as I scan this wasted land

und so retteten wir Sailor Moon

Ein Bericht unseres Mannes vor Ort: Sato Leonar Isidorn Cyberian von Greifsmantel.

Seit meinem letzten Brief ist viel Zeit vergangen und es sind Dinge geschehen, von denen ich selbst kaum glauben kann dass sie tatsächlich so passiert sind. Es kommt mir manchmal wie ein Traum vor, aber dann fühle ich wieder die Narben von den schweren Verletzungen die ich davongetragen habe und mir wird klar dass das alles wirklich geschehen ist.

Nachdem wir uns von M’Darrsla verabschiedet haben, reisten wir nach Südwesten, in die ungefähre Richtung in der wir Vashrak vermuteten, die geheimnisvolle orkische Ritualstätte die uns die Vision der Sternengabe gezeigt hatte. Nach etwa einem Tag Reise sahen wir vor uns ein Lager – von weitem sah es so aus als würden einige Sklavenjäger Gefangene tiefer ins Orkland transportieren.

Unsicher wie wir uns verhalten sollten, beschlossen wir uns erst mal darüber zu informieren wer sie sind und was sie hier machen, bevor wir eine unüberlegte und uninformierte Entscheidung trafen. Ich näherte mich ihnen alleine, während die anderen in der Nähe auf der Lauer lagen für den Fall dass die Geschehnisse in Gewalttätigkeiten abdrifteten. Ich machte auf mich aufmerksam und deutete an dass meine Reisegruppe etwas weiter hinten lagerte, um es ihnen nicht zu schmackhaft zu machen mich ebenfalls zu versklaven. Sie behaupteten Tribut in Form von Sklaven an die Orks zu liefern, aber die Lüge war für mich relativ einfach zu durchschauen. Sie hatten außerdem keinerlei andere Handels- bzw. Tributwaren dabei, was meine These unterstützte. Ich zog mich also wieder zurück und zusammen berieten wir dann ob wir etwas unternehmen oder sie unbehelligt weiterziehen lassen sollten. Schließlich siegte unser Gewissen und wir beschlossen die Sklaven zu befreien.

Da die Sklavenhändler nur ein Zelt hatten und in dem alle schliefen, die gerade nicht Wache hatten, kam mir die Idee endlich mal diesen Ignisphaero-Zauber zu verwenden von dem Avesandro immer so schwärmt. Sobald ich die Idee formuliert hatte, war er auch sofort Feuer und Flamme.

Ich hatte eigentlich angenommen, dass der Feuerball in der Mitte des Zelts explodieren würde, leider tat er das schon sobald er die Zeltplane am Eingang berührte und so waren leider einige Sklaven auch noch im Wirkungsbereich des Feuerballs. Die Sklavenhändler waren tot oder flohen aufgrund der beeindruckenden Demonstration magischer Verwüstung und wir hatten alle Hände voll zu tun, die in Panik und teilweise in Brand geratenen Sklaven zu beruhigen und zu versorgen. Zu meinem persönlichen Bedauern befand sich auch Stu unter den Toten, wir haben ihm wirklich nichts als Unglück gebracht.

Avesandro schien es nicht besonders zu stören dass auch ein paar Unschuldige bei seinem Handeln draufgegangen sind und versuchte eine Witwe damit zu trösten indem er ihr einzureden versuchte dass ihr Mann sowieso fremdgegangen ist. Manchmal frage ich mich, ob irgendwo unter all dieser Schminke wirklich ein Mensch steckt, Mitgefühl scheint ihm jedenfalls fremd zu sein.

Wir organisierten die Sklaven etwas und mit der übriggebliebenen Ausrüstung der Sklavenhändler sollten sie es hoffentlich zurück über die Berge schaffen.

Nach zwei weiteren Tagen hörten wir Kampflärm vor uns. Ich machte mir etwas Sorgen, in was für eine Sache wir jetzt wieder hineingezogen werden würden. Als wir die Kämpfenden sahen war die Entscheidung aber sehr leicht auf wessen Seite wir eingreifen sollten.

Ein furchterregender Ork-Stier-Hybrid, von nun an Ork-Zentaur genannt, kämpfte gegen zwei Menschen und hatte gerade den Mann erschlagen und wandte sich der Frau zu als wir auftauchten und ihn dadurch ablenkten. Er erwies sich als höchst gefährlicher Kämpfer, der im ersten Ansturm sofort über mich hinwegtrampelte, was mich schwer verletzt zurückließ. Hjalmar, Ifirnia und Avesandro konnten ihn unter großen Schwierigkeiten bekämpfen und als Ifirnia ihm mit einem glücklichen Schuss eines seiner Hörner abschoss ergriff er die Flucht. Aus dem Horn spritzte eine große Menge Blut auf Ifirnia und zu unserem Entsetzen übertrugen sich die letzten Schläge die wir auf ihn anbrachten auch auf sie, die daran beinahe gestorben wäre. Nur eine zeitige Anwendung eines Heiltranks von Avesandro rettete ihr das Leben.

