as I scan this wasted land

du sollst brennen

Ein Bericht unseres Mannes vor Ort: Sato Leonar Isidorn Cyberian von Greifsmantel.

Ich schreibe dir hier aus Lowangen. Unser Aufenthalt hat sich durch einige Komplikationen länger gestaltet als wir vorhatten, aber wir sind jetzt kurz vor dem Aufbruch. Obwohl es in Lowangen noch einige unerledigte Dinge gibt, werden wir hier verschwinden. Die Gefahr, dass Puschinske die Sternengabe doch noch in die Finger bekommt ist einfach zu groß.

Kurz bevor wir noch nach Lowangen kamen, fanden wir im Wald eine seltsame Eule, ich habe sie Lassie getauft, die sich unnatürlich verhielt und uns zu einer anderen, relativ schwer verletzten Eule führte, ich nenne sie mal Timmi. Eulen sind mir eigentlich ziemlich egal, aber Oliandra schwor dass es sich dabei um Leanne handelte, die irgendwie verzaubert war. Avesandro bestätigte, dass sie tatsächlich magisch war, aber ich konnte nicht erkennen ob er das wirklich erkannt hat, oder ob er sich nur bei Oliandra einschleimen wollte, nachdem er sie wieder den ganzen Abend mit ihrer Ungeschicklichkeit genervt hat. Mit viel Aufwand und einigen Verletzungen haben wir die Eule geheilt und als sie abhauen wollte aus irgendeinem Grund wieder eingefangen. Lassie fand das nicht so toll und obwohl ich nur helfen wollte, ist er ständig über meinen Kopf geflattert und hat auf mich eingepickt. Ab da wollte ich mit dem Vieh nichts mehr zu tun haben.

Mit Timmi im Sack erreichten wir Lowangen. Hjalmar und Ifirnia kampierten draußen, da sie ja noch immer gesucht wurden. Oliandra wollte aber unbedingt hinein, weil sie ja Timmi retten und deswegen andere Hexen kontaktieren wollte. Also verkleidete ich sie und so gelangten wir halbwegs problemlos in die Stadt. Wir quartierten uns im Salamanderstein ein und waren nach einem geschlagenen halben Jahr endlich wieder in zivilisierteren Gefielden. Gedanken an ein weiches Bett, einem sauberen Polster und ein heißes Bad hatten offenbar meine Aufmerksamkeit völlig in Anspruch genommen, denn als vor meiner Tür plötzlich Ariana Melethaniem auftauchte, reagierte ich nicht wie ich hätte sollen. Anstatt ihr einen Dolch in den Bauch zu rammen und anschließend für eine Verbrennung auf dem Scheiterhaufen zu sorgen, wie es einer Frevlerin und Verbrecherin vor den Augen Praios gebührte, ließ ich sie in mein Zimmer. Die Begegnung verlief ähnlich wie unsere letzte; nach wenigen Sekunden war ich ihr bester Freund. Solcherart verzaubert, führte ich sie zu dem Ort wo wir die Sternengabe zurückgelassen hatten, nämlich zum Lagerplatz von Hjalmar und Ifirnia.

Zum ersten Mal gereichte mir mein mangelndes Orientierungsvermögen zum Vorteil. Ich irrte einige Zeit in der Gegend herum, wo ich das Lager vermutete, aber es war finster, im Wald sieht jeder verdammte Baum wie der andere aus und ich fand gar nichts. In meinem benebelten Zustand bekam ich nicht einmal mit, wie Ariana mit ihren Verbrecherkumpels beratschlagte wie sie mich am besten ermorden konnten. Zum Glück war mein Ausflug mit der Schlampe Ariana im Gasthaus nicht unbemerkt geblieben – Oliandra fand mich schließlich und machte mich auf meine Angreifer aufmerksam. Die Schlampe war gerade außer Sichtweite und so konnte ich ungehindert vor meinen Angreifern flüchten, jedoch nicht vorher den Zwerg und den Halbelfen zu identifizieren. Die Finsternis war für sie genauso hinderlich wie für mich, und so schickte ich Oliandra wieder zurück, während ich mich in die Büsche schlug. Es war einige Male ziemlich knapp und die Schlampe hatte tatsächlich die Dreistigkeit zu versuchen mich zurückzulocken. Durch die Umstände durchschaute ich sie endlich und der Zauber brach glücklicherweise. Den Rest der Nacht verbrachte ich damit, meine Spuren zu verwischen und mich ohne Rast und Pause durch den Wald zu schlagen.

