as I scan this wasted land

jedes Haar einzeln

Satuarias Tochter erzählt: Oliandra

Liebste A.,

viele Tage sind nun schon vergangen, seitdem du von mir gehört hast. Dies liegt nicht daran, dass es nichts zu berichten gäbe, sondern dass mir die Hände gebunden waren – also jetzt nicht nur im übertragenden Sinn. Wahrlich, ich durfte die „wertvolle Erfahrung“ der Sklaverei ein weiteres Mal erleben – du kannst dich sicherlich noch an meinen Brief über die Ereignisse im Orkland erinnern. Ich kann einfach nicht verstehen, wie wir auf die dämliche Idee gekommen sind, uns diesmal quasi freiwillig versklaven zu lassen. Wir waren uns so sicher, dass wir uns wieder befreien könnten – Avesandros Hang zur Selbstüberschätzung beginnt langsam, aber sicher auf uns alle abzufärben. Aber der Gerechtigkeit halber sollte ich die Geschichte von Anfang an erzählen und auch klar hervorstreichen, dass es nicht Avesandro war, der uns in eine Situation gebracht hat, die uns fast lebenslange Sklaverei eingebracht hätte.

Wir waren noch immer in Brabak, wo ich mich der ansässigen Schwesternschaft angeschlossen hatte und in der guten Gesellschaft Auftritte gegeben habe. Im Allgemeinen eine angenehme Zeit, auch wenn sie nicht lange andauern sollte.

Eines Tages kam Hjalmar aufgeregt auf mich zu und bat mich, ihm zu Ifirnia zu begleiten. Ich war natürlich gleich einverstanden – Ifirnias Verschlossenheit und ihre Weigerung Brabak zu betreten beunruhigten mich schon seit einiger Zeit. So machten wir uns auf in den Dschungel. Dort angekommen lernte ich auch die Druidin Ingunde Entenklamm kennen, die Hjalmar und Ifirnia vor einigen Tagen getroffen hatten. Ifirnia berichtete mir von grausam verdrehten, gefolterten Tieren, die sie im Wald gefunden hatte. Sie zeigte mir eine Fundstelle und bat mich herauszufinden, ob und welcher Zauber gewirkt wurde. Leider konnte ich ihr nicht weiterhelfen und schlug ihr vorsichtig vor, Avesandro zu fragen. Ich rechnete schon mit ihrer Schimpferei auf alle Magier, aber diesmal spürte ich, dass diese Einstellung auch auf Angst zurückzuführen war.

Nach gutem Zureden erzählte sie mir, dass sie noch in Tobrien für Magister Sempelquast Tiere gefangen hatte und auch die toten Tiere wieder begraben hat. Zuerst verlief alles unproblematisch, aber schon bald fand Ifirnia heraus, dass die Tiere, die sie begraben sollte, furchtbar verdreht und verstümmelt waren. Zornentbrannt ging sie zum Turm von Magister Sempelquast und begann die verbleibenden Tiere zu befreien. Dabei geschah es, dass die flüchtenden Tiere eine Lampe umstießen und der gesamte Turm in Flammen aufging. Seitdem versteckt sie sich vor ihm und nun wurde der Magier in Brabak gesichtet. Doch dies war nicht die einzige beunruhigende Neuigkeit – die Schwester der Druidin Ingunde Entenklamm wurde von Piraten entführt, die gemeinsame Sachen mit dem Magier machen. Da auch noch eine Pereinegeweihte von den Piraten entführt wurde, entschlossen wir uns, die Entführten zu befreiten.

Sato und ich hörten uns in Brabak um, da wir herausfinden wollten, wo die Piraten als nächstes zuschlagen würden. Wir erfuhren, dass sie planten ein Moha-Dorf zu überfallen. Nach langen Diskussionen, ob und wie wir nun helfen würden, machten wir uns auf den Weg zum Dorf. Die Reise dorthin verlief einigermaßen ereignislos, abgesehen von den üblichen langwierigen Diskussionen. Wir konnten uns einfach nicht einigen, ob wir kämpfen, oder uns von den Piraten gefangen nehmen lassen sollten, um so an die Gefangenen heranzukommen. Nach langem Hin und Her beschlossen wir, dass sich Avesandro und ich als reiches Ehepaar präsentieren und die anderen sich als unser Gefolge oder als Mitreisende ausgeben würden. Wie wir auf diesen Plan gekommen sind, kann ich mir nicht mehr erklären, aber ein bisschen tun mir meine Gefährten noch immer leid – Avesandro und ich keppeln auch so schon genug –dafür müssen wir nicht so tun, als ob wir verheiratet wären.