Wir behandelten unsere Wunden und beruhigten das leicht hysterische Opfer des Zentauren. Sie erzählte uns, dass sie in Begleitung des getöteten Menschen und eines Zwerges der zurück in dem Lager geblieben ist auf Goldsuche im Orkland waren. Man muss meiner Meinung nach schon sehr verzweifelt oder naiv sein, um auf diese Idee zu kommen, aber diese Meinung behielt ich für mich. Wir sprachen noch ein wenig mit dem Zwerg, der schon von Vashrak gehört hatte, aber auch nicht genau wusste wo es lag. Er erzählte uns außerdem von Orks mit weißem Pelz die er vor kurzem in der Nähe gesehen hatte.

Wir hielten uns nicht allzu lange bei ihnen auf und reisten wieder weiter. In dieser Nacht wurden wir leider von Orks überrascht, die uns völlig in ihrer Gewalt hatten und uns wohl an Ort und Stelle umgebracht hätten, wenn dieser spezielle Orktrupp nicht unter der Führung unseres alten Bekannten Grashok Dunkelhand gewesen wäre. Die Götter waren uns wahrhaft gnädig. Er ließ uns dann auch wieder frei und da er unsere beste Chance war jemals das mysteriöse Vashrak zu finden fragten wir ihn nach dem Weg. Da wir selbst kaum wussten, warum wir eigentlich genau nach Vashrak reisten und was wir uns dort erhofften, bestand auch keine Gefahr dass wir ihm zuviel verraten würden.

Er erklärte sich einverstanden uns zu helfen, wenn wir ihm einen oder zwei Gefallen tun würden. Der Gefallen der innerhalb unserer Möglichkeiten lag und den wir ihm auch sehr gern tun wollten war, einen verfluchten Talisman in den Gemächern unseres Widersachers Puschinske zu verstecken. Der andere Gefallen wäre gewesen, Grashok von einer Verzauberung Puschinskes zu befreien die irgendwie mit seinem Gedächtnis zu tun hatte. Leider sind subtile Gegenzauber nicht Avesandros Spezialität, also konnten wir ihm dabei nicht helfen.

Hier lernten wir zum ersten Mal die raue oder besser gesagt auf Brutalität basierende Lebensart der Orks aus nächster Nähe kennen und verabscheuen. Grashok Dunkelhand ist eigentlich nur der spirituelle Führer seines Stammes, auch wenn seine Meinung viel Gewicht hat. Der tatsächliche Häuptling der Orks war schon ein etwas älterer Ork, der uns „Glatthäuten“ nicht wirklich wohlgesonnen war.

Grashok kam dann mit einem Vorschlag zu uns, wie wir uns das Wohlwollen des Häuptlings sichern könnten. Er war schon etwas älter und musste immer wieder beweisen, dass seine Kampfkraft auf voller Höhe war. Wir sollten ihm einen neuerlichen Beweis liefern, damit er von seinen Untergebenen nicht gewaltsam abgesetzt und wir nicht in Folge von den Orks in Stücke gerissen wurden. Wir sollten ihm einen Stierkopf besorgen, mit dem er dann siegreich in sein Dorf zurückkommen könnte. Offenbar sind sich die Orks in ihrer auf Stärke und Macht basierenden Kultur nicht zu schade zu lügen und zu betrügen um sich ihre Macht zu erhalten. Sehr menschlich eigentlich, auch wenn sie mich für so eine Beleidigung erschlagen würden.

Wir besorgten dem Häuptling einen Stierkopf, was wieder mal vorhersehbar darin endete, dass ich beinahe zu Tode getrampelt worden wäre. Meine ganzen Fähigkeiten beim Parieren von Schlägen helfen mir gar nichts, wenn ich ständig von irgendwelchen Monstren angegriffen werde die sich von einer Waffen-Parade wenig beeindruckt zeigen. Aber ich will nicht klagen, immerhin lebe ich noch.

