as I scan this wasted land

ich bin 19 und du hast mir gar nix zu sagen

Wir hatten keine Ahnung, wie der Sultan die Baroness zu empfangen gedachte. In der Zeit die wir hatten schmiedeten wir Pläne, wie wir die Prinzessin befreien würden. Alrik zeigte uns „das Haus seines Freundes“ in Al’Ahabad und es stellte sich heraus, dass dieser Freund schon eine ganze Weile verreist war – Alrik hatte sich einfach irgendeine hübsche Villa ausgesucht und sie besetzt… Wir beschlossen, unsere Pferde und Vorräte im Haus zu lassen, um die Prinzessin dort unterzubringen, während einige von uns ein Ablenkungsmanöver startete, um etwaige Verfolger von unserer Spur abzubringen. Klingt kompliziert? Tja.

Unsere großartigen Vorbereitungen stellten sich als vergeblich heraus als die Leute des Sultans auftauchten und uns samt Gepäck, Pferden und Alrik in den Palast verfracheten.

Der Signorino und die Baroness wurden erst einmal eine Weile im Bad des Palasts verwöhnt, während wir schon mal ihre Suite wohnlich machten. Man kleidete uns in die Gewänder der hiesigen Dienerschaft, und ich muss sagen, langsam gefällt mir der novadische Sari. Steht mir auch ziemlich gut, wenn ich das selbst sagen darf.

Der Baroness wurde eine Rose überreicht, die in diesem Klima zu dieser Jahreszeit gar nicht zu haben ist. Irgendwer murmelte etwas von tausend blutenden Sklavenhänden dazu. Ich fühle mich nicht schuldig, dem Dschinn gesteckt zu haben, dass die Baroness Blumen mag. Zugegebenermaßen habe ich keine Ahnung, ob sie Blumen mag. Aber die Blume war schön, sozusagen der Gipfel des Luxus, und der Baroness gewiss würdig. Angesichts dieses Luxus schwelgte die Baroness in der Vorstellung, der Sultan könnte ihr für ihre musikalische Darbietung einen Shadifen schenken. Na ja. Notfalls können wir bestimmt einen mitnehmen, ich bin mir sicher, es fällt nicht weiter auf…

Am Abend wurden der Sultan und sein Hofstaat mit klassischer Musik erfreut. Die ganze Familie des Sultans war versammelt, auch der Harem, bis auf seine Hauptfrau. Nach dem Konzert bedankten sich die Damen einzeln für die schöne Musik, auch eine, die eher unbehaglich aussah. Wir beschlossen, dies müsse Prinzessin Nedime sein. Alrik fand sie höchst interessant und zeigte ungesunde Zeichen von Liebe auf den ersten Blick.

Die Baroness wurde dann mit einem persönlichen Gespräch mit dem Sultan geehrt. Er zeigte ihr sein Musikzimmer und bat sie, die Instrumente darin zu katalogisieren und ihren Wert festzuschreiben. Sie erklärte sich bereit, dies zu tun – es verschaffte uns ja auch Zeit, im Palast herumzuschnüffeln. Der Sultan entschuldigte sich bei seinen Gästen und verließ den Palast – angeblich weil sein Herr, der Kalif ihn rufen ließ. Gruselig eigentlich zu denken, dass der Kalif mit dem Entführer seiner Tochter verkehren muss.

Also hatten wir einige Tage, in denen wir unsere Zeit nützen und die Prinzessin befreien sollten. Alrik saß bleich und mit sehnsuchtsvollem, zum Harem gerichteten Blick am Fenster. Andaryn half mir freundlicherweise, meine von Rahja auferlegte Queste zu erfüllen. Einige der Diener aus dem Palast waren so nett, sich daran zu beteiligen. Auch die Baroness fröhnte in ihren freien Stunden der Rahja. Bloß mein Herr war etwas frustriert, weil die Mädchen im Palast ihn mieden, als hätte er gleich mehrere ansteckende Krankheiten. Eins davon schnappte er sich und zwang sie ihm zu erklären warum sich bei seinem Anblick alle aus dem Staub machten, und sie gestand ihm unter Tränen dass es ihnen verboten worden war, sich mit ihm einzulassen. Verständnislos ließ er von ihr ab, um erst einmal über die Ungerechtigkeiten der Welt zu grübeln.

Auch wenn das Ganze uns durchaus Spaß machte, haben wir doch Zeit gefunden, den Harem zu beobachten. Es wurde Essen hingebracht und Wachen nahmen es entgegen, sonst gab es keine Diener. Die Reinigung erledigten wohl Dschinne. Durch die Wartezeit zwischen dem Klopfen und dem Entgegennehmen der Essenstabletts hatte Alrik geschlossen, dass der Weg in den Harem wohl nicht direkt durch die Wachstube führte. In der Nacht schlichen Andaryn und ich hin, um uns umzusehen. Alrik schloss sich uns an.