Am nächsten Morgen war ich völlig übermüdet, zerkratzt und erschöpft, aber noch am Leben. Einen Baum als erhöhten Ausblickspunkt nutzend erkannte ich die Mauern Lowangens in der Ferne und eine Rauchsäule in der Nähe. In der Hoffnung auf zivilisierte Menschen zu stoßen, bewegte ich mich in diese Richtung.

Doch anstatt eines Lager- oder Kaminfeuers fand ich die schwelenden und teilweise noch brennenden Ruinen eines Bauernhofs vor. Die Leichen der Bauernfamilie lagen auf dem Hof, jedoch waren keine Kinder darunter. Nachdem ich die Szene einige Minuten beobachtet hatte und keine Lebenszeichen zu sehen waren, begann ich die noch nicht brennenden Gebäude zu durchsuchen. Und tatsächlich fand ich auf einem Scheunenboden einen Jungen und zwei kleine Mädchen. Ich beruhigte sie indem ich ihnen meinen Namen nannte. Auf zwei Pferden, die den Überfall der Orks überlebt hatten, machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Ich lieferte sie und die Pferde bei ihrem Onkel ab, der mir dafür sehr dankbar war. Er ist Mitglied der Schreinergilde und der Name Greifsmantel steht bei ihm und seiner Familie jetzt in hohem Ansehen.

Im Salamanderstein und fiel völlig erschöpft in einen tiefen Schlaf aus dem ich erst am nächsten Tag wieder erwachte. Als wären die Strapazen und Lebensgefahr der vergangenen Nacht nicht genug gewesen, stellten wir am nächsten Tag fest, dass wir auch noch bestohlen worden waren. Unsere Sachen waren durchwühlt worden und uns fehlte einiges an Geld. Die Stadtwache war wenig hilfreich, und da wir die Kralle der Macht verdächtigten war uns klar dass wir uns unser Geld wohl selbst wiederbeschaffen müssten. Den Tag über holte ich Erkundigungen über Puschinske, die Kralle der Macht und andere Diebe ein, die für die Tat eventuell in Frage kämen. Ich fand sogar eine Gruppe Phexgeweihter, die jedoch außer der Information dass momentan sehr viele unabhängige Gruppen und Einzelpersonen operierten, wenig Hilfreiches beitragen konnten. Der Sternenregen hat offenbar sämtliches Gesindel des ganzen Kontinents angezogen. Außerdem hatten wir eine Unterredung mit der Kommandantin der Stadtwache und sie versprach, uns den Namen der Magiern zukommen zu lasen, die damalss den Ork gefangen hatte, der vor seiner Hinrichtung eine Aussage gegen uns gemacht hatte.

Am Abend begleitete ich dann noch Flavia zu ihrer Verabredung, offenbar hatte sie vor sich endlich flachlegen den Hof machen zu lassen, Avesandro war deswegen ganz außer sich. Keine Ahnung was er hat, er tut fast so als wäre sie seine kleine Schwester.

