as I scan this wasted land

Untergang des Reiches – verhindert

Ein Bericht unserer Frau vor Ort: Flavia A. P. di R. d. G.

Al-Fessirs Haus in Steinbrücken bot uns jeglichen Luxus, den man sich ausdenken kann. Der Händler verwendete die Woche, indem er uns zu diversen Festen schleppte, damit wir seine Unbescholtenheit bezeugten. Schließlich, als Herr Okenheld und Herr von Greifsmantel genesen waren und Herr Swanson sich in so viele Schlägereien hat verwickeln lassen wie es sich in einer Woche ausgeht, bat uns Al-Fessir, eine Nachricht an einen Baron im Nordmarken zu überbringen. Da noch keine Spur von Avesandro zu sehen war, machten wir uns ohne ihn auf den Weg.

Ein schmaler Weg führte von der Kaiserstraße zur Baronie Trackenborn, und dem folgten wir. Unterwegs trafen wir auf eine Händlerin, die ihre Waren zum Dörfchen Trackenborn brachte. Die gute Frau erzählte von den Räubern, die der gute Inquisitor ausgetrieben und deren Anführer, einen Schwarzmagier am Scheiterhaufen hat verbrennen lassen. Her Swanson hatte schon in Steinbrücken von diesen Leutchen gehört, und auch dass eine Belohnung auf ihre Köpfe ausgesetzt worden war. Nun war die also hinfällig. Außerdem verkaufte sie mir noch eine Pfanne.

Dann gab es einen Überfall von Goblins, die einen Wegzoll von uns verlangten. Sie sahen recht bedrohlich aus mit ihren zusammengeklauten Waffen. Der Anführer der Goblins ließ einige Worte über „die Gleichheit aller Leute“ und „Große Mama“ fallen und daraufhin beschloss ich, mit den Goblins mitzugehen, um ihre sozialen Strukturen näher zu beobachten. An dieser Stelle nahm ich Abschied von den erstaunten Herren von Greifsmantel und Okenheld. Fräulein Ifirnia und Herr Swanson schlossen sich mir an, Ifirnia aus brennender Neugier und Herr Swanson wohl aus Pflichtgefühl. Die anderen setzten ihren Weg nach Trackenborn fort.

Die Goblins waren sehr interessant. Die Schamanin und Stammesmutter in Personalunion war eine sehr zuvorkommende Dame. Sie ließ mich bei sich übernachten und befahl ihren Leuten, mir alle Aspekte des Goblin-Lebens zu zeigen. Ich lernte sogar einige Worte ihrer Sprache und durfte mich beim Schmuckmachen versuchen. Das Essen war interessant, aber gewöhnungsbedürftig – anscheinend waren Mäuse drin. Ifirnia schien ebenfalls im naturgebundenen Leben der Goblins aufzugehen, bloß der grummelige Herr Swanson saß mit Gewittermiene im Dorf und sah aus, als würde er sich gleich Goblinkinder zum Frühstück einverleiben und lieferte sich Schaukämpfe mit übungswilligen Goblins.

Zwei-drei Tage später wurden wir in der Nacht von Lärm geweckt. Eine Gruppe von Menschen mit Fackeln und Mistgabeln zog am Goblindorf vorbei. Die Goblins machten sich auf und davon. Kurz danach – Herr Swanson hatte den Zug aufgehalten – machte ich die Bekanntschaft des Inquisitors Praioshilf Sonnenacker. Ich machte ihm klar, dass die Goblinkolonie nun ein wissenschaftliches Projekt der Hesinde-Kirche war. Da ihn bloß seine Hexenjagd interessierte, machten wir uns im gegenseitigem Einvernehmen mit seiner Gruppe zur Burg Trackenborn auf, wo wir als Gäste des Barons logieren sollten.