Wir erreichten schließlich das Moha-Dorf und die Einheimischen boten uns auch Unterkunft an. Am Abend erklärten wir ihnen, dass ein Angriff auf sie geplant war und dass sie flüchten sollen. Ifirnia, Hjalmar und Ingunde lagerten etwas abseits und bauten auch Fallen, um sich auf den Piratenüberfall vorzubereiten. Daran beteiligte ich mich nicht – der Plan war doch, sich gefangen nehmen zu lassen! Sato vertraute mir einen Dietrich zum Verstecken an und ich bat Ingunde ihn in meinem Haar unterzubringen.

Am nächsten Morgen verließen die Mohas das Dorf und wir warteten. Schweren Herzens schickte ich Eolin in den Dschungel, da ich Angst hatte, dass ihm bei der Farce etwas zustoßen könnte. Die Fallen, die Ifirnia gebaut hatte, waren in der Nacht von einem ungewöhnlich starken Gewitter zerstört worden. Als die Piraten dann endlich auftauchten, leisteten wir keinen Widerstand und ließen uns gefangennehmen. Nur Ifirnia war weit und breit nicht zu sehen – wir verrieten nichts, doch ich machte mir doch Sorgen um sie. Bald aber schon hatte ich keine Zeit mehr um an die liebe Ifirnia zu denken, lag doch ein gewaltiger Fußmarsch vor uns. Die Piraten trieben uns erbarmungslos an. Beim Schiff angekommen wurden wir gleich zum Unterdeck gebracht. Von Ifirnia weiterhin keinerlei Spur. Noch hatte ich die Hoffnung, dass wir uns wie geplant befreien würden können, doch sollte sich dieser Plan bald in Luft auflösen.

Während ich darüber nachdachte, wie wir uns nun genau verhalten würden, wurde auch Ifirnia in Eisenketten gefesselt in unser Gefängnis geführt, Ingunde Entenklamm aber bewegte sich völlig frei!

Höhnisch bedankte sie sich, dass wir es ihr so leicht gemacht haben. Und wahrlich – wie konnte ich nur so einfältig sein und ihr auch nur ansatzweise vertrauen!? Sie hatte von Anfang an mit dem Piratenpack zusammengearbeitet und uns im Tausch für die Pereinegeweihte angeboten. Doch was noch schlimmer war: Ingunde Entenklamm, nicht Magister Sempelquast, war es die diese Unnatürlichkeiten mit den Tieren angestellt hatte – auch schon in Tobrien! Sempelquast kam ihr auf die Schliche, aber wie wir feststellen mussten, konnte auch er nichts gegen sie ausrichten, saß er doch, geblendet und gefesselt, im selben Boot wie wir.

Bald wurde klar, dass Ingunde eine Dämonpaktiererin ist und die Geweihte für ein Opfer benötigte. Da wir aber ihre Maskerade nie durchschauten, ja ihr vertraut haben, wusste sie natürlich von all unseren Plänen und auch von den versteckten Dietrichen. Alle unsere Habseligkeiten wurden uns abgenommen und die Paktiererschlampe wünschte uns noch höhnisch eine gute Reise.

Ich war so außer mir vor Wut, dass ich versuchte sie zu verfluchen, aber da ich durch Eisenketten behindert wurde und auch noch auf diesem vermaledeiten Schiff war und keinen Kontakt zu unserer Mutter hatte, scheiterte ich kläglich. Nicht einmal diese Befriedigung war mir gegönnt!

Bei Satuaria, Ingunde Entenklamm wird für ihre Frevel und ihre Taten uns gegenüber bezahlen! Sei dir sicher, diese Kreatur darf sich nun zu meinen persönlichen Feinden zählen – ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich ihr wieder gegenüberstehen werde – meine Rache wird furchtbar sein!

Die nächsten Monate, ja Monate, waren einfach nur brutal, entwürdigend und nervenaufreibend. Furchtbar sich so hilflos zu fühlen und tatsächlich auch zu sein! Ich will dir gar nicht die ganzen grausamen Details einer Reise auf einem Sklavenschiff beschreiben, alleine darüber nachzudenken regt mich noch zu sehr auf.
Schlussendlich landeten wir gemeinsam in Chohorp. Ein reicher Händler hatte uns gekauft, wobei ich etwas entrüstet bin über den niedrigen Preis den er für mich bezahlt hat! Andererseits bin ich ganz froh, dass ich nicht enttarnt wurde.

