as I scan this wasted land

Tanzen ist nix für Thalya

Wieder zurück in Mehrwed, meinte Fräulein Isora, sie würde nicht mit nach Al’Ahabad kommen, da ihr die Sache zu brenzlig war. Zur vereinbarten Zeit hatte dann mein Herr eine inoffizielle Audienz beim „Beherrscher der Rechtgläubigen“ und nahm seinen „Leibwächter“ und seine „Ehefrauen“ mit. Wir spazierten in seinem Garten und im Stall, betrachteten seine Kamele und schließlich kamen wir in einem stillen Eck im Garten zum Sitzen.

Der Kalif sprach nicht direkt mit meinem Herren, sondern hatte einen jungen Wesir als Übersetzer dabei, der unsere Worte an seinen Herren weiterleitete und dessen Worte nach uns. Nach viel tulamidischem, oder besser gesagt, novadischem Herumgerede ließ uns der Kalif wissen dass wir von seiner Seite keine Hilfe erwarten konnten, wenn wir ihm keinen Erfolg versprechen konnten. Wir entschieden uns also für die Variante ohne Finanzierung. Der Kalif ließ uns einen goldenen Becher überreichen, und der Wesir warnte vor den Spionen des Sultans.

Der nächste Tag in Mehrwed wurde für Reisevorbereitungen verwendet. Wir versuchten außerdem, Informationen über Al’Ahabad, die Stadt in der Prinzessin Nedime gefangengehalten wurde, und deren Herrscher zu finden. Die meisten Leute hatten seltsame Vorstellungen von der Stadt, doch wenige wussten genaueres. Einige erzählten von weißen Straßen und Basaren voller Magie. Schließlich stolperten wir mehr oder weniger über einen Mann namens Alrik aus Trutzbach. Dieser Mensch schien auf eine seltsame Art und Weise an mir interessiert zu sein. Er erzählte uns außerdem, dass man in Al’Ahabad nicht unterkommen konnte, außer man erreichte die Stadt mit einer Karawane und quartierte sich in der Karawanserei ein. In der Karawanserei konnte man aber auch nur bleiben, bis die Karavane wieder die Stadt verließ. Wir hatten also ein deutliches Zeitlimit.

Bald darauf verließen wir Mehrwed mit einer Karawane und reisten in Alriks Gesellschaft nach Al’Ahabad. Unterwegs fanden wir einen verlassenen alten Peraine-Tempel, wo mein Herr und ich ein kleines Opfer zu Ihren Ehren machten. Am Tag darauf fielen uns durchlöcherte Felsen auf, die sich als Überbleibsel der Magierkriege herausstellten – von Bienen durchbohrt. Am Himmel kreisten Geier. Als mein Herr und ich dort ankamen wo sich die Geier niederließen, fanden wir einen von einem Speer getöteten Hirten. Unser Karavanenführer meinte achselzuckend, da hätte sich einer wohl ins Weidegebiet eines anderen Stammes verirrt und hätte dafür seine gerechte Strafe bekommen. Am Wegesrand sonnten sich Skorpione.

Schon seit einer Weile sah man die Gorische Wüste von weitem, und als wir ganz nahe gekommen waren, sahen wir in ihrem Schatten Al’Ahabad. Die Stadt war von Mauern umgeben und stand auf einem Tafelberg. Der einzige Zugang war eine lange Rampe aus fugenlosem Marmor, neben der ein riesiger Golem stand, der uns und sogar die Stadt überragte. Direkt vom Stadttor aus führte eine mit weißem Sand bestreute Prachtstraße zum Tor des Palastbezirks, in dessen Schatten Wachen standen. Nichts von dem was wir sahen erfüllte uns mit Zuversicht, dass wir den verlorenen „Singvogel“ des Kalifen würden zurückholen können.

In der Karawanserei fiel uns auf, was für die Stadt wohl typisch ist: die Menschen sind äußerst freundlich, höflich und zuvorkommend, ganz anders als in Mehrwed. Da unsere Geschichte gegenüber allen Leuten inklusive Alrik gewesen war dass wir in Mehrwed ein Hochzeitsgeschenk suchten, machten wir uns auf dem Basar auf Informationssuche. Dort wurden wir auch fündig – jedoch nicht wie wir gedacht hatten. Außerhalb der Stadt behauptet man, die Basare von Al’Ahabad wären voller wundersamer, magischer Dinge. Obwohl in der Stadt auch wirklich viele Dschinne ihren Dienst verrichten, fanden sich auf dem Basar keine magischen Dinge zu kaufen, dafür wunderschönes Kunsthandwerk. Die Baroness beschloss, für jeden von uns einen Anhänger in Auftrag zu geben. Außerdem wurde uns klargemacht, dass der Sultan der Beni Avad ein Kunstliebhaber sei. Da fiel uns auch schon etwas ein.

Die edle Baroness beschloss, in der Karawanserei ein Konzert zu geben. Wir beauftragten Alrik, seinen Bekannten einzuladen und ein bisschen Werbung zu machen. Der gute Mann schien etwas unglücklich – er war wohl ein paarmal bei der Baroness auf Granit gebissen als er versuchte ihr schöne Augen zu machen, während ich gerade noch Zeit fand, ihn ab und zu mit ein paar netten Worten bei Laune zu halten und Andaryn sich einen Spaß daraus machte, ihn zu vergraulen.

Das Konzert war ein voller Erfolg. Die Musik bezauberte die kunstsinnigen Menschen von Al’Ahabad und ich bedauerte einen kurzen Augenblick dass wir wohl nie mehr zurückkehren würden wenn unser Plan aufgehen sollte. Wobei „Plan“ recht großzügig formuliert ist.

Am selben Abend meinte die Baroness, als Belohnung für Alrik ein Tanzlied spielen zu müssen, und er bestand darauf, mit mir zu tanzen. Durch eine unglückliche Verkettung von Ereignissen verstauchte ich mir dabei den Fuß. Tanzerei bringt mich jedes Mal in Schwierigkeiten, ich sollte es einfach lassen.

Wir warteten den gesamten nächsten Tag darauf, dass der Sultan sich bei uns rührte – ich im Bett mit einem Eis-Dschinn am Fuß. Der Karawanserei-Besitzer meinte, er würde uns morgen leider Lebewohl sagen müssen wenn wir mit der Karawane zurückgingen. Daraufhin machte Andaryn meinen Fuß wieder kaputt, und die Schwellung sah so schlimm aus dass der Wirt meinte, wir könnten selbstverständlich doch bleiben bis es mir besser ging.

Und als am nächsten Tag unsere Karawane die Stadt verließ und wir uns den Kopf zerbrachen, wie wir nun in der dazu gewonnenen Zeit in den Palast gelangen sollten, erreichte uns die Einladung des Sultans an die Baroness, für ihn und seine Familie zu spielen…

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