as I scan this wasted land

Magier machen nur Theater

Ein Bericht unseres Mannes vor Ort: Sato Leonar Isidorn Cyberian von Greifsmantel.

Es tut mir Leid dass ich nicht auf deine Rückkehr gewartet habe, aber ich habe bereits vier Monate mit meiner Familie verbracht, und du weißt ja selber wie das ist…

Jedenfalls bin ich mittlerweile wieder auf Reisen. Meine Bekannte, die Hesindegeweihte Flavia ist an mich herangetreten und hat gefragt ob ich Interesse hätte an einer Expedition teilzunehmen, die ins Svellttal führt, um dort das vieldiskutierte Ereignis des Sternenregens zu untersuchen. Zumindest Informationen darüber zu besitzen kann kein Nachteil sein, also erklärte ich mich bereit mitzukommen.

Auch den werten Magier Avesandro hatte sie bereits gefragt, doch laut ihrer Aussage hatte er kein Interesse. Sie schien etwas verärgert, also nahm ich gleich an dass die beiden wieder mal stutenbissig zueinander waren. Ich konnte die Sache dann zum Glück klären, es ging der Krämerseele Avesandro wie immer ums Geld, auch wenn er natürlich andere Gründe vorschob und Flavia ging darauf nicht ein, stur wie immer. Auch Hjalmar und die Wahrsagerin Oliandra begleiteten uns dann noch. Ifirnia wollte in Lowangen zu uns stoßen.

Die Reise bis zum Finsterkamm war relativ ereignislos. In Greifenfurt heuerte ich eine vertrauenswürdige Jägerin namens Alrike an, die uns über den Finsterkamm führen würde. Da wir jetzt alle nicht ausgesprochen wildniserfahren waren und der Finsterkamm nicht zu den ungefährlichsten Gegenden Aventuriens gehörte, hielt ich es für angemessen. Auf dem Weg hinüber gab es zum Glück immer wieder Hütten in denen man unterkommen konnte, die genau für diesen Zweck gebaut waren.

In einer der Hütten hatten wir dann eine eher unheimliche Begegnung, als wir dort einen für eine Bergwanderung eher unsachgemäß ausgerüsteten Reisenden vorfanden, der irgendwie leicht verwirrt schien was die Jahreszeit betraf. Bei genauerer Betrachtung stellte ich dann voller Schrecken fest dass er keinen Schatten besaß, und Flavia griff dann auch sogleich durch ihn durch. Es handelte sich offenbar um einen Geist! Er war darüber genauso erschrocken wie wir, anscheinend war er sich über diese Tatsache noch nicht im Klaren gewesen.

Er war kurz vor Wintereinbruch auf der Reise zu seiner Schwester die jenseits des Finsterkamms, in Neulowangen lebt und heiraten wollte. Offenbar wurde er von einem frühzeitigen Kälteeinbruch überrascht und erfror dabei. Da er jedoch nicht feindlich gesinnt war, versprachen wir ihm, seiner Schwester eine Nachricht seine zu überbringen und das genügte offenbar, ihm Einlass in Borons Hallen zu gewähren, denn gleich darauf wurde er immer durchsichtiger und verschwand alsbald. Abgesehen von diesem kleinen Schrecken bereitete uns der Finsterkamm keine gröberen Unannehmlichkeiten.

Erst auf der anderen Seite kamen wir dann mit der unangenehmen Realität des Svellttals in Berührung. Hier treiben noch immer Orks ihr Unwesen. Manche Leute behaupten sogar, die Orks hätten hier noch immer das Sagen. Jedenfalls wurden wir eines Nachts von Kampfeslärm geweckt und als wir dorthin liefen, sahen wir wie die Reisegruppe einer Magierin angegriffen wurde. Sie wurde von drei Söldnern beschützt – einer davon war jedoch bereits tot und die beiden anderen in schwerer Bedrängnis, da sie gleichzeitig gegen sechs schwer bewaffnete Orks kämpften. Mit dieser Überzahl hätte wohl jeder von uns schwerwiegendere Probleme, die Magierin jedoch war sich offenbar zu fein, oder unfähig einzugreifen und sah nur zu wie ihre Leibwächter einer nach dem anderen unterlagen. Hjalmar stürmte sogleich auf die Orks zu und auch Avesandro murmelte irgendwas vor sich hin und fuchtelte mit den Händen, während ich Hjalmar dicht auf den Fersen blieb.