Als wir auf dem Weg zu seinem Anwesen ein kleines Mädchen von einem irren Bluthund retteten, eröffnete sich uns eine Chance auf Verbesserung unserer Umstände. Der Vater des Kindes überredete unseren Besitzer uns als Dank für unser Einschreiten an der großen Lotterie teilnehmen zu lassen. Wir erfuhren, dass Sklaven um ihre Freiheit und Reichtümer spielen können. Wer jedoch verliert, bleibt rechtmäßiger Sklave. Ich zögerte das Angebot anzunehmen, hoffte ich doch darauf meinen Besitzer um den kleinen Finger zu wickeln und so frei zu kommen, aber da ich auf alle Fälle schon am nächsten Morgen mit einem Brandeisen als Sklavin gebrandmarkt werden sollte, beschloss ich diese letzte Chance zu ergreifen. Verführung und Verzauberung würden im Falle des Scheiterns immer noch Alternativen darstellen. Was mich doch sehr wunderte, war dass die Geschwister di Riva de Garda und auch Sato von Greifsmantel diese Chance wahrnehmen wollten – ihre Familien hätten sie doch einfach frei kaufen können. Nun, vielleicht haben sie ein ähnlich „gutes“ Verhältnis zu ihren Familien wie ich, Genaues weiß man nicht…

Am nächsten Tag war dann auch schon die große Lotterie. Auch die Reichen konnten teilnehmen, indem sie ein Los für 1000 Dukaten kauften. Wie gebannt ich die ganze Zeit auf mein Los, doch schon bald wurde mir klar, dass es sich bei der Lotterie um ein abgekartetes Spiel handelte. Verdächtig viele freie Bürger gewannen, die Preise waren Positionen im Stadtrat Chohorps. In dieser korrupten Stadt bedeutet so eine Position natürlich auch fabelhaften Reichtum.

Nun, ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben, als die letzte Losnummer gezogen wurde. Die Glücksfee verlautbarte die Nummer 19, doch nach kurzer Diskussion, entschuldigte sie sich – sie habe das Los falsch herum gelesen, die Nummer 61 sei der Gewinner. Satos Los!

Ungläubig schaute ich ihm zu, wie er sich den Weg zur Bühne bahnte. Bald schon verlor ich ihn aus den Augen und bevor ich ihn wieder finden konnte, wurden wir restlichen auch schon von unserem Besitzer angekettet und abgeführt. Auf dem Weg zur Baracke und auch in der gesamten restlichen Nacht konnte ich über nichts anderes als über Satos „Glück“ nachdenken. Wie kann es sein, dass Satos Los doch noch gewonnen hat? Das kann einfach kein Zufall sein! Phex hasst uns! Wer ist er in Wahrheit und wer sind seine Verbündeten? Wird er mir schaden, wenn er die Wahrheit über mich herausfindet?

Nach dieser schlaflosen Nacht wartete ich resigniert auf meine Brandmarkung, als plötzlich Sato mit Gefolge in den Hof unseres Besitzers ritt und verlangte, dass wir ihm, dem neuen Schutzpraetor Chohorps, ausgehändigt werden. Wir seien Opfer unrechtmäßiger Sklaverei und bis zum Ende der Untersuchung unter seinem Schutz! Nach lautstarkem Verhandeln wurden wir und ein guter Teil unserer Besitztümer schließlich an Sato – ich meine, dem Herrn Schutzprätor – übergeben. Wir waren frei!

Liebste A. – ich habe keine Ahnung wie es jetzt weitergehen wird. Ich fühle mich von unterschiedlichen Seiten bedroht. Hinzu kommt, dass ich noch vor meiner Versklavung Avesandro einen Teil der Geschichte rund um meinen Vater erzählt habe. Ich bin mir so unsicher, er weiß so viel über mich, ich aber habe oft das Gefühl ihn gar nicht zu kennen. Ich denke doch, dass wir Freunde sind und ich bis jetzt kaum Anlass habe ihm zu misstrauen, aber du kennst ja mein Händchen für Männer …

Denkst du, dass ich im Notfall wieder in Zorgan unterkommen kann, ohne unangenehme Fragen aufzuwerfen?

Hast du vielleicht auch eine Idee, wie ich gegen Ingunde vorgehen könnte? Sie muss auf alle Fälle gestoppt werden! Hinzu kommt auch noch, dass sie Haare von mir hat und diese sicherlich auch ohne zu zögern benutzen wird, sollte sie denken, dass ich eine Gefahr für sie darstelle.

Ich bin im Gedanken oft bei dir und freue mich schon sehr von dir zu hören! Schon lange nicht mehr habe ich deinen weisen Rat so sehr vermisst wie jetzt!

Satuarias Segen sei mit dir!

In tiefer Verbundenheit,
J.

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