as I scan this wasted land

*hust*

Ein Bericht unserer Frau vor Ort: Flavia A. P. di R. d. G.

Ich bin immer noch schwach von meiner kürzlich überstandenen Krankheit. Zum Glück war ich in der Lage, einige Notizen und Beobachtungen über den Verlauf niederzuschreiben. Deshalb werde ich meinen Bericht diesmal nicht in epischer Breite zu Papier bringen – die Geweihten verbieten mir, mich anzustrengen. Und Avesandro hat sich mit einem süffisanten Grinsen geweigert, mir mehr Papier zu bringen.

Bei der Tributübergabe gab es etwas Aufregung um ein kleines Mädchen das versuchte, einen Schinken zu stehlen… nicht sehr intelligent, es direkt dort zu machen. Oder war sie als Ablenkung gedacht? Der Anführer der Leute aus dem Orkentod, der nach vorne schnellte, wohl um Ärger zu machen, wurde von Sato noch rechtzeitig erwischt und von der Wache abgeführt. Gleich darauf landete ich recht nah bei ihm (in der Strafecke sozusagen), weil ich meine Geduld mit dem orkischen Krieger verloren hatte, der sich das Mädchen geschnappt hatte. Zum Glück konnte Oliandra eingreifen und die Lage beruhigen – sie ist wohl doch nicht bloß ein Ornament an Avesandros Arm.

Der Anführer der Orks war ob des Verlusts des Dolchs sehr ungehalten, ließ sich aber von der Stadtkommandantin soweit beruhigen dass er Lowangen eine dreitägige Frist gab, in der man den Dolch in seinem Lager abgeben sollte. Er stellte sogar einen seiner Krieger ab, sich an der Suche nach dem Dolch zu beteiligen, bzw. den Suchtrupp – also uns – zu begleiten.

Der war ein eher wortkarger Vertreter seiner Art, aber schließlich stellte er sich (Hjalmar, nicht mir) als Shardur vor. Überhaupt entwickelte sich zwischen dem großen Thorwaler und dem großen Ork eine Art seltsame Verbindung. Vielleicht sogal sexuelle Anziehung? Und bevor jetzt Einwände kommen, ich weiß alles über sexuelle Anziehung – bzw. ich habe alles darüber gelesen, sogar die neunundsechzig Zeilen der Rahja und die Abhandlungen von Slip Freudian. Aber ich verliere jetzt kein Wort mehr über Händchenhalten und verstohlene Blicke, denn es hat nichts davon stattgefunden.

Wir reisten von Lowangen weg in Richtung der Farm wo der Dolch sein sollte. Noch innerhalb der Zehn-Meilen-Zone wurden wir von orkischen Vagabunden überfallen. Shardur und Hjalmar stürzten sich in seliger Eintracht auf die Räuber, die daraufhin prompt die Flucht ergriffen. Kurz vor Einbruch der Nacht stießen wir auf ein niedergebranntes Dorf. Die Bewohner, alles Orks, waren grausam getötet worden, zum Teil vorher noch gefoltert, ihre Leichen verstümmelt, bevor das Dorf angezündet worden war. Shardur war bestürzt, und bereitete ihnen eine würdige Bestattung. Ifirnia fand eine Spur, die vom Dorf wegführte – wohl die Übeltäter – aber wir beschlossen, unserem Auftrag Vorrang zu geben.

Am nächsten Tag stießen wir aber mehr zufällig auf diejenigen, die das Massaker zu verantworten hatten. Eine Gruppe Thorwaler – ausgerechnet – kam des Weges und es stellte sich heraus, dass sie sich die Zeit damit vertrieben, durchs Svellttal zu marodieren. Mit einem (bestimmt bloß kameradschaftlichen) Blick zückten Shardur und Hjalmar ihre Waffen und lieferten den Thorwalern einen epischen Kampf.

Bald darauf erreichten wir auch endlich den Hof, wo Bauer Berman lebte. Das war der Mann, der den Diebstahl des Dolchs in Auftrag gegeben hatte. Ein Knecht stand vor dem Haus, und als wir nach dem Bauern fragten, ging er hinein um zu fragen ob er uns empfangen würde. Er erwähnte auch etwas von einem Besucher, mit dem der Bauer wohl gerade beschäftigt war. Draußen vor dem Haus war ein Reitpferd angebunden, das nicht zum Bauernhof zu gehören schien.

Der Bauer kam heraus und stammelte, er hätte den Dolch bereits an den Auftraggeber weitergegeben. Wir glaubten ihm kein Wort, und es stellte sich tatsächlich heraus, dass sein „Gast“ der eigentliche Auftraggeber war. Nach etwas Verwirrung stellten wir dann fest, dass die Person – eine Magierin – das Haus verlassen hatte und die zwei Bullen des Bauern mit einem Zauber auf uns gehetzt hatte.