Durch unser Eingreifen wendete sich das Blatt und die Orks wurden vertrieben. Von den Söldnern überlebte jedoch nur eine Frau und auch das nur durch magische Eingreifen Avesandros. Die Frau stellte sich als Ariana Melethaniem vor, eine Studentin der Akademie der Macht in Lowangen. Sie dankte uns knapp und hatte für ihre Söldner nur verachtende Worte übrig. Mitgefühl für die Toten hatte sie jedenfalls keines und erst als ich auf ihre Art zu denken einstieg und ihr vorwarf nicht verantwortungsvoll mit ihren Ressourcen umgegangen zu sein, wurde sie etwas nachdenklich.

Trotz ihres gewinnenden Wesens wäre es jedoch nicht angemessen gewesen wenn ein von Greifsmantel sie einfach in der Wildnis zurückgelassen hätte und so erklärten wir uns bereit, sie für ein geringes Entgelt nach Lowangen zu begleiten. Zum Glück blieb sie während der weiteren Reise eher für sich und beglückte uns nicht mit weiteren Perlen ihrer Weltanschauung. Sie las häufig in ihrem Buch in dem es um das Wesen der Angst ging, ein im Mittelreich wenn nicht verbotenes, so jedoch sicherlich verpöntes Werk. Kurz vor Yrramis sahen wir dann erneut wie jemand – eine Pelzhändlerin wie sich später herausstellte – von Banditen überfallen wurde. In bewährter Manier schlugen Hjalmar und Avesandro die Halunken in die Flucht, mein Eingreifen war nicht einmal nötig. Zwei der Banditen liefen in ihrer blinden Panik in unsere Richtung. Sie wollten offenbar nur vorbei und so wichen wir alle aus, nur die Frau Melethaniem wurde von einem der beiden niedergerannt und verlor dabei ein Buch das in den Svellt fiel.

In Yrramis leben Menschen und Orks nebeneinander und die Zwölfgötter sind dort nicht sehr hoch angesehen. Entsprechend rau ist das Klima dort, und damit meine ich nicht das Wetter. Hjalmar ließ sich natürlich von einem der Orks provozieren und bald waren sie unter dem Gejohle der Zuschauer in ein Duell verstrickt. Erschreckenderweise kam Hjalmar etwas in Bedrängnis, der Ork war offenbar ein sehr geübter Kämpfer und das Blatt wendete sich erst als der Ork überraschend stolperte und etwas Schwierigkeiten mit der Orientierung hatte. Ich konnte mir das erst nicht ganz erklären, aber als ich den angestrengten Gesichtsausdruck der Adepta Ariana sah ging mir ein Licht auf. Sie hatte sich meinen Vorwurf offenbar zu Herzen genommen und ging diesmal verantwortungsvoller mit ihren Ressourcen um. Hjalmar gewann schließlich, indem er den Ork mit einem gewaltigen Hieb köpfte, was uns auch peinliche Anschuldigungen des Orks von unfairem Spiel und Magie ersparte.

Zum Glück verlief die weitere Reise nach Lowangen dann ereignislos. In Lowangen angekommen begleitete ich Ariana dann zur Halle der Macht um unsere Bezahlung entgegenzunehmen. Nach langen Stunden des Wartens wurden ich dann von Spektabilität Puschinske empfangen. Dort fiel mir Ariana dann in den Rücken und machte unsere Gruppe für den Verlust ihres Buches verantwortlich. Offenbar hatte sie nicht zu Unrecht Angst, Puschinske würde sie für den Verlust des Buches verantwortlich machen. Wenn wir nicht in den Überfall auf die Pelzhändlerin eingegriffen hätten, wäre das alles nicht passiert. Schließlich wäre der Überfall nicht unsere Sache gewesen. Dass die werte Frau Melethaniem uns aber eigentlich auch nichts angegangen ist und sie wohl überhaupt nicht hier stehen würde, wenn wir nicht damals eingegriffen hätten tat für die beiden nichts zur Sache. Puschinske schlug sich sofort auf ihre Seite und nur widerwillig bezahlte er uns die Hälfte des ausgemachten Betrages. Offenbar steht die Halle der Macht in Lowangen weder zu ihrem Wort noch hält sie viel von Vereinbarungen und sucht nach irgendwelchen Ausflüchten um Verpflichtungen nicht nachkommen zu müssen.