Während wir darauf warteten, dass die Orks uns zum Hochrat der Orkschamanen bringen würden, der darüber entscheiden würde wer nach Vashrak darf und wer nicht, suchten wir nach einem Weg den Fluch von Ifirnia zu entfernen den sie über sich gebracht hatte, als sie das Horn des Orkzentauren abgeschossen hatte. Laut Grashok konnte das nur ein mächtiger Zauber eines alten Feindes des untergegangenen Orkreiches schaffen, wie zum Beispiel ein Einhorn.

Die Chance in ein paar Tagen ein Einhorn zu finden war nicht besonders groß, aber die Götter waren uns gnädig, denn wir fanden tatsächlich die Spur eines Einhorns. Wir folgten der Spur und fanden ein schwer verletztes Einhorn das offenbar gerade einen Kampf mit dem Orkzentauren hinter sich hatte. Wir behandelten es so gut wir konnten und erklärten ihm Ifirnias Problem. Wortlos berührte das Einhorn Ifirnia mit seinem Horn und der Fluch war von ihr genommen.

Um eine Sorge leichter reisten wir einige Tage später mit den Orks zum Tor von Vashrak. Grashok erklärte uns dass Vashrak eine uralte Begräbnisstätte der Orkschamanen ist und eigentlich hinter einem Tor zu einer Feenglobule liegt, die einst vom alten Orkreich erobert und zweckentfremdet worden war. Das beantwortete eine Frage und warf unzählige weitere auf. Was sollten wir dort, weshalb führte uns die Vision hierher, wie hängt der Stein und M’Darrsla damit zusammen und so weiter.

In Vashrak angekommen bekamen wir auch bald eine Audienz bei den Orkschamanen, die es unerhört fanden dass Glatthäute ihre heilige Begräbnisstätte entweihen wollten, auch wenn wir beteuerten dass wir nur Wissen suchen. Zeitgleich hatten aber auch weißbepelzte Orks die zum Kriegsherrn Uigar Kai gehören angesucht nach Vashrak eingelassen zu werden. Offenbar gibt es sowas wie einen politischen Zwiespalt zwischen dem dem obersten Schamanen Aikar Brazoragh und diesem Uigar Kai, was in diesem Fall zu unserem Vorteil gereichen sollte. Denn obwohl die Mehrheit der Schamanen dagegen war uns Einlass zu gewähren, wollten einige lieber uns als Außenstehende in diesem Konflikt den Einlass gewähren als dieser anderen Orkfraktion. Eine endgültige Entscheidung wurde aber nicht gleich gefällt und so blieben uns ein paar Tage um genügend Schamanen auf unsere Seite zu bringen. Ob Manipulation, Erpressung oder Austausch von Gefallen blieb uns überlassen.

Wir entschieden uns dann für zwei leichte Ziele. Einer der Schamanen hatte Angst davor, mit zunehmendem Alter immer seniler zu werden und sein Wissen zu verlieren dass es ihm ermöglichte seine Stellung zu halten. Also beschloss Flavia im besten Sinne ihrer Göttin Wissen zu verbreiten, indem sie ihm Lesen und Schreiben beibrachte. Mit einem vereinfachten und angepassten Alphabet aus Kusliker Zeichen, aber ausreichend für die Zwecke des Schamanen.

Wir haben viel darüber diskutiert, ob es klug war den Orks die durchaus eine beträchtliche Gefahr für die zivilisierten Länder und auch für Thorwal darstellten, die Schrift zu bringen. Aber ich glaube dass dieser Ork gar nicht daran denkt seine Kollegen oder irgendjemand anderen in dieses Geheimnis einzuweihen. Die meisten Orks würden auch gar nicht den Vorteil darin sehen, es ist letzten Endes eine Krieger-Kultur. Und selbst wenn es dazu kommen würde, so denke ich dass Barbaren denen man die Zivilisation bringt keine Barbaren mehr sind und die tatsächliche Gefahr durch die Orks dadurch sinken würde.

Einen weiteren Schamanen brachten wir auf unsere Seite, indem wir ihm ein Oger-Junges brachten, da er offenbar unfähig war sich selbst eines zu besorgen und deshalb von den anderen Schamanen ausgelacht wurde. Rate mal wie der Kampf gegen die Oger ausgegangen ist? Richtig, die erste Attacke der nicht parierbaren Ogerkeule hat mich schwer verletzt aus dem Kampf geworfen. Onkel Edorian sagt immer “Was dich nicht umbringt macht dich härter”, aber daran beginne ich langsam zu zweifeln, ich fühl mich kein bisschen härter, eher im Gegenteil … weichgeklopft.

