as I scan this wasted land

Schlamm ist gut für die Haut, oder? Oder?

Ein Bericht unserer Frau vor Ort: Flavia A. P. di R. d. G.

In der Aufregung schafften wir es, zum Lowangener Nordtor zu kommen, wo Lleanne auf uns wartete. Sie hatte noch Informationen über die entführte M’darrsla sammeln wollen, während wir Skeletor, Avesandros Tiere und den Wagen beim Hesindetempel deponierten. Unterdessen verkleidete Sato Ifirnia, damit sie nicht am Tor aufgegriffen und der Todesstrafe zugeführt würde die sie in Lowangen erwartete. Anscheinend – das bestätigte uns ein Fuhrmann – hatten die Orks bereits vor einem Tag eine weiß gewandete Frau verschleppt und Dualisten überfallen. Unsere Information war gewesen, das alles sei in dieser Nacht passiert. Wem sollten wir nun vertrauen? Wir beschlossen, sofort aufzubrechen, während Lleanne meinte, sie würde nachkommen.

Die Kommandantin der Stadtwache war ebenfalls am Tor und beobachtete Ifirnias verkleidete Form wissend, ließ uns aber gehen. Offenbar hatten wir bei ihr noch einen Stein im Brett. Und so waren wir wieder in der Wildnis.

Wildnis finde ich an sich recht interessant, aber sehr unbequem. Ifirnia führte uns über die Straße, aber bald stellte sich heraus, dass die Orks ihr Opfer wohl über den Sumpf verschleppt hatten. Es war möglich dass sie wieder zur Straße zurückkehren würden, aber wir konnten nicht sicher sein, also folgten wir ihnen durch den Sumpf.

Der Sumpf ist auch recht interessant, aber es stinkt ziemlich, und die Füße bleiben im Schlamm stecken. Außerdem gibt es stechende Insekten. Ich bin mir sicher, eine Expedition von Entomologen würde hier sehr glücklich werden. In der Nacht passierte nichts weiter, außer dass ich völlig von eben erwähnten Insekten zerstochen wurde.

An einer Stelle im Sumpf gerieten wir mit einem Grubenwurm aneinander. Das Biest griff uns an. Am Ende war es tot und Ifirnia und Sato hatten ein etwas gewöhnungsbedürftiges Aroma, weil sie ihm zu nahe gekommen waren. Avesandro und ich wollten nicht ekelhaft sein, aber den Geruch zu ertragen war nicht ganz einfach.

Ich machte nähere Bekanntschaft mit dem Sumpf, weil mein linker Fuß im Schlamm steckenblieb. Gleich darauf war Sato auch noch neben mir komplett im dreckigen, schlammigen Wasser verschwunden. Zum Glück kam er wieder zum Vorschein, und Ifirnia holte ihn hinaus, während sie Avesandro delegierte, mich herauszuziehen. Leider kennt sie Avesandro nicht besonders gut, denn er ergriff sogleich die Gelegenheit, mich erst einmal zu verspotten, bis ich weinen musste. An dieser Stelle darf ich Ifirnia zitieren: „Alle Magier sind G’frasta.“ (Die Tobrische Mundart denkt euch dazu.) Gleich hatte auch er die Gelegenheit, ein erfrischendes Bad im Sumpf zu nehmen – Ifirnia warf ihn hinein. Dann wurden ich und mein verlorener Stiefel herausgefischt und es ging weiter.

Am nächsten Morgen hatten wir das Vergnügen mit einer Gruppe Mokolash-Orks. Anders als ihre Artgenossen waren diese Sumpforks eher braun- als schwarzbepelzt. Sato versprach, den Anführer zu fragen warum dem so sei, aber er schien es dann vergessen zu haben. Sie wollten wissen was wir hier zu suchen hätten und erklärten sich nach einigen Erklärungen bereit, uns im Austausch für einen von Satos Wurfdolchen mit einem ihrer Boote aus dem Sumpf herauszubringen. Wir hatten sogar die Gelegenheit, bei ihnen zu übernachten, aber leider wollte keiner von ihnen mit mir sprechen. Nächstes Mal verkleide ich mich als Mann und dann reden sie bestimmt mit mir. Irgendwie fehlt mir Shardur.

Als wir das Gebiet der braunen Orks verlassen hatten, stellten wir fest dass unsere Essensvorräte fast verbraucht waren. Ifirnia fand die Spuren der Orks wieder, sie schienen ausgerechnet nach Khezzara unterwegs zu sein. Ich war überzeugt, sie würden M’darrsla zu Aikar Brazoragh bringen. Dann schwenkte die Spur wieder um und führte weiter nach Norden. Bestimmt bloß ein Ablenkungsmanöver. Unterdessen stellte Ifirnia fest, dass sie sich im Regen von ihrer nassen Kleidung Dumpfschädel eingefangen hatte. Fürs Protokoll: Wenn die Hesindegeweihte einem trockene Kleidung anbietet, dann nimmt man sie. So machte ich mich auf die Suche nach essbaren Kräutern und gerade als ich meine Hand nach einem Pflänzchen ausstrecken wollte, blieb ich im Schlamm stecken, der mich langsam nach unten zog. Statt mich sofort herauszuziehen, machte sich Avesandro einen Spaß daraus mir eine in seiner Einbildung bestimmt unterhaltsame Rede zu halten, aber ich habe über die Jahre gelernt, Avesandro auszublenden. Zum Glück wurde ich dann doch noch gerettet und konnte Ifirnia Donf für ihr Fieber überreichen, aber meine Stiefel waren endgültig ruiniert.

