as I scan this wasted land

hier, halte diesen Zweig

Ein Bericht unseres Mannes vor Ort: Sato Leonar Isidorn Cyberian von Greifsmantel.

… nach der Inhaftierung des Alchemisten blieb ich noch etwa eine Woche vor Ort um der Gerichtsverhandlung beizuwohnen und als Zeuge auszusagen. Es wurde Recht gesprochen und der Alchemyst bekam die gerechte Strafe für seine Untaten.

Ich war zu dem Schluss gekommen, dass es beim Reisen durch die Wildnis durchaus nützlich sein konnte, fähige Kämpfer dabei zu haben, auch wenn sie teilweise ungehobelt und unmanierlich waren, und aus diesem Grunde reisten wir zusammen weiter. Ich habe auch noch einen Träger angeheuert, der meinen Koffer trägt, da das Schiff leider weitergefahren ist – eine Tatsache, die ich noch bitter bereuen würde. Der Träger ist ein Nordmann dem die Zunge herausgeschnitten worden ist, dementsprechend kenne ich auch seinen Namen nicht. Ich nenne ihn Bob.

Am 15. Peraine beschlossen wir dann aufzubrechen. Am ersten Tag überraschte uns das Wetter mit einem kalten, klammen Nieselregen, aber zum Glück konnten wir in einem Gasthaus in einem kleinen Weiler übernachten. Am nächsten Tag war das Wetter besser, aber die Götter waren uns nicht wohlgesonnen denn wir wurden von einem wütenden Stier überrascht, der es zu meinem Glück auf Thalian abgesehen hatte. Thalian raste mit affenartiger Geschwindigkeit in Richtung des nahegelegenen Waldes davon, der Stier ihm dicht auf den Fersen. Thalian verschwand schließlich im Wald und der Stier verlor bald das Interesse. Als Thalian nach einer Stunde nicht wieder aufgetaucht war, schickten wir die Jägerin um ihn suchen zu gehen. Der Thorwaler, der Träger und ich warteten noch einige Stunden und brachen dann auf in der Hoffnung, vor Einbruch der Dunkelheit noch ein Dorf oder zumindest einen Bauernhof zu erreichen. Diese Hoffnung war vergebens und ich musste die Nacht in der Gesellschaft des Thorwalers und des stummen Trägers in völliger Dunkelheit am Wegesrand verbringen. Es war fürchterlich.

Du lachst jetzt bestimmt und denkst dir, dass du mir gleich gesagt hast ich solle mehr auf meines Onkels Lektionen über das Wildnisleben achten. Ja danke, das weiß ich jetzt auch, aber es ist trotzdem noch stinklangweilig!

Jedenfalls haben die beiden uns dann am Abend des nächsten Tages eingeholt, nachdem uns ein Bauernhof in Travias Namen Unterschlupf gewährt hat. Thalians Erläuterungen was genau passiert sei handelten von furchtbaren Gefahren und schauderhaften Wesen. Dem Gesichtsausdruck der Jägerin nach zu urteilen hatte er sich einfach komplett verlaufen und sich generell wie ein Tölpel angestellt, der keine Ahnung vom Leben in der Wildnis hat.

Am nächsten Tag setzten wir die Reise fort. Gegen Mittag wurden wir von einem riesigen Troll angefallen. Genauer gesagt wurde der Thorwaler angefallen. Ganz genau gesagt, ist der Troll auf den Thorwaler gefallen. Der Troll war etwa 2 ½ Schritt groß und hatte große Angst vor uns, wie ich sobald erkannte. Während ich noch versuchte den Thorwaler davon abzuhalten den Troll abzuschlachten – „zur Sicherheit“ – sind auch dessen 4 ½ Schritt großen Eltern aufgetaucht. Damit war das Thema dann des Trollschlachtens fürs erste erledigt.

Mein Trollisch ist etwas eingerostet, zum Glück sprach die Mutter etwas Garethi und bat uns, oder vielmehr, befahl uns „Wimmelkriegern“ ihren Sohn zu heilen, der sich offenbar bei seinem Fall auf den Thorwaler verletzt hatte. Unsere „Elfenheiler“ erkannten aber dass es nur ein verstauchter Knöchel war. Beeindruckt ob dieser Weisheit nahmen die Trolle uns mit zu ihrer Hütte mit, wo wir noch ein anderes ihrer Kinder heilen sollten. Dieses hatte tatsächlich einen offenen Knochenbruch, den wir schienten und so gut es uns möglich war behandelten.

