verstorbene alte Dame ihr altes Zuhause bespuken sollte, aber die Nachbarn schienen von ihrer These überzeugt.

Der Signorino unterdessen erwischte den Wirt, der sich gerade im Gespräch mit einigen unfein aussehenden Leuten befand, und vergraulte sie mit einigen wohlplatzierten Worten. Die verabschiedeten sich unter Drohungen, und mein Herr führte daraufhin ein kurzes Gespräch mit dem Wirt, über all die Leute, die ihm Übles Wollen. Der Wirt meinte, der Wirt vom Eckhaus hätte bestimmt etwas dagegen dass ihm mit dem Drachentöter Konkurrenz ins Haus stünde, und auch die direkten Nachbarn, die wohl etwas mit Magie am Hut hätten, wären nicht übermäßig glücklich darüber, plötzlich neben einem Wirtshaus zu wohnen. Und nun auch noch die Möchtegern-Schutzgeld-Erpresser. Eine Menge Leute schien etwas gegen den guten Mann zu haben.

In einer freien Minute verschaffte ich mir still und leise Zutritt zum Zimmer des Schreiberlings mit dem Schweinsnäschen und sah mir seine Aufzeichnungen an. Der Knabe schien ein Schriftsteller zu sein, der auf der Suche nach Inspiration war – eigentlich eher harmlos, und er verwendete auch keine Namen in seinem Geschreibsel. Also ließ ich ihm ein kleines Zeichen als Warnung zurück und machte, dass ich davonkam. Bevor ich das Zimmer verließ, sah ich noch einen schlammigen Abdruck am Fensterbrett – und keine schlammigen Spuren im Zimmer. Ist da jemand ein- oder ausgestiegen, fragte ich mich, hatte aber keine Antwort darauf.

Andaryn und Delilah kamen gegen Abend zurück zum Drachentöter, mit einem sehr schicken Pferd im Schlepptau, das sie auf dem Viehmarkt gekauft hatten. Außerdem gab es Neuigkeiten von meinem Herren, der Andaryn gleich in den Keller mitnahm – er hatte herausgefunden dass jemand etwas dort gesucht hatte, und wollte seine These durch Andaryn bestätigt haben. Turike unterdessen spielte mit einem Taschentuch, und ich tauschte Moti samt Käfig temporär gegen das Tuch, um es meinem Herren und den anderen zu zeigen. Es war parfümiert und bestickt mit einem „Für C. L.“, was dieser Person von einer „Lissa“ verehrt wurde.

Wir überlegten, eine Nachtwache im Keller zu halten, um mögliche Quellen des nächtlichen Spuks auszumachen. Der Wirt war verwirrt warum wir das wollen sollten, aber er wollte meinen Herrschaften auch nicht direkt widersprechen. Mein Herr sprach außerdem einige Worte mit dem Herrn Schlink, und ließ wie zufällig den Namen „Jule Gerich“ fallen, um seine Reaktion zu beobachten. Der hielt sich gut, aber wir sahen ihn für einen winzigen Augenblick zusammenzucken.

Und so fand uns der Abend an diesem 7. Efferd. Wer weiß, vielleicht finden wir heraus was im Drachentöter vor sich geht bevor wir abreisen?

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