Mit diesen beiden Schamanen hatten wir endlich genug auf unserer Seite dass wir Zugang zu Vashrak erhielten. Am nächsten Tag versammelten sich die Hochschamanen am großen, halbverfallenen Torbogen um das Ritual durchzuführen das den Durchgang in die Feenglobule öffnet. Dazu wurde von uns verlangt, dass wir Blut in eine Schale vergossen. Zu diesem Zweck hatten sie eine fürchterlich misshandelte Elfe gefesselt aufgehängt, die wir ausbluten sollten. Ich, und in weiterer Folge alle anderen weigerten uns und schnitten uns stattdessen selber in die Hand, aber jetzt im Nachhinein ist mir klar geworden dass ich nicht das Richtige getan habe. Ich hätte versuchen sollen sie zu befreien, was mir wohl nicht gelungen wäre, oder sie zumindest von ihrem Leiden zu erlösen, aber dazu war ich zu diesem Zeitpunkt zu feige. Die Götter mögen mir verzeihen.

Anschließend schritten wir durch das Tor und fanden uns in einem unterirdischen Bereich wieder, der diffus erleuchtet und voll mit Säulen war, die ihn sehr unüberschaubar machten. In den Säulen waren die mumifizierten Leichen von alten Orkschamanen eingemauert. Wir sahen uns kurz um, doch wurden schnell von einem alten Bekannten, dem Orkzentauren angegriffen. Zum Einstand trampelte er mich nieder. Während ich von unten den Kampf beobachtete, fiel mir auf dass wenn der Zentaur eine Säule zerstörte aus der Leiche der Geist des Orkschamanen emporstieg und dieser daraufhin offenbar eine einzige Frage beantwortete, bevor er wohin-auch-immer entschwand.

Für ausgefeilte Fragen blieb im Kampf allerdings keine Zeit, also konzentrierten wir uns vor allem darauf den Zentauren ein für alle Mal zu erledigen. Diesmal konnte er uns nicht mehr entkommen, was auch fast nicht notwendig gewesen wäre. Ifirnia bildete sich aus irgendeinem Grund ein, dass es eine gute Idee wäre ihm auch das zweite Horn abzuschießen, obwohl sie beim letzten Mal fast daran gestorben wäre und es ihn nicht wirklich gestört zu haben schien. Leider gelang ihr das auch, sie bekam wieder Blut ab und teilte fortan (wieder) seine Wunden. Nur die reichliche Anwendung von Heiltränken, die unsere mageren Ressourcen noch mehr beanspruchte, konnte sie am Leben halten. Ich muss mich mit ihr einmal über den Wert von schlechten Erfahrungen und die zukünftige Vermeidung derselben unterhalten.

Schließlich haben wir es unter großen Schmerzen und Anstrengungen geschafft den Bastard endlich umzubringen. Nachdem ich noch einmal auf die Leiche gespuckt habe, machten wir uns daran rauszufinden was die alten Orkschamanen über unsere Sternengabe wussten. Wie sich bald herausstellte, wussten die in der Haupthalle gar nichts, aber zumindest konnten sie uns an eine Nebenhöhle verweisen, in der offenbar die wichtigsten Schamanen begraben wurden. Leider machte die wiederholte Zerstörung von Säulen der strukturellen Integrität der Höhle zu schaffen und unter beängstigendem Knirschen bildeten sich Risse in der Decke und Staub begann auf uns herabzurieseln.

Trotz allem konnten uns die toten Hochschamanen einiges über die Sternengabe verraten. Der Stein, den wir die ganze Zeit mit uns herumgeschleppt hatten war offenbar gar nicht die richtige Sternengabe, sondern nur ein Wegweiser zu derselben. Und wie sich herausstellte, hatte er uns bereits den Weg zur ihr gewiesen, denn niemand anderer als M’Darrsla selbst war die Sternengabe. Auf die Frage was die Sternengabe sei, bekamen wir zur Antwort sie wäre die wiedergeborene Mada, die in einem endlosen Zyklus in den Fesseln einer sterblichen Frau reinkarniert, ohne sich dessen bewusst zu sein. Während die Höhle bereits einzustürzen begann, riskierte ich noch eine letzte Frage und wir erfuhren etwas das sich als sehr entscheidend herausstellen sollte. Wenn die Sternengabe erfährt dass sie die wiedergeborene Mada ist, kann sie ihre Fesseln abschütteln.

Wir retteten uns im letzten Moment durch einen Sprung in den schwarzen See in der Mitte der Begräbnisstätte, der als Ausgang diente, und kamen wieder in der wirklichen Welt heraus, während hinter uns der Torbogen von Vashrak einstürzte und die heilige Kultstätte der Orks in der sie seit Jahrhunderten ihre Orkschamanen begraben damit endgültig vernichtet war.