Nach diesem unerfreulichen Intermezzo sprachen wir dann auch mit dem Vorsteher des örtlichen Hesindetempels, Melchior Arenbruch. Er versprach uns alle benötigen Informationen und Hilfe zur Verfügung zu stellen sobald die Angelegenheit mit der Tributzahlung erledigt war. Offenbar hat Lowangen nach der letzten orkischen Belagerung ein Übereinkommen mit den Orks geschlossen. Kein Ork würde sich bis auf 10 Meilen der Stadt nähern – dafür zahlen die Lowanger jedes halbe Jahr einen gewissen Tribut an die Orks. Die Tributzahlung ist offenbar nicht übermäßig und die Orks halten sich penibel an die Vereinbarung und jagen und bestrafen jeden Ork der sich nicht daran hält. Trotzdem ist ein gewisser Teil der Stadtbevölkerung sehr ungehalten darüber, Orks Tribut zu zahlen und ist immer wieder darauf aus, bei Tributzahlungen Unruhe zu stiften. Auch schleichen sich immer wieder Orks als Mutprobe in die Stadt um irgendeine Kleinigkeit zu stehlen, was die Gemüter weiter aufheizt.

Da wir es nicht übermäßig eilig hatten, stimmten wir zu und verabschiedeten uns wieder von Melchior, mit dem Vorsatz uns ein paar Tage von den Strapazen der Reise zu erholen. Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit uns, denn auf dem Heimweg rannte uns doch tatsächlich ein junger Ork mit einem gestohlenen Schwert in die Arme. Ifirnia hielt ihn fest, während wir uns dem wütenden Mob stellten, der mit Fackeln und Knüppeln dem Ork auf den Fersen war. Der Mob forderte uns auf, den Ork herauszugeben, ich bestand jedoch darauf ihn der Stadtwache zu übergeben, wohl wissend dass diese ihn vermutlich außerhalb der Stadt freilassen würde. Das war jedoch zum Wohl der ganzen Stadt, niemand hat etwas davon junge Orks abzuschlachten wenn das zu einem weiteren Krieg führt den sich Lowangen inmitten des Orklandes wohl kaum leisten kann. Außerdem ist Lynchjustiz im Auge Praios ein verwerfliches Vergehen, selbst wenn es sich um Orks handelt. Die Stadtwache kam auch sehr bald an den Ort des Geschehens und übernahm den Ork aus unseren Händen, während der Lynchmob murrend von dannen zog.

Am nächsten Tag wurden wir dann deswegen eingeladen mit der Kommandantin der Stadtwache, die erfreut über unser Eingreifen war und uns anbot, uns gegen ein kleines Entgelt am Tag der Tributübergabe unter die Leute zu mischen und mögliche Unruhestifter der Wache zu melden. Da wir nicht wirklich etwas Besseres zu tun hatten, und Schwierigkeiten bei der Tributübergabe sicherlich unserer Expedition auch Schwierigkeiten bereitet hätten, stimmten wir zu.

Oliandra fand am Übergabeort auch rasch einen versteckten Dolch indem sie ihre Hand darauf aufspießte und wir erkundigten uns ein wenig nach dem Lagerungsort des Tributs und dessen Sicherheit. Wie wir erfuhren war der Tribut etwas kleiner als sonst und schon seit etwa zwei Wochen vollständig in einem verschlossenen und gut bewachten Lagerraum aufbewahrt, den seit diesen zwei Wochen niemand mehr betreten hat. Mich überkam dabei sofort eine böse Vorahnung, die ich auch aussprach. Aber erst Avesandro mit seiner Krämerseele kam auf die hervorragende Idee doch den ganzen Tribut zu überprüfen ob auch wirklich noch alles da war. Da mich nach etwa fünf Minuten der Inventur tödliche Langeweile zu überkommen drohte, ließ ich Avesandro allein, doch nach mehreren Stunden stellte sich dann tatsächlich heraus, dass die letzte Einlagerung, ein antiker orkischer Ritualdolch fehlte. Wegen diesem Dolch war der Tribut geringer ausgefallen und die Orks erwarteten sich diesen Dolch, weshalb es garantiert zu großen Problemen bei der Übergabe kommen würde. Die Wachkommandantin war darüber sehr besorgt und bot uns 30 Dukaten pro Person an, wenn wir den Dolch rechtzeitig wiederbeschaffen konnten. Avesandro begann gleich die Wachen zu verhören und wir sahen uns den Tatort nach Spuren an, sobald wir herbeigekommen waren.

