as I scan this wasted land

ich behaupte, in ganz Svellttal gibt es kein Deo

Ein Bericht unserer Frau vor Ort: Flavia A. P. di R. d. G.

Es sind einige Monate vergangen, seit wir die drachische Steintafel zum Pentagon-Tempel in Gareth gebracht haben. Im Tempel habe ich warme Aufnahme und Gelegenheit zur tieferen Verbindung mit meiner Göttin und allem was ihr wichtig ist gefunden. Ich hatte die Gelegenheit, mir die Bibliothek zunutze zu machen, hesindegefällige Lehren zu verbreiten und mich unter Brüdern und Schwesterin im Glauben aufzuhalten. Außerdem bot mir der Tempel ausgezeichnete Gelegenheit, Avesandro nicht öfter als einmal die Woche sehen zu müssen.

Seit einigen Wochen drangen sogar durch die dicken Tempelmauern Gerüchte zu uns über einen Sternenregen, der im Svellttal stattgefunden haben soll. Ich schenkte den Gerüchten zuerst nicht allzu viel Aufmerksamkeit, vor allem als sich zeigte, dass eine Menge ungebildetes Gesindel sich aufmachte, um angeblich vom Himmel gefallenes, wertvolles Metall, dieses Sternengold, zu suchen. Als dann schließlich die Vogtvikarin des Tempels der Sterne, Neetya Triffon sich mit unserem Tempelvorsteher traf um diese Angelegenheit zu besprechen, war es vorbei mit der Beschaulichkeit im Pentagon-Tempel.

Als nächstes bot man mir an, eine Expedition ins Svellttal zu unternehmen, denn die Vogtvikarin vermutete hinter dem Sternenregen ein Zeichen von Phex. Es gab den Verdacht, dass im Norden ein heiliges Phex-Artefakt sein könnte, das man möglichst schnell bergen sollte. Da ich im Tempel als erfahrene Abenteurerin bekannt war – man warf mir vor, nicht genug Zeit in der Bibliothek zu verbringen – wunderte es mich nicht, dass man mich ausgewählt hatte, dieses Artefakt zu suchen.

Leider war die Menge an Dukaten die ich für die Expedition zur Verfügung gestellt bekam recht dürftig, also dachte ich mir, ich frage erst einmal bei jemandem an, bei dem man damit rechnen kann dass er mir in solchen Angelegenheiten beratend zur Seite stehen würde – nämlich Avesandro. Leider ist der Junge von einer unsagbaren Frechheit und Respektlosigkeit meiner Geweihtenrobe gegenüber erfüllt dass es eine Freude ist. So ließ ich ihn stehen – er wollte wohl keine Abenteuer erleben – und machte mich auf, andere Leute zu fragen.

Ifirnia fand ich in ihrer Unterkunft, wo sie meinte, sie würde uns im Svellttal treffen, würde aber nicht mit uns reisen können, da sie schon vorher dort sein müsste. Thalian hatte unterdessen ohne sich zu verabschieden die Stadt verlassen. Zum Glück fiel mir ein, dass der Herr von Greifsmantel in Gareth war und mit ein wenig Überredung vielleicht durchaus bereit, mitzukommen. Es stellte sich heraus dass sogar kaum Überredung nötig war, denn Sato schien gerade nichts vorzuhaben. Er war sogar so nett, mich zum Herrn Swanson zu begleiten, der in einer üblen Kaschemme wohnte. Dort fanden wir Hjalmar dabei vor, seine Muskeln spielen zu lassen. Man muss ihm eins lassen, er ist ein wunderbares Studienobjekt in gut entwickelter Anatomie. Jedenfalls meinte er, für einen angemessenen Sold würde er auf die Expedition mitkommen. Ich glaube ich habe ganz schlimm gestammelt – jedenfalls hatte ich nach der Unterredung einen Thorwaler für die Expedition. Sato bot sich noch an, mit Avesandro zu reden und ihm klarzumachen was für ein Idiot er ist, und ich stimmte zu.