Trotz meiner überzeugenden, glaubhaften und fast wahrheitsgemäßen Darlegungen, dass eigentlich der Orkzentaur dafür verantwortlich war, waren die Orks sehr erzürnt darüber dass wir eines ihrer wichtigsten Heiligtümer zerstört hatten. Dabei war das nicht mal Absicht. Nur Grashoks Fürsprache rettete uns vor einer sofortigen, blutigen Vollstreckung der Todesstrafe. Langsam frage ich mich wirklich, warum er das alles für uns macht, damit hat er sich schon ziemlich exponiert.

Es wurde dann beschlossen, uns als Sklaven zum nächsten Orkheiligtum zu bringen, damit wir auch dieses völlig zerstören …, ich meine beim Bau helfen können. Manchmal frage ich mich schon was in den Köpfen dieser Orks vor sich geht, aber ich will mich nicht allzu laut beklagen, schließlich ist das der Grund warum wir noch leben, Phex sei Dank.

In der Zwischenzeit haben wir erfahren, dass M’Darrsla SCHON WIEDER von Orks eingefangen und zu genau demselben Orkheiligtum gebracht worden war, zu dem auch wir gebracht wurden. Bei all den Zwölfen, kann diese Frau und wiedergeborene Mada nicht mal 3 Schritte machen, ohne dabei von Orks gefangen zu werden? All die Strapazen, Anstrengungen, Lebensgefahr, Schmerzen, Verletzungen, Krankheiten und sonstige Unannehmlichkeiten die wir erdulden mussten, während wir wochenlang einen Trupp Orks durch die übelste Wildnis verfolgten nur um sie aus deren Klauen zu befreien war komplett für NICHTS gewesen, weil sie sich kurz nachdem wir uns getrennt hatten SCHON WIEDER einfangen hat lassen. Ich habe mich ein wenig echauffiert, muss ich zu meiner Schande gestehen.

Über unsere Versklavung machte ich mir keine besonders große Sorgen, so gewaltige Kompetenz hatten die Orks bis jetzt nicht an den Tag gelegt. Ich nahm an es würde sich schon etwas ergeben das es uns erlauben würde aus der Sklaverei zu entkommen und M’Darrsla zu befreien. Nach einigen Tagen Reise in einem Käfigwagen, die deutlich bequemer war als selbst zu Fuß gehen zu müssen, obwohl ich mein Polster schmerzlich vermisste, kamen wir an unserem Bestimmungsort an.

Es war ein runder, etwa 200 Schritt tiefer Talkessel mit steilen Wänden, in die eine Steintreppe gehauen war die sich an der Wand über eineinhalb Umdrehungen nach unten wand. In der Mitte stand ein auf gewisse Weise sehr beeindruckendes Bauwerk, ein Turm der sich beinahe selbst 200 Schritt in die Höhe streckte. Trotz der unkoordinierten, chaotischen Bauweise der Orks stand er noch immer und sah auch nicht so aus als würde er jeden Moment einstürzen. Man sah dass es der Aikar Brazoragh sehr ernst nahm mit seinen Bestrebungen einen Turm bis in den Himmel zu bauen. Die Logik, warum er damit in einem 200 Schritt tiefen Talkessel begann, entzog sich jedoch meinem Verständnis. Vielleicht wollte er die extra Herausforderung, weil es sonst zu einfach gewesen wäre? Orks, schlimmer als Frauen…

Wir sahen sehr viele Ork-Krieger, sowie auch die persönlichen Elite-Wachen des Aikar Brazoragh selbst, die zusammen mit ihm in den oberen Stockwerken des Turms residierten. Wir wurden unzeremoniell ins Sklavenlager gesteckt, in dem furchtbare Zustände herrschten. Da es zu wenig Essen gab und die Orks es nicht interessierte wer wieviel bekam, nahm sich jeder was er kriegen konnte. Die Stärkeren bekamen mehr und die Schwächeren weniger und wurden dadurch noch schwächer. Wir sahen einige völlig ausgemergelte Leute, die in den nächsten Tagen wohl sterben würden. Flavia war darüber sehr schockiert und konnte nur wenig Trost spenden, aber auch das war offenbar schon genug, denn die Leute ließen sich nicht davon abhalten zu ihr zu kommen und ihr auch ein wenig Essen mitzunehmen. Als sie versuchte ein paar Sterbenden mit dem was ihr übrigblieb zu helfen, wurde sie natürlich sofort von Avesandro angeschnauzt, sie solle gefälligst zuerst dafür sorgen dass wir nicht verhungern. Er hatte nicht ganz unrecht, aber seine Art war wieder völlig unter jeder Kritik.

