as I scan this wasted land

ein Blick durch bunte Glasscherben

Ein Bericht unseres Mannes vor Ort: Sato Leonar Isidorn Cyberian von Greifsmantel.

…während ich hier sitze und dir diesen Brief schreibe, hatte ich eigentlich erwartet, bereits deutlich weiter in Richtung Gareth gekommen zu sein. Stattdessen sitze ich hier im Anwesen des Barons zu Eberesch im tiefsten Kosch. Immerhin hat sich meine Umgebung gesteigert von Wildnis zu Provinz. Man ist dankbar für kleine Freuden.

Ergeben hat sich das folgendermaßen. In Albenhus begegnete ich dem geschwätzigen Horasier Avesandro wieder, der sich in der Zwischenzeit ein Pferd gekauft hatte, ich frage mich mit welchen Geldmitteln. Eine besonders tiefe Tasche scheint er in der Vergangenheit nicht gerade gehabt zu haben, zumindest danach zu schließen wie er in Albenhus wie ein Pferdehändler um den Preis der Herrschafts-Suite gefeilscht hat. Ich dachte ich müsste vor Scham im Boden versinken. Ein verliehener Adelstitel zeugt nunmal nicht von edler Geburt.

Auf jeden Fall hat er eine Einladung für eine Hochzeit bekommen und mich gefragt ob ich mitkommen wolle. Nun hat sich Albenhus wie erwartet auch nicht als belebte Metropole erwiesen, also dachte ich mir, warum nicht? Auch der Thorwaler war immer noch in unserer Begleitung und schloss sich uns an. Die Einladung hatte Avesandro offenbar von einer alten Bekannten aus dem Horasreich namens Flavia bekommen. Nach zwei Tagen Schiffsreise kamen wir auf dem Anwesen an, das aus einer Burg, einem kleinen Dorf mit Palisade und einem im Aufbau begriffenen Jahrmarkt bestand.

Avesandro und ich stellten uns bei der Herrschaftsfamilie vor und wurden wohlwollend empfangen, auch wenn sich bald herausstellte, dass Avesandro offenbar keine Ahnung hatte warum er eingeladen wurde und woher er die zukünftige Braut kennt. Das glückliche Brautpaar waren Sindar Eberesch zu Eberesch und Martha de Luce, seine Braut, die er auf einer mechanischen Akademie im Horasreich kennengelernt hat. Martha war allerdings etwas erbost, dass Flavia noch nicht hier war, sie war offenbar schon länger erwartet worden. Da kaum mehr Platz in der Burg war, wurden wir gebeten im Dorfgasthof unterzukommen. Da dieser ganz ordentlich waren stimmten wir natürlich zu.

Den Rest des Tages verbrachten wir noch am Jahrmarkt, der ganz in Ordnung war, dafür dass wir mitten im tiefsten Kosch waren. Es gab Seiltänzer, Messerwerfer, Ringer und neben vielem weiteren auch eine sehr gutaussehende und durchaus fähige Wahrsagerin namens Oliandra. Avesandro warf sich ihr natürlich sofort an den Hals und versuchte auf diesem Weg herauszufinden woher er die werte Brautdame kennt, war damit aber auch nicht wesentlich erfolgreicher. Er meinte dass sich das Schicksal gegen ihn verschworen habe, auf dass er niemals erfahren würde woher er die Dame kenne. Ich weiß aber wirklich nicht, was das Schicksal dafür kann, dass er ein Gedächtnis wie ein Sieb hat.

Am Abend wurden wir dann zum Abendessen und einer Vorstellung einer Bardin eingeladen, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten, während der Thorwaler die Bekanntschaft einer vollbusigen Dienerin weiter vertiefte. Die Bardin stellte sich dann als die Wahrsagerin Oliandra heraus, allerdings war sie kaum wiederzuerkennen. Sie hatte sich sehr herausgeputzt und war äußerst beeindruckend. So beeindruckend in der Tat, dass ich mich an die Aufführung kaum erinnern konnte, auch die Zeit danach war wie ein Nebel über meinen Gedanken. Erst das Geräusch von stählernen Klingen, die aus ihren Scheiden gezogen wurden weil sich einige Herrschaften stritten, wer wohl die Gunst eines Gesprächs mit der holden Bardin haben dürfte brachte mich ein wenig zur Besinnung. Und die Tatsache, dass sie bald darauf verschwand, mit einer Traube an männlichen Gästen im Schlepptau. Offensichtlich war es ihr selbst etwas unangenehm. Ganz sicher bin ich mir nicht, ob das alles mit rechten Dingen zuging, aber Beweis fand ich keinen dafür. Was auch immer sie getan hatte, sie meinte es nicht böse und außer, dass sie schlussendlich mit Avesandro im Bett landete, geschah auch ihr selbst nichts weiter schlimmes.

Der nächste Vormittag verlief relativ ereignislos, außer für Avesandro, der einen kleinen Zusammenstoß mit Flavia hatte, die schlußendlich doch noch angekommen war. Gerade rechtzeitig in meinen Augen, trotzdem viel zu spät in den Augen der Braut.