Schließlich waren wir alle im herrschaftlichen Salon des Hauses derer von Greifsmantel und besprachen die bevorstehende Reise. Wobei sich Avesandro, der seine Freundin Oliandra mitgebracht hatte und die mit uns gehen sollte, durch seine Phexungefällige Gier Tasfarelel anbiederte und mich insgeheim Pläne schmieden ließ, ihn mit meiner Pfanne zu exkommunizieren. Letzten Endes konnten wir uns auf ein Budget einigen – und das war langweilig! – und uns auf wichtigere Sachen konzentrieren, zum Beispiel was für Ausrüstung man brauchen würde und wie die Reise gehen sollte.

Einige Tage später machten wir uns auf den Weg.

In Greifenfurt kauften wir einige noch benötigte Sachen und heuerten eine Jägerin an, die uns über den Finsterkamm bringen sollte, da der Berg gefährlich und das Wetter noch nicht ganz so frühlingshaft war wie man es sich wünschen würde. Die Jägerin Alrike sollte uns über den Saljethweg, an der Feste Greyfensteyn vorbei bis Yrramis bringen.

Der Weg über den Finsterkamm dauerte fast zwei Wochen – unser Maultier Skeletor vor seinem Karren war sehr gefordert und strengte sich tapfer an. Er ist das Netteste, das je aus Tobrien gekommen war. Vielleicht mit Ausnahme von Fräulein Ifirnia.

Auf dem Weg hinauf kam uns ein Wagenzug entgegen, und mit etwas Rangieren machten wir ihnen Platz. Auf dem letzten Wagen war ein verletzter Söldner, der Wundfieber hatte. Avesandro ließ ihm einen Balsam angedeihen, meinte aber, man müsse den Mann schleunigst zu einem Medicus schaffen. Vielleicht verschaffte ihm der Zauber die Zeit die seine Freunde brauchten, um es vom Berg nach Greifenfurt zu schaffen. Die Männer meinten, sie wären von den Orks aus der Feste Greyfensteyn angegriffen worden. Unruhe kehrte ein, aber wir gingen weiter.

Zum Glück ist der Saljethweg mit Schutzhütten und Portenstationen bestückt. In einer solchen trafen wir auf Leute, die unterwegs zum Sternenfeld waren. Sie reisten schneller als wir und waren als wir am nächsten Abend aufwachten schon fort. Dafür war am Morgen Skeletor grummelig und weigerte sich, den Stall zu verlassen. Oliandra und ich mussten ihm gut zureden und ihm die Ohren streicheln, bis er schließlich Oliandra aus dem Stall folgte.

Eines Abends, in einer anderen Schutzhütte, trafen wir auf einen jungen Mann, der aufgeregt davon erzählte, dass er auf dem Weg zur Hochzeit seiner Schwester in Neulowangen war. Für die Jahreszeit war er etwas zu leicht angezogen, und seine Geschichte, dass er am selben Tag angekommen war ergab keinen Sinn, denn es fanden sich um die Hütte keine Fußspuren. Er lehnte Essen ab und vermied es, sich von uns berühren zu lassen. Als ich versuchte, an seine Brust zu fassen, ging meine Hand durch. Ich weiß nicht, wer von uns überraschter war. Es war ziemlich gruselig, durch einen Geist hindurch zu fassen. Der junge Mann war wohl von einem Kälteeinbruch auf dem Berg überrascht worden, und das bereits vor zwei Jahren. Er bat uns, seiner Schwester eine Nachricht zu überbringen, und löste sich vor unseren Augen auf. Der Abend fand mit einer Boron-Segnung seinen Abschluss.

Wir schlichen so vorsichtig wie es ging an der Feste Greyfensteyn vorbei und schließlich ging es wieder bergab – unter unseren Füßen breitete sich das Svellttal aus. Das arme Maultier wurde nun fast vom Karren weitergeschoben. Als wir lagerten, hörten wir Kampflärm in der Nähe, und die Männer machten sich aus dem Staub, um nach dem Rechten zu sehen.

