as I scan this wasted land

und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir

Ein Bericht unserer Frau vor Ort: Flavia A. P. di R. d. G.

Vashrak war dem Wüten des Zentaurs zum Opfer gefallen. Der Rat der Schamanen war eher unglücklich darüber. Wegen des verlorenen Kulturguts war ich auch unglücklich, aber das beeindruckte niemanden. Nur die Fürsprache von Grashok Dunkelhand rettete uns davor, an Ort und Stelle geopfert zu werden um die Schande wegzuwaschen die wir über Vashrak und die Orks gebracht haben sollen. Also stopfte man uns in unbequeme Käfige auf Karren und verschaffte uns zum Aikar Brazoragh. Avesandro und Oliandra wurden in Eisen gelegt und mit verbundenen Augen transportiert, um keine Zauber wirken zu können. Unser Weg kreuzte den einer Karawane mit 200 Sklaven, und zusammen kamen wir an der Baustelle eines Monumentalprojekts an.

Vor uns erstreckte sich ein Tal, 200 Schritt tief und eine Meile im Durchmesser. Eine Treppe führte an den Außenwänden entlang nach unten, wo das größte Bauwerk stand, das ich je gesehen habe, bestimmt 200 Schritt hoch und mindestens ebenso breit. Der Aikar wollte wohl Mada erreichen.

Soweit sah es für unseren Plan M’Darrsla zu retten eher düster aus. Man führte uns zwischen wachsamen Orks hindurch zu den Sklavenquartieren. Anscheinend waren hier mehr als tausend Sklaven dabei, für den Aikar Brazoragh zu schuften. In unserer Sklavengrube erklärte uns ein freundlicher älterer Thorwaler wie es hier funktionierte. Nach orkischer Sitte herrschte hier das Recht des Stärkeren, und wer nicht stark genug war um zu arbeiten und ums Essen zu kämpfen, war bald tot.

Avesandro wurde von einer Frau angesprochen, die sich als die Anführerin von einigen Schlägern herausstellte. Sie hieß Alrike und schien Avesandros Art nicht zu mögen – das kann man ihr allerdings nicht verübeln – ging jedoch davon ohne Streit anzufangen. Wir ließen uns in unserer Sklavengrube nieder. Bald sprach sich herum, dass ich Geweihte war, und es kamen Leute zu mir, die den Trost der Götter suchten.

Den Trost der Götter hätte ich selbst gut gebrauchen können. Seelsorge war nie meine Stärke gewesen, und hier im Orkland, versklavt an den Namenlosen Tagen und so fern von meiner Göttin wie noch nie, fühlte ich mich selbst trostbedürftig. Am nächsten Tag und am Tag danach kamen vor und nach der Arbeit immer Leute, die immer die gleichen Fragen stellten: warum? Und ich konnte ihnen nichts anderes sagen, als in diesen dunklen Tagen die Hoffnung nicht zu verlieren.

Die Arbeit bestand abwechselnd aus Steineschleppen und Mauern, wobei man einige von uns gleich zweimal zum Steineschleppen einteilte, weil wir uns beim Mauern wohl etwas unfähig anstellten. Der Turm war schon sehr weit gediehen, dafür dass er so unmöglich gebaut war. Es baute jeder hier und dort und wie es ihm einfiel. Es schien keinen geplanten Grundriss zu geben, bis auf einen Schacht in der Mitte, der offen nach oben zum Madamal zeigte. Man fragt sich allerdings, warum ein Turm der zum Madamal hinaufreichen soll ausgerechnet in einer tief gelegenen Grube gebaut wird?