Die großen Tiere jagten uns über den Hof, doch das konnte Hjalmar und Shardur nicht davon abhalten, einander bedeutungsvoll zuzuzwinkern, bevor sie sich daran machten, auf die Magierin einzuschlagen. Die bedauerlicherweise magisch gerüstet war, was den Kampf deutlich erschwerte. Schließlich wurde sie überwältigt, doch das hinderte die Stiere nicht daran, uns weiter zu jagen. Notiz: Pfannen aus Gusseisen sind nicht wirklich wirkungsvoll gegen Stiere, auch wenn man motiviert ist.

Im Haus des Bauern wurden dann seine Bettlaken requiriert, um Verbände für uns alle zu machen. Im Schlafzimmer des Bauern fanden wir den Dolch inmitten eines Beschwörungskreises. Eine Untersuchung zeigte, mit Hesindes Gnade, keine Spur von Magie, weder in dem Dolch noch in der Beschwörung selbst. Sie war wohl gerade noch rechtzeitig unterbrochen worden. Auch in Ifirnia ruhte ein Funken Magie, was bei Halbelfen wohl nicht weiter verwunderlich ist. Was mich allerdings verwunderte war das magische Leuchten in Fräulein Oliandra. Ich beschloss, diesen Gedanken für spätere Erörterung im Hinterkopf zu behalten.

Noch am selben Tag machten wir uns auf den Weg zurück nach Lowangen. Die Magierin schien sehr geschwächt, also leistete ich eine kleine Fürbitte an Peraine für sie, und Peraine erhörte mich. Das war vielleicht ein Fehler, denn mitten in der Nacht fehlte besagte Magierin aus unserer Mitte. Ifirnia, Sato und Shardur (diesmal ohne Hjalmar, awwww) verfolgten sie und fanden sie auch. Sie liegt jetzt wohl irgendwo tot im Graben. Ich hätte daran denken sollen, ihre sterblichen Überreste zu suchen und ihr Borons Frieden zu geben, aber zu dem Zeitpunkt war ich schon sehr weit entrückt, und alles was nicht meine Herrin Hesinde war lag in weiter Ferne.

Deshalb merkte ich auch recht spät dass ich zusätzlich zu meinem neu erworbenen Husten auch noch blaues Zeug spuckte. Etwas Nachdenken führte zur logischen Erklärung dass ich – und dann stellte sich heraus, auch Shardur – an der Blauen Keuche erkrankt war. Eine Debatte brach los, und irgendwer murmelte etwas von „Verbrennen“ – leider weiß ich nicht mehr wer das war. Man setzte mich vor der Lowangener Stadtmauer neben Shardur auf den Boden , und ich dämmerte dahin. Zwischen Husten bemühte ich mich, Ologhaijan mit Shardur zu üben und mehr über die Strukturen der orksichen Gesellschaft aus dem sturen Ork herauszukriegen. Manchmal antwortete er, manchmal nicht. Manchmal sah er so aus als ob er sich die Axt gerne in die Sirn rammen würde und murmelte etwas von einem Tod, der eines Kriegers nicht würdig sei. Stunden später, wie es schien, kamen die Geweihten des Perainetempels, die uns verstohlen ins Siechenhaus brachten.

Und hier liege ich nun. Man versichert mir, dass ich bald gesund werde. Meine Freunde besuchen mich mit Tüchern über den Gesichtern. Ich lese in den Aufzeichungen der Magierin. Sie wollte den Dolch verseuchen und ihn dann den Orks liefern lassen, weil ihr Mann von den Orks getötet worden war. Eine Katastrophe fürs ganze Svellttal. Ich rate, dass sie zuerst Shardur die Krankheit angehext hat, und er hat dann mich angesteckt. Manchmal kommt Avesandro. Hjalmar war nicht da. Ich wette er kommt deshalb weil er nicht will dass Shardur denkt, er kommt seinetwegen. Der Dolch ist, so höre ich, inzwischen bei den Orks angelangt. Nicht mehr lange und ich kann hier raus. Und dieses blaue Zeug dass wir husten ist ja auch so hoch interessant…

Und ja, ich weiß, der Bericht ist wieder so lang geworden. Ich hatte Glück – die Bettlaken sind weiß, und die Medizin die wir einnehmen eignet sich auch ganz gut zum Schreiben. Ich glaube Shardur hat genug von mir. Er hat den Vorhang zwischen uns wieder zugezogen. Wird ihm nicht langweilig so ganz ohne Unterhaltung und Bücher? Orks halt. Vielleicht meditiert er? Ich muss ihn bitten, mir seine orkischen Meditationstechniken en detail zu erklären.

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