Ein muskulöses Mannsweib namens Alrike hatte gleich nachdem wir das Lager betreten haben Avesandro angemacht und in seiner gewohnt charmanten Art hat er versucht sie lächerlich zu machen und zu provozieren. So wie den meisten von uns war ihm der Ernst unserer Lage noch nicht ganz bewusst geworden – das sollte sich in den nächsten Tagen rasch ändern. Während die Zauberkundigen ständig mit metallenen Handfesseln herumlaufen mussten, die ich immer heimlich in der Nacht abnahm und am Morgen wieder anbrachte, damit sie ihre magische Kraft regenerieren konnten, wurden wir alle tagsüber schonungslos bis zum Zusammenbruch geschunden, unabhängig davon ob wir ausdauernd genug dafür waren oder nicht. Oliandra brach mehr als einmal bewusstlos zusammen und auch ich, Flavia und Avesandro waren meist völlig erschöpft. Nur Hjalmar und Ifirnia haben es halbwegs gut überstanden, aber auf Dauer würden auch sie von diesem Arbeitsrhythmus gebrochen werden.

Hjalmar gesellte sich rasch zu Alrike und ihrem Schlägertrupp, denn offenbar hatten sie schon so etwas wie einen Ausbruchsplan geschmiedet, in den wir gut hineinpassen würden. Wenn wir ein Loch in die Umzäunung sprengen konnten, was Avesandro wohl hinkriegen würde mit einem gezielten Ignisphaero, dann würde man die Ablenkung nutzen um an einer anderen Stelle heimlich auszubrechen. Dabei würden zwar dutzende, wenn nicht hunderte Sklaven von den Orks niedergemetzelt werden, aber wir hatten keine bessere Wahl.

Soweit wir konnten, versuchten wir uns vorzubereiten, aber der Ausbruch lag noch einige Tage in der Zukunft. Nach einem besonders anstrengenden Tag, nachdem ich nur noch taumeln konnte, wurden wir plötzlich geweckt. In der dem Turm zugewandten Seite der Umzäunung war ein Loch in gesprengt worden. Da Avesandro ebenfalls gerade erst aufwachte, war es offensichtlich dass er es nicht gewesen war.

Völlig ausgelaugt und unvorbereitet für einen verfrühten Ausbruchsversuch, versuchten wir das Beste daraus zu machen, folgten Alrike und brachen an einer anderen Stelle halbwegs unbemerkt aus. Alrikes Trupp versuchte sich unbemerkt zum Zugang zur Treppe nach oben durchzuschlagen, während wir noch darüber diskutierten dass wir eigentlich versuchen sollten M’Darrsla zu erreichen wegen derer wir eigentlich hier waren, oder zu verschwinden.

Das ganze wurde jedoch sogleich müßig, als wir Lichter von der Spitze des Turms aufblitzen sahen. Wenig später begannen große Teile des Bauwerks einzustürzen und der Turm neigte sich gefährlich in Richtung des Treppenaufgang. Dort konnten wir nicht mehr hin, da uns sonst die Mauerbrocken erschlagen hätten. Auch jede andere Richtung war uns mittlerweile versperrt, da wir von allen Seiten von Orks umstellt waren, unter anderem auch den Elite-Wachen des Aikar Brazoragh, die beim ersten Anzeichen von Schwierigkeiten offenbar Order hatten hinauszueilen um für Ordnung zu sorgen.

Wir hatten keine andere Wahl, als uns zu ergeben. Wir wurden wieder in die Sklavenquartiere gepfercht während die Orks den Rest des Lagers offenbar durchsuchten auf der Suche nach den Angreifern die den Turm beinahe zum Einsturz gebracht hätten. Dieser blieb verwüstet und windschief stehen stürzte aber nicht komplett ein. Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir uns gleich bis zum Tor durchkämpfen können. Aber vermutlich war es gut dass wir es nicht getan haben.