Etwas später stolperten wir aus den Altsvelltsümpfen auf die Straße und dort direkt über einen Überfall. Die Kralle der Macht legte sich mit (diesmal schwarzbepelzten) Orks an. Bevor wir noch näher kommen konnten, machte sich die Kralle der Macht davon und die Orks bewegten sich in unsere Richtung. Zwei von der Kralle der Macht waren tot auf der Straße zurückgeblieben. Wir blieben stehen – wo hätten wir auch laufen sollen – aber der Schamane der Orks, Grashok Dunkelhand fragte uns nur barsch, was wir hier zu suchen hätten.

Zum Glück stellte sich dann heraus dass wir eines gemeinsam hatten – unsere Abneigung gegen Oswyn Puschinske, diesen Widerling. In größter Eintracht machten wir ein kleines Geschäft und kauften in Svellmia neue Stiefel für mich und Vorräte für uns und die Orks – anscheinend wollten die Menschen hier ungern Geschäfte direkt mit Orks machen. Auch der Schamane wusste nicht warum die Mokolash braunen Pelz hatten. So viel ungebildetes Volk hier. Zum Abschied meinte Grashok auch, die Orks die die weiße Frau verschleppt hätten, würden sie als Gabe Tairachs betrachten, die vom Himmel gefallen war. Ein Grund mehr, M’darrsla nicht in die Fänge des Aikar Brazoragh geraten zu lassen.

Tags darauf begegneten wir auf der Straße einer Pelzhändlerin, die von Orks bestohlen worden war. Sie verkaufte uns Pelz und Wolle. Ifirnia machte für Sato und mich Polster daraus, um uns die grässliche Reise durch die Wildnis zu erleichtern. So eine nette Frau! Ich verstehe ihre Abneigung gegen Magier nicht ganz, aber ihre Abneigung gegen Avesandro lerne ich langsam zu verstehen. Die viele Natur um uns herum schien an seinen Nerven zu zerren, er fabulierte ständig von einem Ignisphaero, den er zünden möchte und piesackte mich ununterbrochen.

In der nächsten Ortschaft erfuhren wir dass unsere Orks Schlafkräuter kaufen wollten, sie aber im Ort nicht bekommen hätten. Die Kräuterhändlerin meinte bei meinem Anblick sofort, ich würde Rahjalieb kaufen wollen, und um sie nicht zu enttäuschen kaufte ich auch welches. Vielleicht kann ich es Oliandra zum Geschenk machen wenn sie wieder bei uns ist. Übernachtet wurde in einer echten Herberge! Mit richtigen Betten! Und unsere Kleidung wurde gewaschen!

Wir folgten der Spur die Straße entlang weiter. Uns kam ein Wagenzug von Dualisten entgegen, angeführt von einer resoluten Frau. Ihr junger Sohn zeigte auf uns und rief fast freudig „Frau Mutter, da kommt wieder eine Prüfung“, was sie dazu veranlasste, uns als Gesindel zu bezeichnen. Dies schien Avesandro, der solches Geplapper normalerweise recht gut abschütteln kann aus irgendwelchen Gründen zu reizen. Als nächstes hatten wir das zweifelhafte Vergnügen, den schimpfenden Avesandro von wütenden Dualisten wegzuzerren, die wohl nichts von seinem gepflegten Äußeren und dem Hut mit der Feder hielten. Während er noch immer im tiefsten Horathi von „hässlichen Weibern“ und „grässlichen Vetteln“ sprach, blieb Sato noch bei den Dualisten und befragte sie, ob sie die Orks mit M’darrsla gesehen hätten – sie hatten.

Die Nähe des Svellt machte sich bemerkbar in der Notwendigkeit, einen Knüppeldamm zu benützen. An dessen Ende erwartete uns ein galanter Bandit, der sich als Landgraf Thorgur von der Feuchtmark vorstellte, treuer Diener und Zolleintreiber des Kaisers Reno I. Avesandro feilschte mit ihm um den Zoll und irgendwem fiel noch ein, dass Kaiser Reno der Anführer des Widerstands gegen die Orks war. Ich versuchte meinen Charme einzusetzen um dem „Landgrafen“ noch ein paar Informationen über M’darrslas Verbleib zu entlocken, aber er hatte wohl nichts übrig für akademisch gesinnte Frauen.

