as I scan this wasted land

wie Thalian mit einem Hieb umgecrittet wurde

Ein Bericht unseres Mannes vor Ort: Sato Leonar Isidorn Cyberian von Greifsmantel.

Während ich dies hier schreibe, liege ich in Steinbrücken in einem Bett und erhole mich von meinen schweren Verletzungen, die ich in den letzten Tagen erlitten habe. Du musst dir keine Sorgen machen, ich bin auf dem Weg der Besserung und Wundbrand habe ich auch keinen bekommen. Du wirst dich jetzt bestimmt fragen wie es dazu gekommen ist. Eines kann ich dir gleich versichern, es war nicht meine Schuld! Also indirekt schon, aber wer hätte denken können, dass eine tote Brieftaube in einem Busch zu solchen unerwarteten und in weiterer Folge völlig unvermeidlichen Konsequenzen führen würde. Aber ich fange wohl besser am Anfang an.

Wir waren auf dem Weg vom Anwesen der Ebereschs in Richtung Angbar als ich ein wenig abseits des Weges eine tote Brieftaube in einem Busch entdeckte. Sie hatte offenbar eine Nachricht um den Hals. Schließlich nahm ich die Nachricht an mich und las sie, um erkennen zu können an wen sie adressiert war. So wichtig war sie dann leider doch nicht, ein Händler namens Angwart Bachenheim in Angbar wurde darin informiert, dass sich eine seiner Lieferungen verzögern würde. Da wir ohnehin auf dem Weg nach Angbar waren, nahm ich sie mit in dem Vorhaben sie diesem Herrn Bachenheim zu überreichen. Das Wohlwollen eines reichen Händlers wirkt sich meistens wohltuend auf die Geldbörse aus.

In Angbar angekommen, kamen wir bei diesem Händler vorbei und überbrachten ihm die Nachricht. Er wirkte sehr erleichtert und war offenbar schon in Sorge um seine Lieferung. Er empfahl uns ein Gasthaus und einige renommierte Händler bei denen wir seinen Namen fallen lassen sollten, damit wir bessere Preise bekamen. Außerdem bat er uns seinerseits eine Nachricht zu einem Händler namens Eisinger in Steinbrücken mitzunehmen. Da dies auf unserem Weg lag, willigten wir ein, offenbar war das Vertrauen Herrn Bachenheims in die Zuverlässigkeit von Brieftauben erschüttert worden. Es wundert mich etwas, dass er Wildfremde eine sicherlich vertrauliche Botschaft überbringen ließ, aber andererseits bürgt der Name Greifsmantel selbstverständlich für Vertrauen und Zuverlässigkeit.

So reisten wir weiter und in Steinbrücken angekommen, überbrachten wir Eisinger die Botschaft, wofür uns dieser einlud doch bei ihm zu nächtigen. Eisinger schien ein sehr reicher und einflussreicher Händler zu sein, auch wenn seine Voreingenommenheit gegenüber Novadis sehr ausgeprägt war. Am nächsten Tag ließ er uns zu sich rufen und bat uns um einen großen Gefallen. Es gäbe da diesen verruchten novadischen Händler namens Rashim Al-Fessir, der aus seiner Heimat Fasar wegen Sklavenhandel und dem Verkauf von Giften vertrieben wurde. Er hätte von einem Freund in Fasar eine Warnung bekommen, dass Rashim noch immer in diesem Geschäft tätig sei und außerdem seien in den letzten Wochen zwei Giftmorde in der Stadt geschehen. Rashim würde an diesem Abend ein großes Fest geben und Eisinger ist mit Begleitung eingeladen. Wir sollten mitkommen und in Rashims Haus nach Beweisen für seine Verbrechen suchen, dafür würde er uns angemessen entlohnen.

Ein Gifthändler im Mittelreich, noch dazu ein Ausländer, das wäre wahrlich etwas um das man sich kümmern müsste, und dank der in Aussicht gestellten Dukaten waren wir bald alle bereit Eisinger zu helfen. Wir begleiteten Eisinger also auf das Fest und während die wunderschöne Tänzerin Delilah, eine Dienerin Rashims, eine berauschende Vorstellung im Schwerttanz gab, sah ich mich in seinem Arbeitszimmer um. Nach kurzem Suchen fand ich in einem Geheimfach des Schreibtischs einen Brief auf Tulamidya in dem von Purpurblitz die Rede war und ein versiegeltes Tonfläschchen.

Nach dem Fest überreichten wir Eisinger den Brief als Beweis für die Schuld Rashims und bald darauf wurde dieser von der Stadtwache verhaftet, sein Haus durchsucht und das unter meiner Mithilfe gefundene Fläschchen erwies sich tatsächlich als Purpurblitz. In einer rasch angesetzten Gerichtsverhandlung wurde er aufgrund der eindeutigen Beweise gegen ihn und unserer Zeugenaussage zu einer lebenslänglichen Galeerenstrafe verurteilt.