Aber für diese Dramen hatte ich keine Zeit. Avesandro und ich wollten uns eigentlich unser gestohlenes Gold wiederbeschaffen gehen. Als er dann nach gefühlten Stunden endlich soweit war, gingen wir zum Orkentod wo er in der Nähe herumlungerte, während ich mich im Schlafsaal einquartierte und darauf wartete, dass die Sackgesichter endlich schlafen gingen. Mit knirschenden Zähnen sah ich zu wie sie unser schwer verdientes Gold verprassten. Endlich gingen die meisten schlafen, aber der Zwerg und ein paar Hartgesottene (oder Bewustlose) feierten endlos weiter. Eigentlich sah der Plan vor, dass Avesandro und ich unter dem Schutz seines Stillezaubers – eines der wenigen subtilen Dinge die Avesandro beherrscht – die Zimmer der Schlafenden durchsuchten. Aber da sich die Gelegenheit bot, das Zimmer des Zwerges in seiner Abwesenheit zu durchsuchen, tat ich das und fand in einer gut verschlossenen Truhe mit Zwergenschloss tatsächlich genau den Betrag wieder, den sie uns gestohlen hatten. Offenbar haben sie das getrennt aufbewahrt. Ich sah die Aufgabe als erledigt an, forderte den Fuchs nicht weiter heraus und stieg aus dem Fenster aus. So leicht ließ er mich aber nicht davonkommen, denn ich verfing mich mit dem Hosenbein an einem Nagel und schlug mit dem Kopf gegen die Wand. Als die Sterne wieder auf das übliche Maß eines sternenbehangenen Nachthimmels abgeklungen waren, konnte ich mich aber problemlos befreien und noch immer unbemerkt meinen Abgang machen. Avesandro war erstaunt ob meines raschen Erfolges – und meiner Kopfwunde – aber heilte sie schlussendlich ohne allzu lange nachzubohren.

Am nächsten Morgen war auch Oliandra wieder da und Timmi war offenbar gerettet. Genauere Details wollte ich gar nicht wissen, die Gefahr dass mir am Ende Lassie wieder die Augen auspicken wollte war mir zu hoch.

Wir bekamen auch endlich die Information, wer damals den Ork gefangen und der Stadtwache übergeben hatte. Es war eine Magierin, die offenbar häufig mit Puschinske zusammenarbeitete. Das wandelte sie in unseren Augen langsam von einer Zeugin in eine potentielle Täterin. Avesandro und ich beschlossen sie zu besuchen und zu dem Vorfall zu befragen, aber sie war nicht zuhause. Zum Glück war ihre Tür praktisch offen, ich meine wer so ein Schloss an seiner Tür anbringt, den stört es offenbar nicht wenn Leute ein- und ausgehen. So betraten wir ihre Wohnung. Zufällig stolperten wir in einem verschlossenen Geheimfach in ihrem Schreibtisch auf ein kleines, schwarzes Büchlein in dem sie offenbar all ihre Tätigkeiten und Transaktionen dokumentierte, von denen nicht jeder wissen sollte. Unter anderem war dort zeitnah am Datum an dem sie den Ork ablieferte notiert dass sie einen Zauber erfolgreich gewirkt hatte. Avesandro informierte mich dass es sich dabei um einen Gedächtnis manipulierenden Zauber handelte. Das Buch selbst war zwar kein Beweis für unsere Unschuld, aber in den richtigen Händen wäre es sehr wohl ein Beweis für ihre Schuld.

Also nahmen wir es mit als Verhandlungsbasis und suchten sie in ihrem Geschäftslokal auf, welches ausgerechnet ein Hinterzimmer des Orkentods war. Wieder eine andere Verkleidung wählend besuchten Avesandro und ich sie. Ich ließ das Buch in Avesandros Obhut zurück und unterbreitete ihr meinen Vorschlag. Sie würde die Kommandantin der Stadtwache von unserer Unschuld überzeugen und dafür fände das Buch nicht seinen Weg in die Hände von Leuten, die damit etwas anfangen könnten. Bannstrahlern zum Beispiel. Der Handel war nicht nach ihrem Geschmack, ich konnte ihre verletzte Arroganz beinahe riechen, aber letzten Endes willigte sie ein. Auch sie ist eine Magierin mit einem Berufsethos, das ihr, wenn es nach mir ginge, einen Vorzugsplatz auf dem nächsten Scheiterhaufen einbringen würde. Aber der gute Name und Ruf meiner Freunde war mir wichtiger und so gingen wir zur Stadtwache. Eine kurze Unterredung unter vier Augen später waren alle Anschuldigungen fallengelassen und die Kommandantin sehr froh dass dieses Missverständnis aufgeklärt war.