Laut den Ausführungen der Trolle war das Unglück das in einem Tal in der Nähe geschehen, wo sie eigentlich zuhause waren, aber vertrieben worden waren von „bösen Steinen“ und „bösen Bäumen“. „Böse Bäume“ klang nun wirklich nicht sehr einladend, aber mithilfe ihrer charmanten Art überzeugten sie uns dass wir uns die bösen Steine und Bäume doch mal ansehen wollten. Falls du dich fragst, was ich genau damit meine, ich hatte insgeheim die 2 ½ Schritt große Steinkeule des Trollvaters „Charmante Art“ getauft. Sie meinten außerdem noch, dass in dem Tal zwei „Wimmelkrieger“ leben sollen, einer in einem verlassenen Dorf, der andere irgendwo im Wald, die da bestimmt dran schuld wären.

Und so brachen wir am nächsten Morgen in das Tal der Trolle auf. Es begann gleich ganz schlecht, nämlich mit einer Menge Bäume und einem Pfad mit vielen Abzweigungen und Gabelungen. Ich begann sofort eine Karte zu zeichnen (siehe Anlage 1), und obwohl ich das nie gelernt habe, finde ich sie doch gut gelungen! Geholfen hat sie leider nicht viel, da wir ja auch nicht wussten wo wir genau hingehen sollten. Gleich am ersten Tag liefen wir in einen Goblin-Hinterhalt, der jedoch bald in eine ungeordnete Flucht der Goblins ausartete, als der erste von ihnen zu Boden ging. Einige hundert Meter weiter war dann auch schon das Dorf der Goblins, die allerdings lieber einen Waffenstillstand aushandelten, als es mit uns aufzunehmen. Das war uns nicht ganz unrecht, schließlich waren es doch um die 50 Goblins und auch Steinschleudern tun höllisch weh, wenn man nicht gerade in einer Blechdose steckt. Die Goblins sagten uns noch in welcher Richtung das verlassene Dorf sei, damit wir auch ja schnell abhauten.

Die nächsten Tage verbrachten wir damit, uns einen Weg durch das Tal zum Dorf zu suchen. Gefunden haben wir dabei einen magischen Steinkreis, einen See aus dem große Hände aus Wasser den Thorwaler zu ertränken versuchten und eine Rotte Wildschweine die der Thorwaler natürlich allesamt abschlachten wollte, ungeachtet der Tatsache dass alle anderen klugerweise schon auf den Bäumen waren. Die Wildschweine konnten wir dann zwar besiegen, nicht ohne dabei aber einige Blessuren davonzutragen. Jede Nacht wurden wir außerdem von immer schlimmer werdenden Alpträumen heimgesucht die verhinderten dass wir uns erholen konnten und so waren wir am Ende ziemlich schlecht gelaunt als wir endlich das verlassene Dorf erreichten.

Alles in dem Dorf war schon seit Jahrhunderten verlassen und verfallen, bis auf den kleinen Rondra-Tempel und die Schmiede. In der Schmiede fanden wir eine Frau namens Norrigea, die gerade dabei war eine Waffe zu schmieden. Wir unterhielten uns mit ihr und sie erzählte uns, was in diesem Tal vorgefallen war. Sie lebte hier schon seit vielen Jahren aufgrund eines Schwurs an Rondra, dafür dass die Göttin ihr einmal das Leben gerettet habe. Vor zwei Monaten etwa wollte sie einen kleinen Kanal graben, um Wasser für ihre Schmiede vom nahen Fluss ins Dorf zu leiten. Wenig später tauchte ein Druide namens Daliseon auf, wütend aufgrund des Frevels an Sumu, wie er den Kanal bezeichnete. Er zerbrach ihren Spaten, ein Wort ergab das andere und nun waren die beiden erbitterte Feinde und nachdem Norrigea versucht hat eine der drei Eichen beim heiligen Steinkreis zu fällen versuchte im Gegenzug Daliseon alles, um Norrigea mit frevelhafter Magie aus dem Tal zu vertreiben. Norrigea war sehr rondagläubig, aber auch sehr stur und etwas arrogant und verächtlich gegenüber dem Sumu-Glauben, deshalb glaubte ich ihr nicht ganz dass wirklich der Druide an allem Schuld sein sollte.Ich versprach jedoch, dass ich versuchen würde die Sache zu bereinigen und hoffte, dass sich die Sache zu einem friedlichen Ende bringen lassen würde.