Da es bis jetzt noch zu keiner Verletzung meinerseits gekommen ist, wird du schon vermuten können, dass das nicht das Ende der Geschichte ist. Und so kam es, dass uns die Tänzerin Delilah nach der Verhandlung ansprach und verzweifelt erzählte, dass sie erpresst wurde und das Gift und den Brief selbst dort hingebracht hatte und Rashim unschuldig sei.

Da sie sogar den Nachschlüssel vorweisen konnte, mit dem sie den Brief ins Geheimfach legen konnte, war ihre Geschichte leider nur allzu glaubwürdig. Jedoch konnte sie uns außer einer Beschreibung des Mannes der sie erpresst hat nicht allzu viele Hinweise liefern. Deshalb begannen wir uns ein wenig umzuhören. Der Mann war bald identifiziert als ein zwielichtiger Geselle mit dem Spitznamen Dachs. Leider fanden wir nicht heraus, wo diese Gestalt zu finden war, weshalb wir auf die Dienste einer Informationshändlerin zurückgreifen mussten, die sich das aber teuer bezahlen ließ. Wir verschafften uns also nach einigen Schwierigkeiten Zutritt zu seiner Wohnung in der wir aber nur mehr erkennen konnten, dass er wohl dauerhaft das Weite gesucht hatte. Beinahe zeitgleich erlebten wir mit, wie die Leiche Delilahs aus dem Hafenbecken gezogen wurde. Offenbar war dieser Dachs dabei, alle Spuren und Zeugen zu beseitigen die irgendeinen Hinweis auf seine Verwicklung in dieser Angelegenheit deuten konnten.

Den Schreiber, der den Brief auf Tulamidya verfasst hatte konnten wir ausfindig machen, aber auch dieser wurde wenig später tot aufgefunden, während einige andere Spuren die wir verfolgen im Sand verliefen. Dummerweise wurde wenig später unser Thorwaler verhaftet, weil er als letzter in Begleitung des Schreibers gesehen worden war. Da wir uns nicht sicher waren, ob die örtliche Weibelin der Stadtwache geschmiert wurde, oder eine praiosgefällige Frau war, konnten wir ihr nicht unsere auch noch etwas schwachen Beweise vorlegen.

Den ersten Durchbruch hatten wir erst, als wir dieser Informationshändlerin den Namen einer Frau abkauften, die in der Stadt mit Purpurblitz handeln könnte. Der Name war Vipka, die Kapitänin eines Flussbotes, die wohl manchmal solche Dinge schmuggelte. Die Spur führte uns zu einer schmierigen Herberge wo wir sie auf ihrem Zimmer besuchten. Als wir nur den leisesten Hinweis fallen ließen dass wir sie mit Purpurblitz in Verbindung brachten warf sie mir ein weißes Pulver ins Gesicht, das ich nur als Gift interpretieren konnte und während Ihre Gnaden Flavia versuchte mir das Zeug aus dem Gesicht zu wischen und ich damit beschäftigt war die Augen geschlossen zu halten und den Atem anzuhalten, stürzte sie sich mit einem Nachthemd und einem Langdolch bewaffnet auf unseren Schwertgesellen. Das klingt beinahe so lächerlich, wie es in Wirklichkeit aussah. Eine Flussschifferin, die sich mit einem Messer auf einen ausgebildeten, mit zwei Kurzschwertern bewaffneten Schwertgesellen stürzte. Umso größer mein Schock, als Thalian in weniger als einer Minute blutend und bewußtlos am Boden lag. Ich habe den Kampf nicht mitverfolgt – du weißt schon, Purpurblitz in den Augen – aber nach Aussage Flavias war es diesmal nicht Thalians Schuld, der Namenlose selbst musste auf der Seite dieser Vipka gestanden sein, als sie immer und immer wieder mit knapper Not und selbst schwer verwundet Angriffe erfolgreich parierte und mehrere Glückstreffer landete.

Etwas widerstrebend, aber aus Verzweiflung über unsere letzte und einzige wirkliche Spur, verfolgte ich sie in die Nacht hinaus. Zum Glück hat Thalian sie doch ein paar Mal erwischt und so konnte ich ihrer Blutspur folgen und holte sie auch bald ein, als der Schock ihrer Verletzungen sie langsam einholte. Ich konnte sie letzten Endes davon überzeugen aufzugeben und so hatten wir endlich einen lebenden Beweis. Auch ein Fläschchen Purpurblitz konnten wir in ihrem Zimmer finden. Mit diesen Beweisen gingen wir nun zur Weibelin und ich riskierte es, ihr die Wahrheit über unsere Untersuchungen zu erzählen. Ich hatte sie offenbar doch richtig eingeschätzt, als sie mir besorgt zuhörte und versprach mit der Vögtin zu sprechen und unseren Thorwaler so bald wie möglich frei zu lassen.