Es stellte sich heraus, dass eine Gruppe Reisender von Orks überfallen wurde. Die Kämpfer waren schon schwer angeschlagen, einer davon bereits tot, während eine junge Frau, die zur Gruppe gehörte es nicht für nötig befand, einzugreifen. Avesandro und Hjalmar machten wohl kurzen Prozess mit den Orks. Zumindest sahen sie danach recht zufrieden mit sich aus. Als der Kampfeslärm vorbei war, setzten wir uns alle zusammen ans Feuer. Eine der drei Söldner hatte knapp überlebt und wurde von Avesandro versorgt, der deutlich von der „Kollega“ angewidert schien. Die Frau, die von den Söldnern beschützt worden war, hieß Ariana Melethaniem war eine Magierin der Halle der Macht. Sie zeigte sich ungehalten, nicht über den Tod ihrer Begleiter an sich sondern über ihre Unfähigkeit, und meinte, sie würde uns gerne anheuern, sie bis Lowangen zu begleiten. Es wäre auf jeden Fall nicht angemessen gewesen, eine einzelne Frau alleine bis Lowangen reisen zu lassen, und das Geld machte die Entscheidung leichter.

Geselliger Mittelpunkt jeder Feier wird Adepta Ariana nie werden. Es vergingen ein paar Tage, in denen die Adepta sich in ihrem Buch vergrub, der Rest ihren eigenen Vorlieben und Pflichten nachging und der Svellt vor sich hin plätscherte. Einen Tag vor Yrramis hörten wir wieder Kampfgeräusche – schien hier in der Gegend öfter vorzukommen – und Hjalmar und Avesandro rannten nach vor, um den bedrängten Leuten zu helfen. An dieser Stelle: Herr Swanson scheint ein deutliches Problem mit Orks zu haben, und Avesandro ist sowieso Absolvent einer Brachialakademie, da kann man nichts beschönigen. Die beiden machten Hackfleisch aus den Halunken, die eine Pelzhändlerin überfallen wollten. Zwei davon, einen Menschen und einen Ork, schien Avesandro in die Flucht geschlagen zu haben, denn sie rannten in unsere Richtung. Wir konnten uns in Sicherheit bringen, doch Adepta Ariana schlitterte vom Weg und konnte sich gerade noch festhalten, um nicht in den Svellt zu fallen. Der Inhalt ihrer Tasche jedoch – ein nicht näher identifiziertes Buch – fiel in den Fluß.

Wir gingen weiter mit der Pelzhändlerin in Richtung Yrramis, die voll des Dankes war, während die Adepta über ihr verlorenes Buch untröstlich schien. A propos Bücher: Ihre Lektüre war das umstrittene Werk Angst, das ich nur allzu gerne näher besehen hätte, aber sie war sehr geheimniskrämerisch was den Inhalt ihrer Taschen und ebenso ihre Lektüre anging. Schade eigentlich.

In Yrramis verabschiedete sich die Jägerin Alrike von uns. Die Grenzstadt ist interessant für Leute, die große Ansammlungen von götterlosem Pöbel mögen. Die Straßen waren bevölkert von Orks und Menschen, Glücksjäger allesamt. Man machte nicht einmal Platz für mich als ich des Weges kam. Nicht dass ich Ansprüche stellen möchte, aber eine Geweihte sollte man doch zuvorkommend behandeln? Überdies schienen diese Leute seltsamen Kulten anzugehören, statt die Zwölfgötter anzubeten. Wobei ich nicht sagen möchte, dass jeder dies tun muss, nur dass jeder es tun sollte, schon um des eigenen Seelenheils willen.

Der Pöbel schien sich aber vor Hjalmar zu teilen, also folgten wir mit Skeletor ihm, um durch die Menge zu kommen. Es war interessant, die Reaktionen der Menge zu beobachten. Irgendwann schien er einen Fauxpas gemacht zu haben, denn die Leute fingen an, ihm den Weg abzuschneiden und ihn anzurempeln. Dies löste er, indem er ein recht blutiges Duell gegen einen ziemlich großen, ungewaschen aussehenden Ork gewann. Plötzlich waren die Leute wieder bemüht, ihm und somit auch uns aus dem Weg zu gehen. Als wir die Beute von diversen erschlagenen Orks verkauften, machten wir die Bekanntschaft einiger Leute, die einige Sachen über das Sternenfeld zu berichten hatten – den Ort, an dem der Sternenregen niedergegangen war. Das Fazit ihrer Ausführungen war es, „dieses Zeug“ nicht einzuatmen, weil man davon verrückt wurde.