Nach einer weiteren Nacht voller Alpträume machten wir uns am nächsten Morgen auf, den Druiden zu finden. Das war zum Glück nicht weiter schwer, denn bereits nach kurzer Wegzeit trafen wir auf eine Gruppe Waldschrate, Wesen die wie große sich bewegende Bäume aussahen. Diese, ähnlich schlecht gelaunt wie wir, verweigerten dem Rest der Gruppe die Weiterreise und begleiteten mich zum Druiden. Offenbar nahm der Druide es den anderen übel, dass sie die Wildschweine getötet hatten und ich habe mich in diesem Kampf klugerweise weitgehend zurückgehalten. Bei Daliseon angekommen zeigte ich natürlich großes Verständnis für seinen Zorn über die Arroganz und Sturheit von Norrigea. Ich überredete ihn einzulenken und ihr die Chance zu geben sich für den Angriff auf eine der ehrwürdigen Schwestern – so nannte Daliseon die Eichen beim Steinkreis – zu entschuldigen. Ich wusste es würde schwierig genug werden die Schmiedin dazu zu überreden, aber es war der einzige Ausweg aus der Situation der nicht in einem Blutbad enden würde.

Zurück bei Norrigea war es auch genauso wie ich es vermutet hatte, sie sah keinen Grund sich zu entschuldigen. Aber nach einigen Versuchen sie zu überreden, meinte sie wenn sie Göttin ihr ein Zeichen geben würde, würde sie einlenken. Wir sollten ihre Streitaxt aus einer verlassenen und verfluchten Zwergenbinge zurückholen. Sie hatte sie verloren, als sie als letzte Überlebende der Expedition von dort geflüchtet war. Nach vielen Verlusten durch heimtückische Fallen waren im letzten Raum den sie erforscht hatten plötzlich die Statuen lebendig geworden. Alle anderen Expeditionsmitglieder wurden von den Statuen zermalmt, ohne dass sie auch nur den Hauch einer Chance hatten. Sie selbst konnte sich nur mehr erinnern ein Stoßgebet an Rondra gesandt zu haben und irgendwie lebendig aus dem Raum entkommen zu sein. Da Rondra sie durch ein Wunder gerettet hatte, verschrieb sie sich von nun an für den Rest ihrer Tage dem Dienst an der Göttin. Und wenn wir den Mut aufbrächten und mit Rondras Hilfe ihre Streitaxt zurückholen würden, wäre das für sie ein Zeichen, einzulenken.

Gegen Argumente wie diese – nämlich gar keine – kommt man auch mit bester Überzeugungskraft nicht an, und so blieb uns nichts anderes übrig als einzuwilligen, wenn wir diese Sache ins Reine bringen wollten. Die Entschlossenheit meiner Gefährten begann bereits zu wanken, als sie von der verfluchten Zwergenbinge vernahmen, aber was ich mal begonnen habe führe ich auch bis zum Ende durch! Zu ihrer Ehrenrettung muss ich aber sagen, dass ich nicht allzuviel Überzeugungskraft aufbringen musste.

Und so brachen wir am nächsten Morgen auf, unterstützt von magischer Heilung und Heil-Behelfen des Druiden, die ich organisieren konnte und Laterne, Öl, Fackeln und Seilen der Schmiedin. Außerdem hatte sie auch noch eine ungefähre Karte der Binge gezeichnet, so wie sie sich daran erinnern konnte. Durch einen Felskamin stiegen wir in einen eingestürzten Teil der Binge ein und begannen den Weg der Expedition nachzugehen. Die Fallen waren zum Glück bereits alle ausgelöst oder entschärft worden und bis auf einen etwas unheimlichen Gang, der ein sehr verzögertes Echo zurückwarf wenn man hineinflüsterte, begegnete uns nichts ungewöhnliches.