Bald darauf stellte Ifirnia fest, dass die Spur der Orks nach Westen in den Wald führte. In der Ferne konnte man die Blutzinnen erahnen. Die Nacht kam und wir machten uns bereit ein Lager aufzubauen, als Ifirnias scharfen Augen ein Feuerschein unweit der Stelle auffiel, an der wir lagern wollten. Sie und Sato machten sich auf um zu sehen wer da war, während Avesandro und ich in eisigem Schweigen zurückblieben. Avesandro redete nämlich schon eine ganze Weile nicht mehr mit mir. Es stellte sich heraus dass es Lleanne war, die da in der Nacht am Feuer hockte, und wir gesellten uns zu ihr und ihrer Begleiterin, die den sprechenden Namen Bären-Benja trug, Jägerin und mit einer unglaublichen Anzahl von Bärenkörperteilen geschmückt war. Auf unsere Frage wie sie es geschafft hatte vor uns hier zu sein obwohl sie später aufgebrochen war, meinte Lleanne, ihre Führerin – die selbstgefällig grinsende Bären-Benja – hätte gemeint, nur Idioten würden durch den Sumpf gehen wenn es ganz klar war, dass die Orks bloß ihre Spuren verwischen wollten und zwangsläufig wieder auf die Straße zurückkehren würden.

Am nächsten Tag hörten wir Hundegebell. Während Avesandro, flink wie ein grell gekleidetes Eichhörnchen den erstbesten Baum erkletterte um sich vor den „Bluthunden der Orks“ in Sicherheit zu bringen, machten uns die Marrykai-Orks (mit zwei Wolfsjägern) ihre Aufwartung um anzufragen warum wir uns auf ihrem Gebiet aufhielten. Ihr Anführer mochte Menschen wohl nicht und wollte uns auch nicht sagen ob er M’darrslas Entführer gesehen hatte. Ich war mehr denn je sicher, dass sie die arme Frau zu Aikar Brazoragh bringen wollten und fürchtete um ihr Leben.

Der Weg führte weiter in die Blutzinnen und dann hinauf. Der Aufstieg war furchtbar mühsam, und ich war sehr erleichtert, auf einen Hof zu stoßen, der sich dann als das Gasthaus Zum Sandwirt herausstellte. Sie hatten leider keinen Badezuber, keine Möglichkeit, warmes Wasser zu beschaffen und auch keine Einzelzimmer. Außerdem schienen Gäste im Haus sehr bemüht, sich ausschließlich über belanglose Themen wie das Wetter zu unterhalten. Der Wirt, Breg Neersander führte mit Hilfe seiner Tochter Rike die Wirtschaft, und auf den Tischen standen Vasen mit Lärchenzweigen, jede verziert mit einer blauen Schleife. Die Schleifen kamen mir verdächtig vor, aber es wollte niemand mit uns darüber sprechen. Also brachte Avesandro seinen Yaquirier zum Vorschein und sprach bis lange in die Nacht hinein mit der jungen Tochter des Wirts, die ihn wohl sehr zu mögen schien. Sato versuchte am nächsten Morgen sie über ihre Nacht mit Avesandro auszufragen. Das arme Mädchen! Sie hatte aber Avesandro anvertraut, dass ihr Gasthaus in der Tat der Versammlungsort der Getreuen des Kaisers Reto I. und somit des Widerstands gegen die Orks war. Die blauen Schleifen waren ein Erkennungszeichen.

Da der Widerstand gegen die Orks nicht unsere Sache war und wir die Sternengabe verfolgen mussten, ließen wir diesen trostlosen Ort ohne Bäder hinter uns, um weiter den Berg zu erklimmen. Heute fiel mir das Klettern nicht so schwer, war wohl die Übung vom Tag zuvor. Mit vorsichtigem Optimismus sah ich dem Tag entgegen bis Ifirnia meinte, es würde bald regnen und wir müssten einen Unterschlupf finden. Gleichzeitig zeigte sie auf einen überdimensionalen Fußabdruck auf dem harten Boden und meinte, hier trieben sich ziemlich große Leute herum.

Dann passierte alles auf einmal: ein geeigneter Felsvorsprung unter dem man Schutz vor dem kommenden Regen hätte suchen können war bereits durch einen Oger besetzt, und dieser setzte sich mit beängstigender Schnelligkeit keulenschwingend in Bewegung. Avesandro schickte ihm einen Ignifaxius entgegen, Ifirnia spickte den Oger mit Pfeilen und als er nahe gekommen war, verpasste Sato ihm noch einen Stich in eine ungeschützte Stelle. Ifirnia machte schließlich kurzen Prozess mit dem wild um sich schlagendem Biest und es fiel tot zu Boden. Wir warteten den Regen unter dem Felsvorsprung ab, unwohl im Gedanken dass dieser Oger bloß einer von vielen war, die sich hier herumtrieben. Währenddessen entschuldigte sich Avesandro bei mir, aber wir hatten beide vergessen wofür.

Und als es wieder heller wurde, standen wir ganz oben auf den Blutzinnen. Vor uns im Westen erstreckte sich das Orkland.

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