Was sich nach einiger Zeit herausstellte war folgendes:
Ein Wächterpaar war mysteriöserweise eines Nachts gleichzeitig eingeschlafen, nachdem einer kurz eine Melodie oder einen Singsang oder etwas Ähnliches gehört hatte. Ich stellte sehr feine Kratzspuren am Schloss fest, hier war eindeutig eingebrochen worden und im Lagerhaus fand Ifirnia eine leere Phiole, deren Inhalt Flavia bald als starken Astralenergietrank identifizieren konnte. Mögliche Auftraggeber gab es einige, als Täter kämen aber wohl nur wenige in Frage. Sehr gute Kletterfertigkeit, Schlösser öffnen, Schlafzauber und Astralenergietrank deuteten auf einen Magiedillettanten oder Halbelfen hin. Da sich die ganzen orkfeindlichen Elemente im Orkentod trafen um dort Stimmung zu machen, verkleidete ich mich damit mich niemand vom gestrigen Lynchmob wiedererkennen würde und holte dort Erkundigungen ein. Bald hatte ich den örtlichen Helden im „Kampf“ gegen die Orks – einen Halbelfen namens Gileon – als Hauptverdächtigen identifiziert. Er hasste Orks und prahlte damit, mitten aus den Orklagern immer wieder Trophäen herauszustehlen, was ihm auch die notwendigen Fähigkeiten bescheinigte.

Ich folgte ihm zu seiner Wohnung und holte dann die anderen, damit wir ihn zusammen verhören konnten. Leider machte ich den Fehler Hjalmar zu einem Vorhaben hinzuzuziehen das mehr Finesse als brutale Gewalt benötigt hätte. Nachdem er laut fluchend und über Gerümpel stolpernd im Hinterhof auf sich aufmerksam gemacht hatte, half auch Oliandras Ablenkungsversuch nichts mehr und er versuchte aus dem Fenster zu flüchten. Schnell brach ich das Schloss auf, doch drinnen fanden wir nur mehr die übel zugerichteten Überreste des Halbelfen vor. Hjalmars Vorstellungen davon einen Flüchtigen aufzuhalten beschränken sich offenbar auf die Art, wie er jegliche Probleme zu lösen versucht: Fest mit der Axt draufhauen.

Fast wäre unsere Spur so wie das Lebensblut Gileons im Sande verlaufen, aber dank Flavias und Avesandros Bemühungen und der Gunst der Zwölfe konnten wir gerade noch sein Leben retten. Zumindest hatte ihn der Vorfall so in Schock versetzt dass er uns alles erzählte was wir wissen wollten.

Er hatte den Dolch für einen einäugigen Mann namens Bervan Aberdan gestohlen. Von diesem Mann hatten wir noch nie gehört und dementsprechend lagen auch seine Motive völlig im Unklaren. Mit den Informationen gingen wir zur Kommandantin der Stadtwache, einerseits damit Gileon in Gewahrsam genommen werden konnte und andererseits da dieser Bervan vielleicht der Stadtwache bereits bekannt war, inklusive Aufenthaltsort.

Kurze Nachforschungen ergaben dass Bervan etwa eine Tagesreise außerhalb der Stadt wohnte und auch momentan nicht in der Stadt weilte. Die Kommandantin war sehr besorgt ob dieser Neuigkeiten und bat uns den Mann aufzusuchen und den Dolch wiederzubringen, während sie versuchen würde die Übergabe hinauszuzögern.

Mit dem Schicksal einer ganzen Stadt in unserer Hand verbleibe ich hiermit voller Sorge und banger Ungewissheit.

Euer Sato

Anhang 1: Portrait von Ariane Melethaniem, der Zechprellerin
Anhang 2: Bewegungsstudie eines Orks im Zweikampf

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