Am nächsten Morgen wurden wir alle in einer Reihe aufgestellt und der Aikar selbst, den wir vorher noch nie persönlich gesehen hatten, schritt die Reihe der Sklaven ab und musterte jeden einzelnen. Bei uns blieb er schließlich stehen und war etwas überrascht, so als ob er uns wiedererkennen würde. Dann fragte er uns warum wir so dumm wären uns hier unter den Sklaven zu verstecken und befahl seinen Kriegern uns abzuführen. Die Suche nach den Angreifern wurde daraufhin auch abgeblasen. Wir waren völlig verwirrt als man uns erklärte wir wären diejenigen gewesen, die letzte Nacht auf der Spitze des Turms den Aikar angegriffen und den Turm beinahe zerstört hätten. Wo wir doch wussten, dass wir es nicht gewesen sind, weil wir zu dem Zeitpunkt verzweifelt am Fuß des Turms um unsere Freiheit kämpften.

Wir wurden in eine vergleichsweise sehr komfortable Zelle gebracht, bekamen genug zu Essen und eine erholsame Nachtruhe, bevor uns am nächsten Tag der Prozess gemacht werden sollte. Grashok kam uns noch einmal besuchen und war ob unseres Verhaltens auch etwas enttäuscht. An seinem Gesicht ließ sich ablesen dass er genauso verwirrt war als wir ihm erklärten dass wir zu Unrecht vom Aikar Brazoragh bezichtigt wurden. Und das entsprach diesmal sogar der Wahrheit, zumindest zu diesem Zeitpunkt.

Am nächsten Tag wurden wir in die Zeremonienkammer gebracht die relativ weit unten in der Mitte des Turms war. Vor seinen versammelten Hochschamanen machte der Aikar einen sehr kurzen Prozess mit uns. Im Grunde beschuldigte er uns ihn angegriffen zu haben und verkündete im nächsten Satz unser Todesurteil durch Opferung. Auch M’Darrsla war anwesend, obwohl wir sie eigentlich entführt haben sollten, aber sie war sehr nervös, fahrig und schweißgebadet. Es schien als würde sie vor einer schweren Entscheidung stehen und wüsste nicht was sie tun sollte. Gerade als der Aikar das Opfermesser dem ersten an die Kehle setzen wollte, meldete sie sich schließlich mit Worten die ich nie vergessen werde: “Ich danke Euch dass Ihr mir gezeigt habt, wer ich wirklich bin. Ich habe mich entschieden, das hier ist nicht mein Weg.” Der Aikar schrie wutentbrennt auf, und während sie und alle Orks langsam durchscheinend wurden sagte sie noch zu uns: “Es tut mir leid, aber ich kann euch nicht vor hier wegbringen.”

Und dann waren wir allein im Zeremonienraum, es war still und dunkel. Völlig verwirrt versuchten wir herauszufinden was passiert war, und als wir den roten Mond am Himmel stehen sahen, wurde uns langsam klar was M’Darrsla vollbracht hatte. Es war die Nacht des fehlgeschlagenen Ausbruchs, sie hatte uns in der Zeit zurückgeschickt! Während uns langsam all die Implikationen dämmerten die diese Erkenntnis mit sich brachte, rüsteten wir uns in der Trophäensammlung des Turms aus, um einen Ausbruch zu wagen.

Rasch wurde uns klar wie wir vorzugehen hatten. Avesandro würde einen Ignisphaero vom Turm aus auf die Umzäunung des Sklavenlagers werfen und somit die Massenflucht auslösen. Das würde die Elitegarde des Aikar auf den Plan rufen, die sofort nach draußen eilen würde um den Aufstand niederzuschlagen. Das sollte uns den Weg freimachen um zu M’Darrsla zu gelangen.

So geschah es dann auch, das einzige Problem war dass M’Darrsla an der Turmspitze in Gesellschaft des Aikar Brazoragh war. Hjalmar und ich verwickelten ihn in einen Kampf, konnten ihn jedoch nicht mal wirklich ankratzen. Wir konnten uns seiner Schläge mehr oder weniger erwehren, hier machte sich zum Glück mein Talent beim Parieren bezahlt, aber auf Dauer schien es als ob wir unterliegen würden. Also versuchte Flavia mit M’Darrsla von der Turmspitze zu flüchten. Dagegen hatte der Aikar aber etwas und beschwor ein Paar Elementargeister die Flavia beinahe getötet hätten. Im letzten Augenblick vernichtete M’Darrsla die Geister mit einem hellen Blitz aus ihrem Kristall. Flavia sprach dann ein Stoßgebet an Hesinde und wir wurden Zeuge eines der direktesten Eingriffe der Götter in sterbliche Angelegenheiten die ich je erlebt habe. Wir wurden erfüllt vom Wissen Hesindes und sahen plötzlich all die strukturellen Schwächen des Turms in hellem Licht erstrahlen. Wir nutzten dieses Wissen, um den Aikar immer wieder aufzuhalten, unter Trümmerbergen zu verschütten und dabei den Turm beinahe zum Einsturz zu bringen, während wir so rasch wie möglich die Außentreppe des Turms hinabliefen.