Die Leute die sich Beistand bei mir holten brachten immer auch kleine Essensgeschenke mit. Ich versuchte, etwas davon abzugeben, nur um mir Vorwürfe von Avesandro anzuhören, ich soll gefälligst meine Kräfte sammeln und ja genug essen. Es gab auch viel zu viele Leute, die etwas mehr zu Essen gebraucht hätten, und es war unmöglich zu entscheiden bei wem man anfangen sollte. Es war das erste Mal dass ich Menschen gesehen habe, die so kurz vor dem Verhungern waren, dass man beten musste, sie würden sich noch ein-zwei Tage am Leben festkrallen, um nicht in den Namenlosen Tagen aus dem Leben zu scheiden. Man muss sich angesichts solcher Zustände fragen, ob man bisher nicht in einer geschützten Seifenblase gelebt hat? Sato versuchte mir zu erklären dass im Lager täglich Leute starben und man sie nicht retten konnte, aber das half wenig.

Hjalmar freundete sich mit Alrike an und fing daraufhin an, mit Avesandro zu tuscheln. Ich war neugierig, aber erschöpft von der körperlichen Arbeit. Unter dem fast vollständig rundem roten Madamal legte ich mich schlafen, und so trafen mich die darauffolgenden Ereignisse unvorbereitet. Kurz nach Mitternacht zerfetzte eine Explosion die Palissade der Sklavenquartiere von außen und weckte uns. Avesandro kam angerannt und wunderte sich noch laut, wer das wohl gewesen sein mag – er wäre es jedenfalls nicht gewesen. Hjalmar kam nach und rief im Kommandoton, wir sollten ihm folgen. Dann rannte er in die entgegengesetzte Richtung, weg von der Explosion. Dort wartete Alrike mit Waffen auf uns und wir bewegten uns zum Turm.

Und im Turm blitzte es auf und die Mauern bröckelten. Mit mächtigem Getöse fielen riesige Gebäudeteile zu Boden, genau dort wo wir durchgehen wollten. Wir kamen unfreiwillig zu stehen und warteten, ob die Gefahr, von fallenden Mauerteilen getroffen zu werden, vorübergehen würde. Hinter uns waren die Sklaven wie blind auf die Bresche in der Mauer gelaufen, bewaffnet mit allem was sie aufgreifen konnten, und versuchten hinauszukommen, nur um von den Truppen des Aikar zurückgetrieben zu werden. Nach und nach wurden die Kampfschreie hinter uns weniger, bis die Wachen vor uns standen und jeden niedermähten, der sich nicht ergeben wollte. Die Rebellion war vorbei, und eine Menge Leute war umsonst gestorben.

Am nächsten Morgen mussten sich die Überlebenden in einer Reihe aufstellen, um inspiziert zu werden. Ein imposanter Ork mit einer frischen Wunde im Gesicht schritt die Reihen ab und blieb schließlich vor uns stehen. Mehr wie zu sich selbst, aber in perfektem Garethi meinte er schließlich, wir wären ihm fast entkommen – er hätte niemals gedacht, wir würden uns unter den Sklaven verstecken. Während jeder von uns völlig verwirrt versuchte, seinen Worten einen Sinn abzugewinnen, packten uns bereits seine Krieger und brachten uns in den Turm, wo wir hinter Schloss und Riegel gebracht wurden.

Bald wurden wir in einen Raum ziemlich hoch im Turm gebracht, in dem der Aikar Brazoragh eine Art Gerichtsverfahren für uns veranstaltete. Er zählte vor den versammelten Schamanen und M’Darrsla unsere vielfältigen Verbrechen auf, zu denen auch gehörte, dass wir gestern versucht haben, M’Darrsla aus seinen Fängen zu befreien. Uns war dieser Sachverhalt unbekannt, schließlich waren wir gestern noch in den Sklavenquartieren gewesen. Zum Dank für meine hilfreiche Meldung, der Aikar würde lügen, bekam ich den Kopf zu Boden gedrückt, ich glaube von einem der Schamanen die noch wegen Vashrak sauer auf uns waren.

M’Darrsla meldete sich schließlich zu Wort und sprach direkt zu uns – sie meinte etwas kryptisch, wir hätten ihr ihre Identität eröffnet und nun würde sie etwas für uns tun. Daraufhin verschwamm der Raum, und als er wieder fest wurde, war der Aikar Brazoragh samt seines Gefolges und M’Darrsla verschwunden. Am Himmel schien der rote Mond kurz vor der Vollendung. M’Darrsla hatte uns wieder in die letzten Minuten des des letzten Namenlosen Tags versetzt – und uns wurde so einiges klar.