Nun war in der Zwischenzeit einiges geschehen. Herr Okenheld und Herr von Greifsmantel hatten dabei zugesehen, wie die Inquisition ein fliehendes Mädchen wieder einfing. Anscheinend hatte sie durch Magie die Wachen des Barons verletzt, und das fand die Inquisition nun doch nicht ganz so lustig. Daraufhin war eine Frau zur Burg gekommen und hatte dem Baron einen Fluch mitgebracht. Der Mann sah nun aus wie ein Monster, voller abscheulicher Warzen. Er verkroch sich in seinen Räumen und weigerte sich, hinauszukommen und traviagefällig seine Gäste zu begrüßen. Wobei ich zugegebenermaßen auf eine Begegnung mit einem warzenübersäten Mann keinen großen Wert legte. Wäre Avesandro dabei gewesen, hätte er sich eine goldene Nase damit verdienen können, diesen Fluch wieder vom Baron zu nehmen. Nun ja, vielleicht kommt er ja doch an Trackenborn vorbei, man weiß ja nie.

Jetzt stand ein Gerichtsverfahren gegen das Mädchen und ihre Familie an, sowie gegen eine alte Kräuterfrau, die dem Peraine-Geweihten gesagt haben soll, er soll sich Peraine sonstwohin stecken (ich zitiere nur), was dieser natürlich als verbrennungswürdigen Frevel sah. Das Verfahren wurde von einem Sturm unterbrochen, bei dem die gesamte versammelte Gesellschaft von eiergroßen Hagelkörnern getroffen wurde. Das Gewitter sah unnatürlich aus, und man konnte nur annehmen, dass es von Hexen geschickt worden war. Wir hatten keinen Grund anzunehmen dass das beschuldigte Mädchen keine Hexe war, und für ihre Schadensmagie eine Strafe verdiente, aber sie hatte einen guten Grund, so zu handeln – der Baron hatte, wie schon vorher ein paarmal – die Wachen ausgeschickt, um ihm ein hübsches Dorfmädchen auf die Burg zu holen.

Beim Gerichtsverfahren stellte sich Herr Sonnenacker äußerst ungemütlich an und warf dann auch noch den Herren von Greifsmantel wegen seiner Nachfragerei aus dem Richterstand, um mich einzusetzen. Da die Angelegenheit auch für mich nicht klar genug war, legte ich ein Veto gegen die Entscheidung ein, doch die anderen zwei Richter überstimmten mich – Sonnenacker und der Geweihte der Peraine – und die ganzen Leute wurden zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Unglücklich mit der Entscheidung, nagelte ich den Inquisitor auf sein Versprechen fest, das er mir gegeben hatte und versuchte, weitere Information aus den Verurteilten herauszuholen. Da sie nicht kooperativ waren – zugegebenermaßen hatte das vermutlich etwas mit dem hinter mir stehenden Inquisitor zu tun – beschloss ich, sie im Dienste der Wissenschaft dazu zu verpflichten, mir auf dem Scheiterhaufen noch ein Paar Informationen über Empfinden beim Verbrennen zu geben. Daraufhin wollten sie gar nicht mehr mit mir reden, diese ungebildeten Bauern.

Am Abend hatten wir über die Vermittlung eines Gasthausangestellten aus dem Dorf ein Gespräch mit einer echten Hexe. Sie stellte uns ein Ultimatum, nämlich die vermeintlichen Hexen zu befreien (die, wie sie meinte, gar keine Hexen waren), oder das ganze Dorf untergehen zu sehen. Anscheinend ist die ganze Gegend mit Fanatikern der einen oder der anderen Sorte gespickt. Nach einigem Nachdenken beschlossen wir, die Wachen mit Schlafmittel lahmzulegen und die Verurteilten aus dem Kerker zu holen. Sie sollten dann mit den Hexen weggehen.

Auf der Burg machte ich einen Burgspaziergang mit der ansässigen Bibliothekarin, einer entzückenden Dame, die in Vinsalt studiert hatte. Sie zeigte mir die Systematik, nach dem sie ihre Bibliothek ordnete und das Chaos, das ihr Vorgänger hinterlassen hatte. Unterwegs zeigte sie mir die architektonischen Eigentümlickeiten der Wachstube, und ich konnte das Schlafmittel im Bierkrug der Wache deponieren. Schließlich ging die Gute schlafen, und ich machte mich daran, ihre Bibliothek so anzuordnen wie es mir am besten erschien, bis ich einschlief. Ich glaube, ich bin bis B gekommen.