Endlich waren wir dann unten und der Aikar nicht mehr zu sehen. Da wir als einzige wussten dass der Turm, obwohl er sich gefährlich neigte, nicht auf das Ausgangstor aus dem Tal stürzen würde, konnten wir unbehelligt dorthin und dadurch heimlich aus dem Tal entfliehen.

Aus dem Tal entkommen, hatten wir endlich etwas Zeit und auch die Gelegenheit mit M’Darrsla zu sprechen. Während ich mit M’Darrsla sprach, sah Avesandro schuldgeplagt auf das Chaos und die vielen Dutzend Toten hinab, für das er indirekt verantwortlich war. Vielleicht ist unter all den Schichten von Schminke doch irgendwo ein Mensch verborgen.

Ich versuchte M’Darrsla klarzumachen, dass sie die in einer sterblichen Hülle wiedergeborene Mada ist. Meine Worte schienen jedoch nur sehr langsam durchzudringen, es schien fast so als würde etwas sie an dieser Erkenntnis hindern wollen. Sie war verwirrt, eingeschüchtert und sagte sie wüsste nicht was von ihr erwartet werde. Ich habe sie so gut es mir möglich war beruhigt und ihr versichert dass wir überzeugt waren sie würde das Richtige tun. Ich wollte ihr nicht direkt sagen, dass sie uns in der Zeit zurückschicken musste, aber sie beschloss aus eigenem Antrieb zum Aikar zurückzukehren, da sie ihn etwas fragen müsste. Als wir uns verabschiedeten, schien sie bereits etwas gefestigter und selbstsicherer, auch wenn sie noch immer sehr verloren wirkte.

Es muss grausam sein, zu erfahren dass man gar kein Mensch ist sondern eine Hülle für eine gefangene Göttin, die alle nur als Werkzeug benutzen wollen. In all der Zeit in der wir sie kannten haben wir sie jedoch immer freundlich behandelt, ihr geholfen ohne etwas dafür zu verlangen und obwohl wir letzten Endes keinen Erfolg hatten sie vor den Klauen der Orks zu bewahren, hat das alles dazu beigetragen, dass sie uns vertraut hat und nicht dem Aikar.

Nach dem Abschied reisten wir dann in Richtung Lowangen und wurden dabei nicht von den Orks verfolgt, da sie uns am nächsten Tag ja fassen würden. Oder eine frühere Version unserer Selbst. Verwirrend.

Ein einziges Paradoxon ist mir jedoch aufgefallen, als ich mir beim Schreiben dieses Briefes die Geschehnisse wieder in Erinnerung gerufen habe. M’Darrsla schickt uns in der Zeit zurück, weil wir ihr gesagt haben, wer sie wirklich ist. Wir konnten ihr aber nur sagen wer sie wirklich ist, weil sie uns in der Zeit zurückgeschickt hat. Die Ursache wird zum Effekt und erschafft sich aus dem Nichts. Ich hoffe Satinav nimmt uns das nicht übel, es war nicht unsere Schuld!

Erst langsam wird mir die Tragweite der Geschehnisse bewusst. Wir sind Mada selbst begegnet, wenn auch nur in ihrer menschlichen Gestalt! Wir haben verhindert dass sie sich mit den Orks verbündet und diese mit der unbeschreiblichen magischen Macht der Göttin der Magie das Mittelreich vom Antlitz Deres brennen. Gleichzeitig haben wir das unbeschreibliche Elend der Sklaven der Orks aus erster Hand erlebt und waren nicht in der Lage ihnen zu helfen, im Gegenteil, wir waren am Ende für den Tod von vielen von ihnen verantwortlich.

Ihr Tod war nicht vergebens, aber das ist ihnen wohl nur ein geringer Trost. Auch ich habe einige schlaflose Nächte damit verbracht darüber zu grübeln, ab wann der Zweck die Mittel nicht mehr heiligt. Zu einer Lösung bin ich bis heute nicht gekommen.

Ich schreibe dir diesen Brief aus Lowangen und werde wohl bald wieder in Gareth ankommen, ich hoffe dann können wir über alles reden.

Dein Sato

Anhang 1: Portrait des Aikar Brazoragh
Anhang 2: Skizze von Aikar Brazoraghs Turms
Anhang 3: Bild einer angeketteten Mada/M’Darrsla, die unter einem vollmondbehangenen Nachthimmel Tränen vergießt, aus denen sich die Sternengabe formt

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