Kurz nach Mittag jedoch gab es einen Zwischenfall auf dem Jahrmarkt – eines der Zelte hatte Feuer gefangen und konnte in letzter Sekunde gelöscht werden, bevor das Feuer auf die anderen Zelte übergesprungen ist. Der Anschlag, als solchen identifizierten wir ihn alsbald, war jedoch irgendwie unmotiviert. Selbst die Ankunft eines Bannstrahlers ergab keine schlüssige Motivation, da solcherart Leute viel lieber mit Publikum arbeiten.

Während wir uns noch umhörten ob irgend jemand etwas gesehen hatte, kam die zukünftige Braut auf uns zu und beschwerte sich lauthals und ausgiebig bei Avesandro, wo Flavia sich denn jetzt schon wieder herumtreibe, sie wäre seit einigen Stunden verschwunden. Avesandro wollte sie nur schnell abwimmeln, aber ich erkannte dass die ganze Hochzeit vermutlich in einer Katastrophe enden würde wenn diese Flavia nicht bald ihrer Aufgabe als Brautjungfer nachkam, also schritt ich beschwichtigend ein und versprach Martha, dass wir Flavia auftreiben und zu ihr zurückbringen würden. Da sie, wie ich erfuhr, Hesindegeweihte war, hatte sie vermutlich einfach irgendwo ein interessantes Buch entdeckt und darüber die Zeit vergessen.

Wir folgten ihrer Spur, erfuhren dass sie noch irgendwo im Schloss sein müsste und während wir uns dort umhörten, erfuhren wir auch, dass in etwa zeitgleich mit dem Brand auf dem Jahrmarkt auf der Burg ein wertvolles mechanisches Artefakt gestohlen worden war. Martha hatte als Teil ihrer Mitgift ein Kaleidoskop aus dem Horasreich mitgebracht und dieses war verschwunden.

Sogleich vermuteten wir, dass Flavias Verschwinden damit in Zusammenhang stehen musste und verfolgten weiter ihre Spur. Auch der Thorwaler und Oliandra schlossen sich uns an, die Wahrsagerin weil sie den Schuldigen für die Brandstiftung finden wollte und der Thorwaler vermutlich weil er sich langsam hier zu langweilen begann.

Während wir uns noch umsahen fiel uns auf, dass die Traviageweihte Mina, die als Ersatz für den vor einigen Monaten verstorbenen alten Traviageweihten hier angelangt war, einige Notizen studierte, die vermutlich einer Travia-Novizin schon bekannt sein hätten müssen.

Ich befragte die Dienstboten und erfuhr dass Flavia das Schloss durch einen “Geheimgang“ verlassen hatte, den die Wäscherinnen immer verwendeten um auf dem kurzen Weg an den See zu gelangen. Wir verließen die Burg ebenfalls auf diesem Weg und begannen mühselig der Spur zu folgen, die zum Glück nicht weiter verborgen worden war.

Nach einigen hundert Schritten war es offenbar zu einem Kampf gekommen. Wir folgten der Spur, die plötzlich tiefere Fußstapfen hinterließ in der Annahme, dass Flavia weitergetragen worden war und kamen kurze Zeit später an eine einsame Blockhütte im Wald. Geschickt und leise kundschaftete ich sie aus und erkannte dass drinnen Leute waren und sah auch eine gefesselte Person. Wir berieten uns kurz und unter dem bewährten Schutz eines Silentium-Zaubers stürmten wir die Hütte. Drin waren zwei Bewaffnete und ein Kriegshund, die vom Thorwaler sofort angestürmt wurden. Er machte kurzen Prozess mit dem Hund und einen Bewaffneten während ich mithilfe von Avesandro den anderen unschädlich machte. Leider entging uns wegen des Silentiums, dass unterdessen Oliandra von Mina, der falschen Traviageweihten einen Dolch an die Kehle gesetzt bekam. Als wir dessen gewahr wurden, ließ sich Oliandra geistesgegenwärtig zu Boden fallen und Avesandro zauberte wohl irgendwas, weil die falsche Traviageweihte aufschrie und sich an die Augen fasste. Vielleicht hat er ihr aber auch einfach nur Sand in die Augen geworfen. Nach einem kurzen Schlagabtausch erkannte sie, dass sie uns unterlegen war und versuchte zu flüchten, was ich mit einem Wurfdolch in ihren Fuß aber gerade noch rechtzeitig verhindern konnte.

Siegreich, mit der befreiten Flavia und dem geborgenen Kaleidoskop kehrten wir in die Burg zurück, wo man uns für die Rettung des Artefakts sehr dankbar war. Und auch Martha war froh, dass ihre Hochzeit nicht mangels einer Brautjungfer platzen musste.

Von Mina erfuhren wir nur, dass es sich um einen Auftragsdiebstahl handelte, wer der Auftraggeber war wusste sie aber auch nicht. An ihr weiteres Schicksal denke ich nur mit Schaudern, da sie wegen des Angriffs auf zwei Geweihte – sie hatte nämlich auch die Ersatz-Traviageweihte auf dem Weg hierher überfallen – an den Bannstrahler übergeben wurde.

Anlage 1: Zeichnung – Die Bardin während ihrer Aufführung
Anlage 2: Zeichnung – Der Blick durch ein Kaleidoskop

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