Der Harem, ein viereckiges Gebäude, war nicht verschlossen, also schlüpften wir an der Wachstube vorbei in ein Zimmer und folgten dem Verlauf der Räume. Da war eine Küche, ein Spielzimmer, ein Zimmer mit Räucherware… in einer Ecke fand ich drei sprechende Mäuse – sie meinten, sie wären „Prinzen aus dem Norden“ und eine „reine Jungfer“ könnte sie aus ihrer Mäusegestalt retten, wenn sie aus einer kleinen Flasche trinken würde, die auf dem Schrank stand. Ich nahm die Flasche und die Mäuse mit, fest entschlossen, ihnen bei Gelegenheit eine Maid mit den oben genannten Qualifikationen zu suchen. Andaryn behauptete, nichts als Quieken von den Mäusen zu hören. In einem schönen Kästchen fanden wir einen Schlüssel, den wir sicherheitshalber mitnahmen.

Am Ende der Durchgangsräume mussten wir in den Innengarten des Harems treten. Hinter dem Brunnen versteckt öffneten wir die Gittertür des Bades mit dem gefundenen Schlüssel. Als wir noch mit leise untereinander debattierten wie wir weiter verfahren sollten, stieg ein Dschinn aus dem Bad und fragte, was wir hier zu suchen hätten. Andaryn fiel zum Glück ein, dem Dschinn zu versichern dass wir eigentlich nichts weiter wollten, und der versank wieder im Wasser. Dafür waren dann doch die Haremsdamen auf uns aufmerksam geworden, und so blieb uns nichts anderes übrig, als auf ihre Einladung hin in den Hauptraum einzutreten.

Die Haremsdamen waren ein Haufen sehr junger Mädchen, bis auf die Hauptfrau des Sultans. Bisher hatten wir nicht die Ehre ihrer Anwesenheit gehabt, weil sie beim Konzert nicht zugegen gewesen war. Nun waren wir ihr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, doch zum Glück schien sie uns eher unterhaltsam als bedrohlich zu finden. Sie sah aus als wäre sie Ende zwanzig, und ich habe noch nie eine schönere Person als sie gesehen.

Andaryn meinte, ihr könnte es nicht ganz so recht sein, eine hübsche junge Prinzessin im Harem zu haben, und ich stimmte ihm zu. Zuerst fragte ich jedoch, ob man mir wohl ein Loch durch den Nasenflügel stechen könnte. Die edle Dame ließ sofort Nadeln kommen und eine geschickte Haremsdame machte es. Ich durfte mir einen Nasenring aussuchen, der durch ein Kettchen mit einem Ohrstecker verbunden war, an dem ein grüner Edelsteinsplitter glitzerte. Wunderschön. Unterdessen blies Alrik Trübsal, weil Nedime nirgendwo im Zimmer zu finden war. Andaryn ließ sich von einigen Haremsdamen mti Honig einschmieren und ablecken.

Auf meine Frauge hin, ob man ihr wohl eine Bürde abnehmen könnte, meinte Sultan Hasdrubals Ehefrau, man würde das was man sucht, immer dort finden, wo man zuletzt schaut. Und da wir fast alle Räume des Harems schon durchsucht hatten, gingen wir noch zwei Räume weiter. Ein vorsichtiger Blick in den letzten Raum zeigte eine schlafende Prinzessin – und einen schnarchenden Mantikor. Kurz überlegten wir, ob meine drei Mäuseprinzen die Prinzessin wecken und bitten könnten, zu uns hinauszukommen. Sie rannten auch sofort hinein ins Zimmer, nur um wieder hinauszuflitzen, weil, „oh, da war SO EIN MANTIKOR“. Wieder meinte Andaryn, nur Quieken zu hören.

Wir beschlossen daraufhin, uns zurückzuziehen, mit den edlen Herrschaften eine Strategie zu entwickeln, vorzugsweise eine, die es nicht erfordert, einen lauten und aussichtslosen Kampf gegen einen Mantikor zu schlagen. In der nächsten Nacht wollten wir zurückzukehren. Beim Verlassen des Harems meinte die Hauptfrau des Sultans noch, sie hätte heute Nacht einen interessanten Traum gehabt.

Während der Palast um uns herum langsam zum Leben erwachte, schlichen wir in unsere Zimmer. Mein Herr fing an zu zetern, als er meines Nasenrings samt Kette ansichtig wurde. Ich beschloss spontan, die Ergebnisse unseres nächtlichen Ausflugs der Baroness darzulegen, die vielleicht nicht so viel gegen meine modische Erweiterung zu sagen hätte.

Und hier endet die Erzählung. Was weiter passiert ist? Wartet es ab.

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