Am nächsten Morgen wurden wir von einem Angestellten unserer bereits hinlänglich bekannten und äußerst gierigen Informationshändlerin besucht, der uns mitteilte dass wir für einen wahren Wucherpreis die Information bekämen, wo sich der Dachs momentan gerade aufhielt. Zähneknirschend bezahlten wir sie, denn mit der Festnahme des Dachses hätten wir alle Beweise bekommen die wir brauchten um selbst einen so einflussreichen Händler wie Eisinger hinter Gitter zu bringen.

Unterwegs gabelten wir noch ein paar Stadtwachen auf, die den Befehl hatten den Dachs um jeden Preis dingfest zu machen. Das erwies sich noch als äußerst kluge Entscheidung. Wie du an meiner subtilen Einleitung erkennen kannst, kommen wir eingangs erwähntem, unglücklichen Zwischenfall näher. Ich ließ die Stadtwachen das Lagerhaus in dem er sich einquartiert haben soll umstellen, da ich mir dachte, Dachs würde sofort flüchten wollen. Thalian, der noch immer schwer unter seinen Wunden litt, sagte mir er würde mich mit seinem wundersamen Elfenzauber der wahnwitzigen Geschwindigkeit verzaubern. Besonders viel erwartete ich mir nicht davon, doch tatsächlich war der Zauber äußerst beeindruckend. Alle schienen sich wie in Zeitlupe zu bewegen und wir beide rasten durchs Lagerhaus auf der Suche nach Dachs. Nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen, Kisten und Regale auf uns stürzen zu lassen, stellte er sich zum Kampf. Durch den Zauber verstärkt, und die Gegenwart Thalians, rechnete ich mir gute Chancen aus, auch wenn du mir immer geraten hast, dass man die beste Chance hat einen Kampf zu gewinnen, wenn der andere nicht zurückschlagen kann. Nun, ich kann nur sagen, das war ein weiser Ratschlag. Mein erster Schlag wurde pariert und als er zurückschlug und ich die Spitze seines Schwertes nach einer unbeabsichtigten Finte seinerseits wie in Zeitlupe auf mich zukommen sah, erkannte ich dass ich diesen Glückstreffer unmöglich parieren würde können.

Als ich wieder aufwachte, stellte ich fest dass ich zu früh mit meinem Leben abgeschlossen hatte, allerdings ging die Schwertklinge haarscharf an meinem Herzen vorbei. Ich erfuhr dann, dass auch der mit zwei Kurzschwertern bewaffnete und bestens ausgebildete Schwertgeselle Thalyan einige Sekunden später neben mir den Boden küsste und es nur dem mutigen Einsatz Flavias zu verdanken war, dass er lange genug aufgehalten wurde bis die Stadtwachen ihn überwältigen konnten.

Rondra war uns in dieser Angelegenheit offenbar nicht wohlgesonnen, dafür aber offensichtlich Peraine, denn wir beide überlebten unsere doch recht schweren Verletzungen ohne weitere Folgen. Oder vielleicht war es auch Hesinde, denn Flavia wirkte ein echtes göttliches Wunder im Namen der Schlange um unsere Verletzungen zu behandeln.

Jedenfalls war die Festnahme des Dachses und seine baldige Zeugenaussage, zusammen mit den anderen Beweisen die wir gesammelt hatten – dem Ersatzschlüssel, der Schriftprobe vom Schreiber und dem Purpurblitz von Vipka – alles was die Vögtin brauchte um Eisinger zu einer schweren Strafe zu verdonnern. Die Verhandlung des Dachses steht noch aus, aber ich werde mein Wort dafür einlegen, dass er am Galgen baumelt, für den infamen Mord an Delilah. Und natürlich auch am Schreiber. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte auch Eisinger den Strick bekommen, niemand manipuliert einen von Greifsmantel auf diese Weise und kann damit rechnen davon zu kommen. Aber ich schätze die 10 Jahre Steinbruch werden den verweichlichten Herrn hoffentlich in ein vorzeitiges Grab befördern. Rashim al-Fessir wurde natürlich freigesprochen und war uns, wenn auch mit etwas gemischten Gefühlen, trotzdem dankbar dafür dass wir seine Unschuld bewiesen haben auch wenn er über Delilahs Tod am Boden zerstört war.

Und so verbleibe ich in der Hoffnung auf dem Weg nach Gareth in keine weiteren Kalamitäten derartiger Natur zu geraten.

Dein
Sato Leonar Isidorn Cyberian von Greifsmantel

Anhang 1: Zeichnung der wunderschönen Tänzerin Delilah im anmutigen Sprung mit Kunchomer
Anhang 2: Zeichnung des Dachses am Galgen – Interpretation des Künstlers

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