Avesandro erbleichte als ihm klar wurde dass wir uns Momente vor der Explosion an der Palissade befanden und er sie verursachen musste. All diese Tode würden direkt seinem Ignisphaero folgen. Er sprach den Zauber dennoch, und dann begaben wir uns zur Turmspitze, um den Aikar Brazoragh daran zu hindern, Mada selbst gefangen zu halten – sie war schon lange genug Gefangene gewesen.

Der Aikar Brazoragh trägt seinen Titel nicht umsonst – es entbrannte ein Kampf, bei dem wir auf Dauer nur unterliegen konnten. M’Darrsla stand verwirrt daneben, bis Sato ihr – zumindest ansatzweise – klarmachen konnte wer sie ist. Daraufhin bewegten wir uns zur Tür. Ich trug schwere Verwundungen davon; einen Moment bevor ich in Hesindes Hain eingehen konnte, segnete uns Hesinde mit ungewöhnlicher Hellsicht, und Mada verbrannte den Kristall in ihren Händen in einem gleißenden Blitz um uns zu retten. Verfolgt vom Aikar machten wir uns auf den Weg die Treppe hinunter und brachten unterwegs die Wände des Turms zu Fall. Im Tal brannte noch immer die Palissade, die Sklaven wurden niedergemetzelt und wir – unsere Versionen aus einer früheren Zeit – wunderten sich wer die Rebellion gestartet hatte. Kurz vor dem Ausgang fiel ein besonders großer Brocken Wand auf den Aikar Brazoragh, was ihn für einen Moment außer Gefecht setzte. Diesen Moment nützten wir, zu verschwinden.

Noch auf der Treppe meinte Ifirnia geheimnisvoll, sie müsse ins Tal schauen (was meiner Meinung nach eine ganz dumme Idee war). Sie schoss hinunter und meinte, sie hätte einen bestimmten Ork angeschossen, wollte aber nichts weiter dazu sagen. Oben angekommen meinte Sato, wir müssten M’Darrsla wieder zurückschicken, damit sie uns auf die Zeitreise schicken möge. Sie meinte, sie hätte viele Fragen an den Aikar. Und so nahmen wir Abschied von ihr. Sie kritzelte etwas in mein Buch der Schlange. Ich kann jetzt glücklich sterben – man wird mein Buch der Schlange in Kuslik einrahmen, denn die leibhaftige Mada hat sich in meinem Buch verewigt. Avesandro starrte währenddessen ungewöhnlich still auf die glimmenden Überreste des Lagers unten im Tal. An seinem Hals zeichnete sich rot ein Mal ab, das er schon ein-zwei Tage hatte, doch sonst war er bleich und still und in sich gekehrt.

Da der Aikar „uns“ am nächsten Tag im Sklavenlager finden würde, gab es auch keine Verfolgung, und so führte Ifirnia uns schließlich sicher nach Lowangen.

Ich habe vieles, über das ich nachdenken, forschen und schreiben möchte, aber die ausgemergelten Gesichter der Sklaven im Orkland werden mir lange nicht aus dem Sinn gehen. Ich sage mir ständig, dass ich nicht allen hätte helfen können und schließlich mit ihnen gestorben wäre, aber meine Berufung ist es, Leuten Wissen und Licht der Zwölfe zu bringen, nicht, sie in einem tiefen dunklen Tal ohne Hoffnung zu lassen. Vielleicht hätte ich Avesandro daran hindern sollen, den Ignisphaero zu sprechen, und einen anderen Weg suchen. Vielleicht war es letztlich unsere Mission, Aikar Brazoraghs Frevel an der Menschheit zu tilgen und nicht, Mada zu befreien. Vielleicht habe ich meine Göttin falsch verstanden und Ihr Werk nicht in Ihrem Sinne zu Ende geführt. Hesinde sei mit uns.

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