Wenn also jemand vom Tempel eine Abhandlung über soziale Dynamik von auf Gewalt, körperlicher Stärke und Dominanz basierender Gemeinschaften schreiben möchte, kann ich diesem oder dieser Geweihten (und den zu dessen Schutz abgestellten Drakonitern) Yrramis wärmstens empfehlen.

Bald darauf verließen wir dankenswerterweise Yrramis und reisten weiter nach Lowangen, das wir nach drei Tagen ohne weitere Vorkommnisse erreichten.

Lowangen ist von einer starken Mauer umgeben, und befindet sich als unabhängige Stadt inmitten eines von Orks besetzten Gebiets. Halbjährlich zahlt die Stadt im Austausch für ihre Unabhängigkeit einen Tribut. Die Adepta machte uns den Weg in die Stadt leichter, indem sie die Wächter anherrschte, uns schnell hineinzulassen. Hier zerstreute sich die Gruppe. Die einen gingen mit der Adepta zur Halle der Macht, um sich die Belohnung abzuholen, während die anderen sich zum Gasthaus begaben, wo wir Ifirnia treffen wollten.

Spektabilität Oswyn Puschinske war ein recht beschäftigter Mann, was ihn daran hinderte, uns sogleich zu empfangen. Nach einer Weile wurde erst Hjalmar langweilig, woraufhin man ihn nach draußen geleitete, und schließlich beschloss ich auch, Sato alleine zu lassen und mich zum Hesinde-Tempel zu begeben. Später hörten wir dass der alte Magier nicht glücklich darüber war, dass eines der Bücher die er erwartet hatte es nicht bis nach Lowangen geschafft hatte. Er kürzte unser Honorar um die Hälfte. Wir werden nicht vergessen, wie wir von der Halle der Macht behandelt worden sind.

Unterdessen lernte ich die freundlichen Leute im Tempel kennen, allen voran den Tempelvorsteher Melchior Arenbruch. Man stellte mir einen Novizen zur Seite stellte und bereitete eine Unterkunft vor. Die anderen waren allesamt im Salamanderstein untergekommen. Ich wollte mich mit dem Tempelvorsteher über den Sternenregen unterhalten, doch vertröstete man mich bis nach der Tributübergabe in drei Tagen.

In ganz Lowangen war eine seltsame Stimmung in der Luft zu spüren. Einige Leute schienen sich nicht mit der Tributzahlung an die Orks anfreunden zu können, obwohl sie ihnen Frieden garantierte. Hjalmar verbrachte einen Teil des Abends in der bestimmt nicht sehr heimeligen Kneipe namens „Orkentod“.

Die Orks, so erfuhr er dort, schienen sich an die Vereinbarung, sich Lowangen bis auf zehn Meilen nicht zu nähern, zu halten – bis auf ein paar wilde junge Orks, die von beiden Seiten gejagt wurden. Anscheinend war gerade jetzt die Zeit, wo die Orks ihre Mannbarkeitsrituale durchführten, und manche wagten sich nach Lowangen hinein, um etwas anzustellen, was ihre Stärke beweisen würde.

Prompt prallte noch am selben Abend in einer dunklen Gasse, als wir zum Gasthaus unterwegs waren, ein wohl recht junger Schwarzpelz mit einem gestohlenen Schwert in der Hand mit Ifirnia zusammen. Ihm folgte eine Meute missgelaunter Lowanger Bürger, die offenbar eine Trommel mit seinem schwarzen Pelz bespannen wollten. Mit Mühe und Not konnten wir die entrüsteten Menschen so lange beschäftigt halten, bis die Wache eintraf und den Ork verhaftete. Der würde vermutlich sehr bald an seinen Stamm retourniert werden.

Am nächsten Morgen hatten wir eine Unterredung mit der Kommandantin der Stadtwache, die uns für unser Eingreifen lobte. Sie meinte, sie bräuchte noch Leute von außerhalb, die die Lowanger Tributübergabe mit etwas Distanz betrachteten. Man würde uns benötigen, damit wir die Übergabe begleiten und die Stadtwache auf mögliche Unruhestifter aufmerksam machen. Wir stimmten zu, und machten uns daran, den Ort der Übergabe zu untersuchen. Fräulein Oliandra war sogleich erfolgreich in ihrer Suche, sie fand mit ihrer Hand einen Dolch, an dem möglicherweise sogar noch ein mildes Gift verschmiert worden war. Da hatte wohl jemand Vorbereitungen getroffen, Unruhe zu stiften. Avesandro kümmerte sich um die Wunde. Langsam kommt mir der Verdacht auf, die beiden könnten, wie sagt man, „etwas miteinander haben“.