Danach konnte es uns gar nicht schnell genug gehen, endlich aus Lowangen zu verschwinden. Jede Minute länger gab Puschinskes Lakaien neue Chancen uns einen Dolch in den Rücken zu stoßen. Eine Schande dass Lowangen so weit vom Mittelreich entfernt ist und nicht unter die Jurisdiktion des Kaiserreichs fällt, ansonsten hätte ich versucht den nicht ganz unbeträchtlichen politischen und klerikalen Einfluss der Greifsmantels zu nutzen um Puschinske das Handwerk zu legen.

Und so reisten wir ab und hatten zumindest unseren Namen reingewaschen. Auch kleine Erfolge sind Erfolge!

Ich hoffe wir sehen uns bald in Gareth,

Dein Sato

Anhang 1: Bild eines brennenden Scheiterhaufens, auf dem sich Puschinske und Melethaniem vor Schmerzen winden
Anhang 2:
“Geo- und Soziopolitische Analyse der Situation in Lowangen und dem Svellttal” von Sato L.I.C. von Greifsmantel”

Abstract

Die Situation in Lowangen ist extrem instabil und das Svellttal steht an der Kippe zu einem neuerlichen Krieg mit den Orks. Radikale Elemente in und um die Taverne Orkentod überfallen immer wieder Orks, die als Racheakte umliegende Höfe und Häuser niederbrennen, was auch weniger radikale Elemente immer mehr zur Anti-Ork Fraktion treibt. Sogenannte Widerstandskämpfer stehlen Waffenlieferungen und operieren praktisch ungestört. Die Stadtwache ist aufgrund der extrem hohen Verbrechensrate völlig überfordert und personell und finanziell unterversorgt. Position der Halle der Macht ist unbekannt, aber trägt nicht unbedingt zur Stabilität der Situation bei. Folgende Schlüsselpersonen und -gruppierungen sind bekannt und können die Situation in die eine oder andere Richtung zum kippen bringen.

Halle der Macht: Puschinske / Kralle der Macht unter der Führung von Ariana Melethaniem
Haltung: Unkooperativ, völlig auf den eigenen Vorteil fixiert, bricht Vereinbarungen
Akademie der Verformungen
Haltung: Kooperativ, klassische Magierakademie, wenig Einfluss, steht im Schatten der Halle der Macht
Phexkirche
Haltung: Neutral / unbekannt. Mäßig kooperativ. Sicherlich an Stabilität der Situation interessiert und kann in dieser Funktion ev. rekrutiert werden. Unabhängige Verbrecher sind nicht in ihrem Interesse. Gut informiert.
Stadtwache / Kommandantin der Stadtwache
Haltung: Bemüht sich die Lage in den Griff zu bekommen, ist aber völlig überfordert mit der Situation. Kontakt unter Berufung auf Greifsmantel kann Vertrauensbasis schaffen
Schreinergilde
Haltung: neutral, Gruppierung unbedeutender Handwerker, kann jedoch eventuell Informationen liefern. Kontakt unter Berufung auf Greifsmantel kann Kooperation (in Maßen) sicherstellen.
Radikale Elemente
Magierin die den orkischen Ritualdolch gestohlen hat ist noch am Leben! Eliminierung oder Rekrutierung je nach erwünschter Beeinflussung der politischen Lage. Erwähnung des Namens Greifsmantel nicht empfohlen
Orkischer Anführer der für Übergriffe auf Farmen verantwortlich ist, ist bekannt. Kontakt schwierig, aber ev. lohnenswert. Kontakt unter Berufung auf den Thorwaler Hjalmar möglich, jedoch erschwert da er Opfer eines Überfalls durch Radikale war. Kann ev. überzeugt werden, die Gegend zu verlassen. Respektiert körperliche Stärke und Gewalt.

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