Am nächsten Morgen gab es viel Trara um die vermissten Verurteilten. Am Waldrand traf ich dann meine Gefährten, die außer den Menschen aus dem Kerker auch noch einen echsischen Kristallomanten befreit hatten. Der hatte sich von seiner Heimat aus durch ein feindliches Umfeld bis hierhin aufgemacht, um dem „Ruf seiner Vorfahrin“ zu folgen. Nun spürte er sie ganz stark in der Nähe. Da wir nichts weiter in Trackenborn zu suchen hatten – wir hatten das kleinere Übel gewählt um ein größeres zu verhindern – schlossen wir uns dem Geschuppten an.

Der war ein sehr interessanter Zeitgenosse und unterhielt sich mit mir über alles mögliche, nicht zuletzt über echsische Physis und Fortpflanzung. Alles faszinierende Themen, wie ich finde. Ich sah aus den Augenwinkeln wie meine Begleiter sich die Ohren zuhielten, sich immer weiter von unserer Unterhaltung entfernten, sich laut unterhielten und vor sich hin pfiffen und sangen. Wieso darf man einen Echsenmenschen nicht fragen, wo seine Geschlechtsteile sind?

Schließlich erreichten wir eine Anhöhe und einen Wasserfall. Der Kristallomant meinte, ganz oben wäre die Kraft, die er suchte. Mit Hilfe von Magie und dicken Seilen überwanden wir die Höhe und fanden bald darauf da oben eine Wiese, auf der ein riesiger Kessel stand. Ich war überzeugt, dass die Hexen hier ihre Flugsalbe herstellten und nackt im Mondlicht tanzten. Der Vollmond war ungefähr vier Tage entfernt, meinte ich, man könnte es riskieren hier zu bleiben und zuzusehen. Die anderen waren nicht ganz so dafür und Herr von Greifsmantel ging sogar soweit, mir anzudrohen dass ich tanzen müsste wenn die Hexen sich nicht sehen ließen. So eine Frechheit!

Wir gingen weiter, bis unser Kristallomant eine Höhle fand. Hier war er an seinem Ziel angekommen, und wir wohl auch. Vor uns tauchte ein Mann auf, der sich mit einem Meckerdrachen unterhielt. Mit beispielloser Unverschämtheit meinte der kleine Drache, uns die Ereignisse der letzten paar Monate vorzuwerfen und Fragen dazu zu stellen um, wie er sagte, die Existenzberechtigung der menschlichen Rasse zu prüfen. HA! Ich frage mich wie man eine kulturschaffende Rasse wird, die glaubt, sich über alle als Richter aufzuschwingen, ohne opponierbare Daumen zu haben. Die Menschheit zerstören können nur die Götter, sie haben sie schließlich auch gemacht. Der große Schemen eines Drachen hinter dem Mann und dem kleinen Drachen fand meine Ausführungen und Herr Okenhelds dazwischengeworfene Frechheiten Gegenfragen wohl nicht so lustig, denn wir spürten mehr als alle anderen die Wut, die der Schatten in sich trug.

Irgendwann war die Befragung jedoch dankenswerterweise zu Ende, und wir stolperten aus der Höhle, während aus unseren Ohren und Nasen Blut tropfte. Der Mann aus der Höhle folgte uns nach draußen und stellte sich als Archon Megalon vor. Er sei, so erzählte er, derjenige gewesen, der den Geist der Drachin Corfanae zufällig wiedererweckt und sie dann zu einer Wette überredet hätte, bei der es darum ging zu beweisen, dass die Menschheit würdig sei, weiterhin zu bestehen. Ich glaube, Archon Megalon ist ein sehr bekannter Mann, und ich hätte ihn bestimmt mit Fragen bestürmt, aber mein Hirn schien in dem Augenblick wie ausgeschaltet – der kleine Drache war aus der Höhle herausgekommen und hatte mir eine Steintafel überreicht, so alt und kostbar dass ich meine Göttin um Hilfe anrufen musste, um sie zu lesen.

Wir machten uns auf den Weg zurück in die Zivilisation, ich umklammerte die Steintafel fest, und um mich herum floss die Welt ungehindert weiter, Ich bekam wenig mit – hoffentlich habe ich meine Pfanne nicht verloren – und was weiter geschah, schreibe ich ein andermal nieder.

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