Wir schauten durch die Unterlagen des Magistrats und fanden heraus, dass die Tributgabe dieses Jahr kleiner als sonst war. Das letzte, was ins Lagerhaus der Stadt gebracht worden war, war ein Dolch. Dieser Dolch, hatten die Gelehrten der Stadt festgestellt, war ein antiker orkischer Gegenstand. Im Austausch für den Dolch hatten die Orks auf einen Teil des Tributs verzichtet. Durch Nachbohren, Lesen von Inventurlisten und schließlich durch einen Lokalaugenschein fand Avesandro heraus, dass der Dolch aus dem Lagerhaus verschwunden war. Man muss ihm zugestehen, er interessiert sich wirklich für langweilige Sachen wie Buchhaltung, und stur ist er auch.

Eine Untersuchung des Schlosses ergab, dass das tatsächlich jemand auf diesem Weg ins Lagerhaus hineingelangt war. Gleichzeitig fiel den Nachtwächtern ein, dass es vor ein-, zwei Tagen ein ungewöhnliches Vorkommnis gegeben hatte: sie hatten eine Melodie gehört und waren dann kurz eingeschlafen. Da hatte wohl jemand dilettantisch einen Schlafzauber gesprochen. Im Lagerhaus selbst fand sich nur die leere Kiste in der der Dolch aufbewahrt worden war, und eine fast leere Phiole, die ich zum Tempel mitnahm, um festzustellen, was darin gewesen war. Im Tempel stellte sich heraus, dass mein Novize zu Strafarbeiten verdonnert worden war, weil er über die wahre Natur des Dolches geplaudert hatte, und das ausgerechnet in Hjalmars Stammlokal Orkentod.

Um ganz sicher zu gehen, machte ich im Labor der Akademie der Verformungen – denn nichts würde mich dazu bringen, zur Halle der Macht zu gehen – einen Test an den Resten der Flüssigkeit in der kleinen Flasche. Ein Magierschüler namens Jannik ging mir dabei zur Hand, und Avesandro schaute mir über die Schulter. Avesandro meinte, ich solle dem jungen Mann als Dank ein Küsschen auf die Wange geben. Das hilft vielleicht als Hesinde-Segen bei seinen anstehenden Abschlussprüfungen – so war der Kuss zumindest gemeint. Der fragte am Ende zaghaft, ob ihm jemand helfen würde, das Labor wieder in Ordnung zu bringen, und sah sich zwei Staubwolken in Form eines Magiers und einer Hesindegeweihten gegenüber, wo einen Augenblick vorher Avesandro und ich gewesen waren. Bei uns zuhause im Horasreich stellt man solche Ansinnen nicht an Leute von Stand – das macht uns traurig. Oh ja, der Trank. Hat sich als ein starker Astraltrank herausgestellt, von der Halle der Macht gekauft. Aber das habt Ihr euch schon zusammengereimt, nicht wahr?

Inzwischen hatten sich Sato in Verkleidung und Hjalmar ohne Verkleidung in den Orkentod begeben. Sato versuchte, die Aufständischen zu infiltrieren, und Hjalmar wurde von den Aufständischen infiltriert – oder zumindest von ihrem Bier. Ich bin mir nicht sicher, ob zwischen Sato und Hjalmar eine Zusammenarbeit bestand, aber ich würde bei näherer Betrachtung des Sachverhalts zu einem ‚nein‘ tendieren. Im Laufe des Abends kam ein Mann in den Orkentod, der so eine Art Held für diese Leute zu sein schien, ein Halbelf namens Gileon, dessen Eltern von Orks getötet worden waren. Er war einer jener Leute, die sich nachts in die Lager und Siedlungen der Orks wagten, um Unheil zu stiften und zu stehlen. Hjalmar schien einen Kampf mit ihm angefangen zu haben, den er – man wagt es kaum zu sagen – verloren zu haben scheint. Jedenfalls war er eher ungehalten, als er aus der Kneipe hinausgeworfen wurde.