Obwohl einige Räume und Gänge auf der Karte der Schmiedin fehlten, fanden wir schlussendlich den Raum mit den Statuen und begannen ihn sehr, sehr vorsichtig in Richtung der gegenüberliegenden Tür zu durchqueren. Aber obwohl wir keinerlei Druckplatten oder sonstige Mechanismen auslösten, begann sich plötzlich eine der Statuen zu bewegen und langsam auf uns zuzustampfen. In leichter Panik rannten wir zur doppelflügeligen Tür die wir zum Glück aufschwingen und hinter uns wieder schließen konnten, bevor die Statue heran war. Jedoch begann sie mit donnernden Schlägen die schwere metallbeschlagene Holztür zu Kleinholz zu verarbeiten. Die Streitaxt Norrigeas war schnell gefunden, ein weiterer Ausgang aus dem Raum, den wir als offenkundigen Thronraum der Zwerge identifizierten, jedoch nicht. Schließlich sah jemand hinter dem Thron nach und dort war ein kleiner Spalt zu sehen durch den wir uns alle durchzwängen konnten, offenbar derselbe Weg den die Schmiedin auch genommen haben muss. Im Schrecken des Gemetzels den die lebende Statue unter ihren Gefährten angerichtet hat, hat sie vermutlich jede Erinnerung daran verloren.

Nun waren wir jedoch in einem völlig unerforschten Teil der Zwergenbinge, mit funktionierenden Fallen und vielen Abzweigungen die weiß die Götter wohin führten. Aber was blieb uns anderes übrig als einen Weg nach draußen zu suchen. Viele Fallen weiter, von denen ich einige entdecken konnte und andere, die wir teilweise auslösten, zum Glück ohne wirklich schwere Verletzungen davonzutragen, kamen wir endlich in ein großes Treppenhaus das wir wiedererkannten, gerade als das Öl unserer Laterne zur Neige ging. Unglaublich erleichtert und raschen Schrittes liefen wir zum Eingang, kletterten das Seil durch den Felskamin hoch und schlugen ein Lager auf, da es schon Nacht geworden war.

Ich schwöre dir, noch nie war ich so froh unter freiem Himmel einschlafen zu dürfen. In der Nacht ging uns nochmal Thalian verloren, als er meinte er müsse unbedingt ein Licht verfolgen und würde gleich wiederkommen. Ich war zu müde ihn aufzuhalten und war mir außerdem relativ sicher dass der Druide ihn wiederfinden würde. So kehrten wir also siegreich zu Norrigea zurück und präsentierten ihr zu ihrem großen Erstaunen ihre Axt. Sie stand zu ihrem Wort und kam mit, um sich bei Daliseon zu entschuldigen. Auf dem Weg dorthin trafen wir auch einen ziemlich lädierten Thalian, der auf meine Frage von heroischen Kämpfen gegen Waldschrate erzählte… nun ja. Das Wichtigeste jedoch war, dass Daliseon Norrigeas Entschuldigung annahm. Ich glaube, am Ende waren beide ganz froh dass die Sache friedlich beendet worden war, ohne dass einer von beiden sein Gesicht verlor. Daliseon begleitete uns noch zu den Trollen, wo er das Bein des verletzten Trollkinds heilte und zusammen mit ihnen wieder ins Tal zurückkehrte, während wir in Richtung der nächsten Stadt weiterreisten.

Anlage 1: Eine Karte des Tals, künstlerisch wertvoll, zur Orientierung in keinster Weise zu gebrauchen
Anlage 2: Eine Karte der Zwergenbinge mit handschriftlichen Ergänzungen wo die Karte ungenau war
Anlage 3: Eine Skizze der Trollfamilie mitsamt Steinkeulen betitelt „Trolle und ihre Charmante Art“
Anlage 4: Eine Skizze der überlebensgroßen Steinstatue eines Zwerges mit riesiger Steinaxt, die sich gerade in Schlagpose befindet

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