Logik besagt dass jemand, der so geschickt ist wie die Halbelfen es normalerweise sind möglicherweise in der Lage wäre, über die Mauer der Festung zu steigen. Ein Halbelf könnte einen, wenn auch ungeschickten Somnigravis sprechen, und auch dass die Wachen eine gesungene Melodie gehört haben, spricht für einen eher elfischen Zauber. Da der astrale Vorrat von nicht magisch ausgebildeten Halbelfen normalerweise nicht ausreicht für exzessive Anwendung, müsste er diesen bei häufigem Zaubern auffrischen – daher der Astraltrank. Und ein Motiv hatte der Mann auch – allen Leuten im Orkentod war die Lowanger Tributpflicht zutiefst zuwider, sie planten sogar, die Übergabe durch Sabotageakte und Unruhen zu stören. Es schien also gegeben, dass es interessant wäre, ein inquisitives Gespräch mit Gileon zu führen.

Sato folgte mit der dazugekommenen Ifirnia dem Halbelf bis zu seiner Unterkunft und holte dann den Rest von uns. Unser Plan war es an der Tür zu klopfen und Gileon zu überraschen. Falls er versuchte zu fliehen waren Hjalmar und Ifirnia vor seinen Fenstern, um ihn an der Flucht zu hindern.

Es fing schon damit an, dass unser großer Thorwaler Freund über irgendwelche Kübel im Hinterhof stolperte und dann fluchte. Unterdessen klopfte Oliandra an der Tür und meinte, sie wäre ein Geschenk aus dem Orkenstolz. Drinnen waren hektische Geräusche zu hören, als Gileon die Fensterläden aufriss, um zu flüchten. Der edle Herr von Greifsmantel brach unterdessen das Schloss auf, während wir von der anderen Seite der Tür knirschende Geräusche splitternden Holzes, reißender Haut und brechender Knochen hörten. Als wir endlich drin waren, fanden wir statt eines vernehmungsfähigen Zeigen bloß die verschmierten, kaum noch atmenden Überreste des lokalen Helden und Kämpfer gegen die Orks. Ich möchte eigentlich ungern, dass sich herumspricht dass ich den Mann kenne, der Gileon über sein Wohnzimmer verteilt hat.

Nach Avesandro rufend warf ich mich auf die Knie und betete dann laut zu Peraine, den Mann zu retten. Sie zeigte sich gnädig, und mit Avesandros unterstützendem Balsam konnten wir ihn soweit stabilisieren, dass Ifirnia ihn verbinden konnte, um die schlimmsten Blutungen zu stoppen. Als er wieder sprechen konnte, erzählte er uns alles was er wusste – der Dolch war bereits aus der Stadt gebracht worden von einem Mann namens Berwan Aberdan, der außerhalb wohnte. Ich behaupte dass die Befragung auch funktioniert hätte, wenn Adeptus di Riva del Garda, Esq. das Opfer den Verdächtigen nicht gequält hätte. Der Herr Magier wird in den nächsten Tagen hoffentlich einige Zeit damit verbringen, sich der Götter und Ihrer Ordnung zu besinnen und zu Hesinde und Nandus zu beten, ihn nicht Ihrer Gaben zu berauben, die er ohnehin nicht zu gebrauchen scheint, wenn er es für nötig befindet, gegen wehrlose, verletzte Gefangene zu Folter zu greifen. Ich werde in nächster Zukunft sein Verhalten beobachten.

Die Kommandantin der Stadtwache vernahm unseren Bericht mit Sorge, meinte aber, sie würde vielleicht einen neuen Übergabetermin für den Dolch vereinbaren können. Sie bat uns auch, den Dolch für sie zurückzuholen, um einen neuerlichen Krieg im Svellttal zu verhindern.

Und das war es auch soweit. Mehr schreibe ich, wenn ich mehr weiß. Ich hoffe, die Rückholung des Dolchs lässt sich mit unserer eigentlichen Aufgabe für die Kirchen der Hesinde und des Phex vereinbaren, denn obwohl es wichtig ist, den Dolch sicher nach Lowangen zurückzuführen, ist es ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger, ein göttliches Artefakt aus Phexens Schatzkammer seiner Bestimmung zurückzuführen. Hesinde sei mit uns.

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